Anne Siegel: „Reykjavík Blues“

Anne Siegel Reykjavik Blues Europaverlag

Endlich, die große Island-Saga geht weiter. Anne Siegel hat das für Island geschaffen, was Elena Ferrante für Neapel erreicht hat. Dabei ist ihre Saga schon vorher erschienen. Der erste Band „NordBräute“ wurde bereits 2015 verlegt. Anne Siegel wechselte dann den Verlag und somit begann der Zyklus mit der Neuauflage von 2017 erneut. Mit „Reykjavík Blues“ ist jetzt endlich die Fortsetzung erschienen. Der dritte und abschließende Teil soll nun eher kommen. Man müsste „NordBräute“ nicht unbedingt vorher gelesen haben, um in die Handlung von „Reykjavík Blues“ einzusteigen. Es wird alles Notwendige erzählt. Doch hat die Saga eine enorme Suchtwirkung und man sollte sie einfach alle lesen. Besonders, wenn man am Ende des Blues angekommen ist, wartet man erneut sehnsüchtig auf den abschließenden Band.

Anne Siegel widmet sich den Auswandererfrauen. Ihr Buch „Frauen Fische Fjorde“ bildete die Grundlage der Autorin zu diesen Romanen. „Nordbräute“ erzählt über die deutschen Frauen, die dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes folgten, um kurzweilig oder auch für immer in Island auf den Höfen zu arbeiten. Junge Frauen, die in Deutschland nach dem Krieg keine Zukunft sahen. Dieser Aufruf wurde 1949 in einer norddeutschen Zeitung abgedruckt. Im Vordergrund ist es die Geschichte von Christa, die ihrer Vergangenheit in Deutschland den Rücken kehrt und in Island als Maklerin ein Vermögen macht. Doch die Wirtschaftskrise verändert alles.

Diese Krise bewegt nun Jón, den Enkel von Christa, nach Island zurückzukehren. In „Reykjavík Blues“ wird seine Geschichte, nebst der des schmutzigen Geldes erzählt. Erinnert etwas an die großartige dänische Serie „Follow the Money“. Der vorliegende Blues ist tief verwurzelt in den Schicksalen und der Landesgeschichte Islands. Jón hat als Musiker Karriere gemacht und ist Cellist in Köln. Er wirkt anziehend auf Frauen, hat aber bisher keine feste Beziehung. Denn seine große Liebe ist seit Kinderzeiten Léontine. Sie und die isländische Bankenkrise locken ihn für einen Neuanfang auf die Insel im Nordmeer. Er kündigt sein Engagement bei seinem Orchester und kehrt nach Island zurück. Dort kandidiert er als Politiker, der sich für die Kunst und gegen die immer noch herrschende Korruption einsetzen möchte. Léontine, die für Jón mehr ist, als eine Freundin aus Kindertagen, trägt schwer an ihrem Anteil an der Wirtschaftskrise. Sie war als Bankerin mitbeteiligt und hat sogar für ihren Verschleierungsversuch der großen Geldsummen in Haft gesessen. Denn das Geld der isländischen Bevölkerung, wie sich in Folge zeigt, ist nicht weg, nur haben es halt jetzt wenige andere, die sich ein feines Leben in der Karibik gönnen. Christa, Jóns Großmutter, beobachtet dies alles mit Argusaugen und folgt der Beziehung von Jón und Léontine und letztendlich auch dem verschwundenen Kapital. Christa, die einst vor Gott geschworen hatte, wenn ihr schon alles und besonders die Liebe genommen wurde, möchte sie auch in Zukunft auf diese verzichten und wenigstens eine reiche Frau werden. So beginnt die Reise nach dem Glück und die Suche nach dem schmutzigen Geld …

Anne Siegels Bücher sind Unterhaltung pur. Sie erzählen Geschichte und Geschichten. Die Handlungen und Figuren sind toll, humorvoll und einfühlsam beschrieben. Man hat sofort Bilder im Kopf. Besonders reizvoll sind dabei die Natur und Landschaft Islands, die immer wieder in Anne Siegels Literatur in den Vordergrund rücken. Diese Saga ist lesenswerte Bildung und Unterhaltung in einem.

Siehe auch meine Besprechung „NordBräute“ hier im Leseschatz und Leseschatz-TV: Anne Siegel: „NordBräute“ (YouTube). Zum Buch in unserem Shop.

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