Patti Smith: „M Train“

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Patti Smith ist Poetin. Sie ist Musikerin und ihre Liebe zur Macht des Wortes hat sie bereits in ihren Songs bewiesen. Als Schriftstellerin zeigt sie eine persönlichere Seite und kann mich somit noch mehr erreichen. „M Train“ ist bereits ihre drittes Buch und sie taucht ein in ihre Erinnerungen. Sie erzählt über vieles und über gar nichts. Sie nimmt sich Raum für die Dinge, die ihr wichtig sind. „Es ist nicht so leicht, über nichts zu schreiben“. So beginnt sie in „M Train“ ihre Gedankenströme zu formulieren. Es sind poetische Erinnerungsfragmente über ihren Ehemann, die Kinder und ihre Reisen.

Patti Smith lädt uns ein, ihr zu folgen. In ihr Lieblings-Café, auf ihren Reisen und besonders in ihre literarische Welt. Sie liebt die Bücher von Murakami, Bulgakow, Burroughs und ist begeistert von den Werken der Beat Generation. Sie nimmt uns mit auf ihre Reisen nach Berlin, wo sie am Grab von Brecht aus „Mutter Courage und ihre Kinder“ singt, nach Japan, Mexiko und London. Sie reist u.a. auf den Spuren von Frida Kahlo und man spürt Smiths Verbundenheit zur Kunst und zum Leben. In allen ihren Betrachtungen ist ihre Menschenliebe zu spüren. Eine grenzenlose Liebe zu ihrem verstorbenen Mann, der sie zumindest gedanklich stets begleitet. Denn auch das sich lösen können ist ein langer Lernprozess.

Der Text wird aufgelockert und bekommt dadurch eine visuelle Vertiefung durch die selbstgeknipsten Polaroids. Diese Bilder runden das Buch als ein unterhaltsames, stimmungsvolles Kunstwerk ab.

Auch beschäftigt sich Smith mit Träumen. So erscheint ihr im Traum immer wieder ein rätselhafter Cowboy. Dieser ist in ihren Träumen gegenwärtig oder ist es Smith, die in seinen Träumen auftaucht…? Der kleine Cowboy als das Pendant zu den Schamanen in James Douglas „Jim“ Morrison? (siehe u.a. „Uns verbrennt die Nacht“ von Craig Kee Strete)

Patti Smiths Leben in New York ist erfüllt von ihrer Existenz als Schriftstellerin, als Schreiberin und Texterin. Wir folgen ihr in ihr Café und bekommen, während wir ihr über die Schulter schauen, permanenten Kaffeedurst. Denn sie liebt Kaffee und verbringt Stunden in ihrer Lieblingsecke und grübelt. Über alles und nichts… Und genau um das geht das Buch.

Ein schöner, poetischer Fundus an Erinnerungen, die mich jetzt beim Lesen mehr angesprochen haben als ihre Musik. Wobei ich diese niemals missen oder mindern möchte. Das Buch regt an, sich  noch mehr mit dieser Heldin auseinanderzusetzen. Die Gedankengänge von Patti Smith sind verkopft, spirituell und stets kunstvoll.

Zum Buch

Siehe auch Maras Besprechung auf Buzzaldrins Bücher

3 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

3 Antworten zu “Patti Smith: „M Train“

  1. Was für eine schöne Besprechung, ich freue mich, dass auch gefallen an diesem Buch finden konntest. Es ist ja doch irgendwie ein ganz besonderes Leseerlebnis.

    Natürlich auch vielen Dank für die Verlinkung!

    Liebe Grüße
    Mara

    • Liebe Mara,
      das Buch hat mich bereits in der Vorschau angesprochen und Deine Besprechung war so positiv, daher musste ich es einfach lesen… 😉
      Liebe Grüße, Hauke

  2. Das Bild zum Beitrag – Buch und Kaffee – ist natürlich perfekt!
    Ich war so beeindruckt von Patti als Kaffeetrinkerin, dass ich statt einer Rezension einfach darüber gebloggt habe … https://timoluks.wordpress.com/2017/01/15/ueberflutet-vom-glanz-meines-traums-und-kaffee-trinkend/

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