Eva Ladipo: „Wende“  

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In dem spannenden Roman geht es um die Energiewende und um deutsch-deutsche Geschichte. Beide Wenden scheinen zumindest in diesem Buch sehr eng miteinander verknüpft zu sein.

Eine nicht ganz abwegige Geschichte, die sehr realistisch Fakten und Fiktion verknüpft. Tatsächliche Ereignisse untermauern das Gedankenspiel der Autorin, die politische Wissenschaften studierte, über das russische Steuersystem promovierte und als Journalistin tätig ist. In ihrem Debut wird ein Spannungsbogen rund um die aktuellen Fragen der Energiewende aufgeworfen. Warum die Kanzlerin, die stets pro Atom war, sofort gänzlich aussteigen möchte. Warum ein Ministerpräsident, dessen Name im Roman umgewandelt wurde, die erste rot-grüne Koalition gründete, wobei er vorher lieber die Grünen mit Dachlatten verprügelt hätte.
Der Protagonist, ein junger Jurist, stößt bei seinen Recherchen auf alte Stasiagenten und weitreichende Verschwörungen, die die Politik und Wirtschaft gelenkt, beeinflusst und ausgenutzt haben. Denn wer profitiert letztendlich von der Wende?

Am Anfang des Romans lernen wir Martin Jäger kennen, der für die ReAG-Atom arbeitet und von seinem Beweis seiner Verschwörungstheorie eingeholt wird. Er wird in seinem Elternhaus überfallen und mit seinem eigenen Gürtel erhängt, damit es wie ein Selbstmord aussieht. Ihm und seinen Kollegen der ReAG wurde gekündigt und alle denken, dies sei einer der Gründe seines Freitodes.

René Hartenstein, ein junger Ostdeutscher, hat im Westen sein Glück gefunden. Nach seinem Jurastudium folgt er seiner Freundin nach Frankfurt und macht als Jurist Karriere in der Energieindustrie. Dann kommt es in Fukushima zur Kernschmelze und Deutschland steigt aus der Atomkraft aus und ihm wird ebenfalls gekündigt. Sein befreundeter Kollege Martin Jäger, der sich mit ihm am Abend seines Todes noch treffen wollte, hat sich auf seinem Dachboden erhängt. René geht Martins offene Termine durch, um diese abzusagen. Dabei stößt er auf Anna Smoktum, bei der Martin anscheinend ein Vorstellungsgespräch hatte. Sie bietet nun René diese Stelle in ihrem Investmentfond in London an. Er sagt zu, beginnt aber in ihrer Vergangenheit zu recherchieren, denn ihren Namen verbindet er mit einem Verdachtsfall aus der Wendezeit. Denn woher hatte sie das Startkapital für ihr sehr vermögendes Unternehmen?

Er sucht in den Archiven der Stasi. Doch diese beinhalten lediglich die Protokolle der Vorgänge, die bereits abgeschlossen waren. Die Unterlagen der laufenden Untersuchungen wurden in letzter Minute nach dem Mauerfall vernichtet. Doch gibt es durch die Digitalisierung die Möglichkeit, die per Hand zerrissenen Papiere wieder zu rekonstruieren.

Beruflich hat René Erfolg bei dem Investmentfond, das sich sehr gewinnbringend die Energiewende zu Nutzen macht. Nebenbei dringt er immer tiefer in die Vergangenheit seiner Gönnerin, der er trotz ihres Alters auch zu verfallen scheint. René begreift, daß Anna Smoktums Geschichte mehr ist als deutsch-deutsche Geschichte und er stößt auf Geheimnisse der Energiewirtschaft, die anscheinend nicht nur Martin Jäger das Leben gekostet haben.

Ein lesenswerter Roman, der einen tollen Spannungsbogen und glaubhafte Charaktere beinhaltet. Das Buch lässt sich sehr zügig lesen und bietet spannende, kluge und kurzweilige Unterhaltung. Die Geschichte hinterlässt durch ihre realen Bezüge einen bitteren Beigeschmack…

Zum Buch

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