David Garnett: „Mann im Zoo“

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Ist eine Artgerechte Tierhaltung im Zoo möglich und sind wir Menschen nicht auch Tiere?

Der Roman „Mann im Zoo“ wirft Fragen auf und ist nebenbei eine sehr gute, literarische Unterhaltung, die bereits 1924 in England erschienen ist. Die Geschichte von Diogenes im Londoner Zoo ist auch gespickt mit viel britischem Humor.

Wir lernen John Cromartie bei einem Besuch mit Josephine Lackett im Londoner Zoo kennen. Auf den ersten Blick wirken sie wie ein Liebespaar, doch sie streiten sich beim Flanieren vor den Tieren. Sie hat seinen Antrag abgelehnt und verweigert sich der Verlobung. Der Streit wird immer beleidigender und sie nennt ihn ein Überbleibsel, einen Tarzan, der zu seinen Freunden ausgestellt gehört. Da sie ihn, den Tarzan in ihren Augen, nicht heiraten möchte, verabschiedet er sich und sie gehen getrennte Wege.

Die Vorwürfe haben ihn getroffen und er überlegt, ihren Ratschlag anzunehmen. Nicht, um es ihr zu beweisen oder sie zu verletzten, er findet, der Homo Sapiens gehört ebenfalls in dem Zoo ausgestellt, da sonst auch alle anderen Tiere im Tierpark zu sehen sind. John schreibt tatsächlich einen Brief an die Verwaltung des Zoos und bietet sich dem Park als Ausstellungsstück an. Sein Brief wäre wohl nicht so angenommen worden, wenn sich nicht ein unbeliebtes Mitglied des Vorstandes so sehr in Empörung über jenes Anliegen hineingesteigert hätte. Der unliebsame Vorstandsmensch droht mit seinem Rücktritt, würde man in Erwähnung ziehen, John Cromarties Bitte nachzukommen. Also ist die Einstellung als Mensch im Zoo zügig ausgesprochen. John bekommt einen Käfig mit eigenem Bad und Schlafraum. Er möge sich aber sonst stets vorne aufhalten und sich gerne wie jedes andere Tier benehmen. Fortan lebt John im Zoo zwischen seinen neuen Nachbarn, einem Schimpansen und einem Orang-Utan. Er wird die Zooattraktion, die bestaunt, belacht und gerne aufgesucht wird. Abends nutzt er seine Freigänge im Park und lernt, sich den tierischen Instinkten und Verhalten anzupassen. Der Pfleger des Affenhauses ist auch für seine Belange zuständig und so lebt er sich schnell ein und lebt Diogenes gleich in seinem Gehege. Da er aber mehr Besucher an seine Gitterstäbe lockt als seine Nachbarn, macht er sich auch nicht gerade unter den Tieren beliebt, da diese nun weniger Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommen. Seine Ignoranz gegenüber seinen Zellengenossen verstärkt deren Haltung, die für ihn gefährlich werden könnte. Lediglich mit einem Karakal, einer afroasiatischen mittelgroßen Katze, die auch als Wüstenluchs bezeichnet wird, freundet er sich an.

Da er seinen Einzug in den Zoo nicht als Belehrung, Rache oder dergleichen angetreten ist, wächst nun in ihm eine Unruhe und Befürchtung darüber, was er tun soll, wenn Josephine ihn im Zoo aufsucht. Noch schafft er es, die Besucherströme auszublenden und nicht wahrzunehmen, aber was passiert, würde sie ihn so sehen? Denn natürlich hat sie auch der Presse entnehmen können, dass John tatsächlich im Zoo ausgestellt wird. Ist er verrückt geworden? Was ist mit seinem Leben? Was mit seiner Liebe?

Als sie dann doch vor ihm steht, verbietet er ihr sogar den Besuch. Doch da er nun ein Tier unter Tieren ist, kann ihn jeder, ob er möchte oder nicht, aufsuchen und ansehen.

Als der Zoo noch weitere Menschen aus allen Regionen ausstellen möchte, eskaliert es und Tier und Mensch kommen sich unliebsam näher. Ob John und Josephine sich doch erneut als Menschen begegnen und was aus der Idee wachsen kann, Menschen und Tiere auf eine Ebene als Ausstellungsstücke zu stellen, sei nun dem Leser überlassen, der sich auf sehr vergnügliche Lesestunden freuen kann. Ein Roman voller tierischer Menschen und menschlicher Tiere. Die meisten sind dickköpfig und verrennen sich. Fast alle Beweggründe geschehen aus Eifersucht, Liebe und Neid. Ein feiner, unterhaltsamer und gut geschriebener britischer Roman, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt.

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Siehe auch renies-lesetagebuch

2 Kommentare

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2 Antworten zu “David Garnett: „Mann im Zoo“

  1. Treffliches Buchfoto! Und ein interessantes Buch offenbar, von dem ich noch nie gehört. Meinen Dank!

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