Arnaud Dudek: „Strand am Nordpol“

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Eine Landschaft, die nicht stimmig ist, fast schon fantastisch wirkt, aber einen Hauch von Hoffnung beinhaltet. Sollte es einen Strand am Nordpol tatsächlich geben, dann ist wohl alles möglich.

Arnaud Dudek schreibt in einem leichten, verspielten Ton und ist ein ganz genauer Beobachter. Der erfolgreiche französische Schriftsteller wurde mit diesem Roman erstmalig ins Deutsche übersetzt.

Am Anfang lernen wir Pierre Lacaze, einen Autor und Zeichner von Graphic-Novels, kennen. Er erhält einen Anruf der eigentlichen Heldin des Romans: Françoise Vitelli. Sie hat eine Digitalkamera gefunden und mit familiärer Hilfe konnte Françoise die Bilder sichten. Da sie Buchhändlerin war, kann sie schnell anhand der gemachten Bilder den Bezug zu Pierre herstellen, der auf einem Foto neben seinen Werken posiert. Françoise möchte die Kamera zurückgeben, aber diese gehört nicht Pierre, sondern Jean-Claude Stillmann, einem Freund. Während einer missglückten Signierstunde in einer Buchhandlung sind die meisten Fotos entstanden, die sich Françoise angesehen hatte.

So lernen sich die einsame, ältere Françoise und der dreißig Jahre jüngere Jean-Claude durch puren Zufall kennen. Stück für Stück schmilzt das Eis zwischen dem ungleichen Paar und durch die gemeinsamen Gespräche bei einem Gläschen Port wirkt sich Françoise Lebenslust positiv auf Jean-Claude aus. Er gewinnt langsam sein Selbstbewusstsein zurück. Er ist arbeitslos und geschieden und möchte sich bei Françoise revanchieren. Er bringt ihr den Umgang mit den neuen Medien bei. Sie kaufen ihr einen Computer und erst langsam dämmert es Jean-Claude, dass die ältere Dame das Internet lediglich für den Besuch auf Flirtseiten nutzen möchte. Sie ist seit zehn Jahren Witwe und ihr verstorbener Mann, Alfonso, hätte es nicht ertragen, sie alleine zu sehen. Sie möchte nicht auf Kreuzfahrten oder geladenen Tanztees verstauben, sondern erhofft sich frischen Wind durch das Internet.

Françoise meldet sich in Foren unter dem Namen Bonnie an. Denn langsam schauen wir Leser auch in ihre Vergangenheit zurück. Alfonso, der durch sie etwas gezähmter war, hat dennoch als Gangster-Opa Geschichte gemacht. Angelehnt an Gary Cooper entpuppt er sich als Gentleman-Verbrecher. Sein Abgang war eher ein missglückter und lange hat Françoise daran zu arbeiten und benötigt ihre Zeit, um das zu verkraften.

Ferner wird der Roman belebt durch die tollen Nebenfiguren. Unter anderem Fanny, die Exfreundin von Jean-Claude, sowie Christiane und Jacques, die Freunde von Françoise.

Françoises Lebenslust überträgt sich sowohl auf den Träumer, der gerne jegliche Zeit anhalten würde, sowie auf uns, die Leser. Ein kurzweiliger, kraftvoller Roman, der aus dem Unscheinbaren glanzvolle, humorvolle und tiefgründige Momente zaubert.

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