Sonja Rüther: „Blinde Sekunden“

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Ein Spannungsroman, der mit wenig Blut auskommt. Trotz der Vorliebe der Autorin für gruselige Geschichten, ist ihr erster Thriller ein Krimi ohne Ekeleffekte und großen Mordszenarien. Es geht mehr um die Menschen und ihre seelischen und psychologischen Beweggründe. Wie weit mag ein Mensch für seine Ideale und Vorstellungen gehen? Wie weit geht der Mensch für die Liebe und wie weit kann er von Krankhaftem oder Hass getrieben werden?

Sonja Rüther unterhält und baut einen Spannungsbogen auf, der mich nicht wegen der Suche nach dem Täter fesselte, sondern durch den Aufbau der Geschichte und die Bewegründe der einzelnen Figuren. Ich meinte schnell den Handlungslauf, d.h. den Täter erkennen zu können, doch minimierte dies keinesfalls die Spannung, denn ich wollte wissen, wie die Charaktere agieren und warum. Der Blick in die Psyche, die Seele und die Abgründe der einzelnen Figuren machte für mich diesen Krimi glaubwürdig und hielt stets die Spannung.

Die Handlung spielt meist in Hamburg, aber auch in Göttingen und beginnt auf einer Charity-Veranstaltung. Wir lernen den Schönheitschirurgen Dr. Karl Freiberger und seine Frau Barbara kennen. Sie bewegen sich in der Welt der Schönen und Reichen, denen er oft zu ihrem Ansehen verholfen hat.  Seine Frau, die anscheinend durch seine Kunst operationssüchtig ist, leidet unter einer Depression. Doch ist sie wirklich suizidgefährdet?

In Hamburg treibt ein Serienmörder sein perfides Spiel. Er entführt seine Opfer aus teuren Hotels und tötet diese nach meist 119 Tagen. Im Hamburger Fünf-Sterne-Hotel Grand Elysée treffen wir erneut auf Dr. Karl Freiberger, der einen Mediziner-Kongress besucht. Im Foyer treffen sich Silvia und Sven zu einem heimlichen Rendezvous. Beide sind verheiratet, aber nicht miteinander. Sie leben in glücklichen Ehen. Silvias Ehemann ist auch der beste Freund von Sven. Doch bereits seit fünf Jahren fühlen sich Silvia und Sven immer mehr zueinander hingezogen und es wird Liebe, der sie aber keinen Raum geben wollen. Nur ein einziges Mal möchten sie ihrem körperlichen Verlangen nachgeben und verabreden sich heimlich im Grand Elysée. Durch die vorherige Aufregung und innere Unruhe verplappert sich Silvia fast bei ihrem Arbeitskollegen. Als endlich der Tag der gemeinsamen Nacht da ist und sie das Zimmer beziehen können, eilt Sven voraus, um das Zimmer persönlicher zu gestallten. Als Silvia dann aber nicht nach oben kommt, beginnt das Grauen…

Hat Silvias schlechtes Gewissen gesiegt? Hat sie es sich doch anders überlegt?  Ist sie ein Opfer des Fünf-Sterne-Mörders?

Eberhard Rieckers steht kurz vor der Pensionierung und beobachtet das bürokratische Ermitteln seiner Kollegen mit Skepsis. Gerade der Serienmörder, der in Hamburg sein Unwesen treibt, regt seine Neugier an. Aber als Polizist darf und kann man sich seine Fälle nicht aussuchen. Als er dann vom aufgelösten Sven aufgesucht wird, sieht Eberhard seine Chance im Fall tätig zu werden, denn der Tatort passt zum Profil des Serienkillers. Doch reichen seine langjährigen Erfahrungen, um die Wahrheit herauszufinden?

Ein unterhaltsamer Spannungsroman, der als Debut auf mehr von der Autorin hoffen lässt.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Sonja Rüther: „Blinde Sekunden“

  1. Lieber Hauke,
    das Titelbild schreckt mich ab, aber Deine positive Besprechung läßt es mich nun doch in Leseerwägung ziehen. Danke für die differenzierte Informierung.
    Kollegiale Grüße 🙂

  2. Lieber Hauke,
    das klingt gut – ich mag Psychogramme 🙂
    Liebe Lesegrüße, Heike

  3. Pingback: Sanne Averbeck: „Die Gästeliste“ | leseschatz

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