Nicholas Shakespeare: „Broken Hill“

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Es sind nur 125 Seiten, die uns eine Geschichte anhand einer wahren Begebenheit erzählen und uns wiedermal Geschichte aufzeigen, die vor hundert Jahren passierte, aber immer noch aktuell ist. Was heißt es, ein Fremder in einem fremden Land zu sein? In einer anderen Kultur zu leben? Wo wurzelt der Fremdenhass, das Unverständnis für den oder die Anderen? Die mangelnde Bereitschaft aufeinander zuzugehen und nicht auszugrenzen, kann wie immer fatale Folgen haben und ist, wie sich auch bereits vor hundert Jahren zeigte, unmenschlich und endet viel zu oft in schrecklicher und unnützer Gewalt.

Broken Hill ist eine Bergbausiedlung in Australien. Die Bodenschätze, die Metalle, die hier aus den Stollen gegraben werden, sind eine begehrte Handelsware. Durch den Ersten Weltkrieg versiegt aber der Handel immer mehr. Die Handlung beginnt kurz vor Zehn Uhr am Neujahrstag des Jahres 1915. Die Bewohner wollen an diesem heißen Tag ihren alljährlichen Ausflug machen. Es soll ein unbeschwertes Picknick vor den Toren der Stadt werden. Noch ahnt keiner aus dem Hinterland, dass an diesem Tag die angestaute Wut zweier Einwanderer ausbrechen wird.

Die Frage ist, ob das Drama vorauszusehen war oder sogar hätte verhindert werden können. Die Menschen, denen wir im Zug begegnen, sind meist einfache Menschen, die zu Teilen ihren Rassismus aussprechen und sogar diesen unangenehm leben und somit andere Kulturen von vornherein ausgrenzen. Aber es gibt auch Menschen, die neugierig sind und sich den Anderen nicht verschließen und auch Gefühle zulassen. Rosalind, die Hauptfigur ahnt, dass sie während des Picknicks verlobt werden soll, doch dabei regen sich in ihr auch Gefühle für den Eisverkäufer Gül Mehmet. Er ist ein friedliebender Mensch, der mit seinem Freund, Molla Abdullah, nach Broken Hills gekommen ist, um dort ein besseres Leben zu finden. Molla Abdullah ist ein ritueller Schlachter, der seinen Beruf nicht mehr ausüben darf. Durch das Unverständnis der anderen Lebensgewohnheiten und die schnell ausgesprochenen Hygienegesetze beginnt für beide ein Leben voller Diskriminierung. Auch Gül Mehmet muss die Qualität seines Eises stets beweisen. Alle Beteiligten steigern sich in ihre Ansichten hinein, ohne wirklich mit den Betroffenen zu reden. So müssen die beiden Einwanderer lange unter Anfeindungen und Ausgrenzungen leben.

Alles geschieht vor dem Hintergrund der großen Ereignisse in der Welt. Im fernen Europa tobt der Erste Weltkrieg und Australien sendet Truppen, um Großbritannien zu unterstützen. Als 1914 der türkische Sultan zum Kampf gegen England und dessen Alliierte aufruft, zögern im australischen Hinterland Molla Abdullah und sein Freund Gül Mehmet nicht, denn sie haben sich im Laufe der Zeit immer mehr radikalisiert und planen unbemerkt einen Anschlag auf die 1239 Männer, Frauen und Kinder auf ihrem Weg zum Picknick.

Es kommt zu einem unnützen Blutbad, das in die Geschichte eingeht. Warum und wodurch kommt es zu solchen Ausgrenzungen und Radikalisierungen?  Eine Geschichte, die hundert Jahre her ist und sich im fernen australischen Hinterland ereignete, ist leider immer noch aktuell…

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