Christian Hanewinkel: „Sie suchen die Sonne“

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„Wer mehr vom Leben erwartet als die kleine Welt, kommt in der großen nie an“

039Tiere sind einfach. Sie denken nicht über das Kommende oder das Vergangene nach. Sie passen sich ihrem Umfeld an und genießen das pure Sein. Gleich einer Katze, die sich anschmiegt und schnurrt, oder einer Perleidechse, die sich auf den heißen Steinen der mediterranen Sonne räkelt.

Das Hauptthema in dem Roman „Sie suchen die Sonne“ von Christian Hanewinkel ist die Suche nach Glück. Wahres Glück und echte Liebe sind nichts Flüchtiges. Sie sind nicht oberflächlich. Das kurzweilige Empfinden dieser Gefühle können nur Momente sein, d.h. Glücksmomente, die aber gebunden sind an Umstände, Ereignisse oder Personen. Das wahre Glück liegt im Kleinen und ist frei von Bindungen und Zwängen. Echte Liebe ist eine besitzlose Liebe, die den anderen versteht und nichts verlangt.

Der Roman handelt von Benjamin Stegner, einem arbeitslosen Journalisten, der sich neu finden muss. Seine kinderlose Ehe ist zerbrochen. Seine Frau hat ihn mit seinem damaligen Vorgesetzten betrogen und hat auch ein Kind mit diesem. Stegner verliert seine Arbeit, da die Schnelllebigkeit und die Oberflächlichkeit der Medien seinen Beruf immer mehr in Frage stellen. Schlagzeilen sind keine Minute mehr wert, weil die nächste Nachricht bald schon kommt. Magazine, die sich immer mehr online ausrichten, tragen damit den guten Journalismus zu Grabe. Nachrichten sind zu einer Ummantelung der Werbeanzeigen geworden.

Benjamin steigt kurzentschlossen aus. Er flüchtet an die portugiesische Algarve und von seinem Ersparten mietet er in Tavira eine kleine Wohnung. In einer Kneipe trifft er sich regelmäßig mit Einheimischen und weiteren Aussteigern. Alle suchen das Glück, ihre Freiheit und die Liebe.

Benjamin ist zynisch und nicht bereit sich tiefgründig auf Menschen einzulassen. Für eine neue Liebe fühlt er sich nicht bereit. Dabei trifft er sich fast täglich mit der schönen Französin Cora in einem Café. Sie ist geschieden und hat einen Sohn. Für ihn ist es Freundschaft, doch möchte sie mehr von ihm. Als sie ihm eines Tages berichtet, dass sie zurück nach Frankreich gehen möchte, verstört ihn dies doch allerdings sehr. Er nimmt sein Mountainbike und fährt ziel- und planlos durch die Gegend. Er ist der Natur und Sonne gänzlich ausgeliefert und landet erschöpft und völlig dehydriert im Straßengraben, wo er sein Bewusstsein verliert.

Die Portugiesin Joana rettet ihn und pflegt ihn gesund. Sie freunden sich an und er hilft ihr den Gemüsegarten wieder aufzubauen und ihren verschwundenen Bruder zu suchen. Als er auch noch mitbekommt, dass ihr Grundstück wegen des nahegelegenen Steinbruchs abgerissen werden soll, beginnt er wieder zu schreiben. Vorerst einen naiven, sarkastischen Leserbrief. Doch erzählt Joana ihm die ganze Wahrheit?

Er findet in seinen alten Beruf zurück. Aber er findet dadurch keine Erfüllung. Er glaubt an die Macht des Wortes, das Realitäten spiegelt aber auch schaffen kann. Er möchte nicht nur Schlagzeilen liefern. Denn er ahnt, dass Leser Fließbandnachrichten satt sein werden. Er bricht abermals ab und verlässt erneut Deutschland, um letztendlich in Portugal bei sich anzukommen.

Seine Suche nach Glück ist im Titel enthalten, sie suchen die Sonne im übertragenen Sinne. Denn das Glück liegt im Vorhandenen, im Natürlichen. Er erkennt, dass Menschen ständig nach Anerkennung und Glück suchen, aber nicht merken, dass beides im ständigen Vorbeilaufen nicht zu haben ist. …

Dies ist der dritte Roman von Christian Hanewinkel. Er hat in diesen kurzweiligen Roman viel einfließen lassen, so dass man nach Beendigung der Geschichte einiges für sich mitnehmen kann. Ein Unterhaltungsroman, der zum Nachdenken anregt. Da ich mit dem Autor via Facebook befreundet bin, weiß ich, dass einiges von ihm in die Personen eingeflossen ist. Der Protagonist ist wie der Autor vernarrt in gute Musik. Musik, die er mag, improvisiert und hat echte Kunst hervorgebracht. Heute ist der Boden der Kunst geleckt. Vieles wird in der Kunst gleich den Medien für schnelle Kicks und Klicks produziert. Menschen, die sich mit etwas beschäftigen wollen, suchen die Tiefe und die echten Emotionen und nehmen sich Zeit für etwas. … Dafür gibt es Literatur und Bücher wie dieses….

Zum Buch

Siehe auch: Hanewinkel, Christian: „Lonesome zweisam

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