Jochen Rausch: „Im Taxi“

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Ein Buch über Taxifahrer und ihre Geschichten. Sie fahren Tag und Nacht – sie erzählen und hören zu. Meist sind es ganz kurze, oberflächliche Gespräche, die aber in der Summe ein Panorama aus Ansichten, Meinungen und Erfahrungen mit uns teilen. Die Fahrgäste und die Taxifahrer haben eins gemeinsam, sie müssen irgendwohin fahren. Nur ist es der Fahrgast, der das Ziel angibt. Es gibt wohl 250.000 Taxifahrer in Deutschland und jeder mit einer eigenen Geschichte.

Jochen Rausch ist viel mit dem Taxi gefahren und hat den Fahrern zugehört. Er machte sich seine Notizen und versuchte auch den Stil des Gesagten beizubehalten. Aus diesem Potpourri sind 120 Miniaturen aus unterschiedlichen Städten entstanden, die nie länger als eine Seite sind. Jede Geschichte öffnet eine Welt, die man kurzweilig besucht. Jochen Rausch als Schriftsteller versteht es, nicht zu werten, sondern einfach den Wortlaut und das Erzählte unkommentiert auf den Leser wirken zu lassen. Es sind oft Menschen, die diesen Beruf als Übergangsjob ausüben oder, weil zurzeit keine Alternative für den Fahrer ersichtlich ist.

Jochen Rausch, bekannt durch den Roman „Krieg“ (wird gerade verfilmt), fährt ungern selber Auto und nimmt bevorzugt die öffentlichen Verkehrsmittel. Im Taxi sitzt er meist vorne neben dem Fahrer und fördert das Gespräch. Nicht immer erwünscht oder positiv, wie auch gleich der Einstieg im Buch zeigt. Hierbei ist ihm wohl die Idee gekommen, diese festzuhalten und zu notieren. So sind diese Geschichten „Im Taxi“ entstanden, die im Radio bei NDR Kultur und WDR 5 liefen und jetzt als Buch vorliegen.

Man fühlt sich erinnert an den Episodenfilm „Night on Earth“ von Jim Jarmusch und bummelt mit Jochen Rausch durch die Städte und taucht ein in kurzweilige Miniaturwelten, die anregen und nachklingen können. Mal sind die Menschen, die uns fahren, sympathisch, mal staunt man einfach und auch unsympathische Taxifahrer lassen uns in ihr Fahrzeug einstiegen. Es sind u.a. Filmemacher, die auf ihre Chance warten, Flüchtlinge, die in Deutschland lieber Taxifahren, als in ihrer Heimat Menschen verarzten. Fahrer, die sich als Könige empfinden oder als Verlierer. Aber auch sie müssen viel aushalten: die Fahrgäste bringen ebenfalls ihre Geschichten mit in den Fahrgastraum und benehmen sich dort oft nicht wie Gäste. Die meiste Zeit verbringen die Taxifahrer mit warten und wenn endlich ein Gast in den Wagen steigt, ist man froh, wieder einen Gesprächspartner zu haben. Der ehemalige Studentenjob wird nun oft von Menschen ausgeübt, die gerade mal so mit ihrem Gehalt leben können. Es sind u.a. ehemalige Ärzte mit Migrationshintergrund oder Kunst- und Literaturliebhaber. Rausch gibt allen, den gebildeten und den einfachen Leuten eine Stimme und wir erlesen deren Geschichten in kurzen Sätzen, aber stets im engen Raum eines Taxis aufgefangen.

So ist das Buch ein Reigen an Eindrücken, die man zügig erliest, aber länger im Kopf behalten wird. Jochen Rausch lädt uns ein zu einer besonderen Reise durch Deutschland. Auf kleinstem Raum öffnet das Buch ganze Geschichten, die authentisch sind und uns im wahrsten Sinne des Wortes etwas erfahren lassen.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Jochen Rausch: „Im Taxi“

  1. Tolle Idee, über Taxifahrten und Gespräche im Taxi zu schreiben. Sich quasi einem Fremden anzuvertrauen und nach Hause fahren zu lassen kann eine besondere Beziehung bewirken, die sehr interessante Gespräche mit sich bringt. Werde ich unbedingt lesen.
    Viele grüße von den Vorlesern

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