Michael Donkor: „Halt“

Michael Donkor Halt Edition Nautilus

Dieser Debütroman wurde vom Guardian auf die Liste der besten Romane 2018 gewählt und für den Dylan Thomas Prize 2019 sowie den Desmond Elliot Prize 2019 nominiert. Wird es diesen viele Auszeichnungen gerecht, dass man es sogar als bestes Buch küren möchte? Es ist ein besonderes, ein tolles Buch, das berührt, erheitert und begeistert. Es geht um das Erwachsenwerden und spielt in Ghana und England. Es handelt von Freundschaft, Familie, Zusammenhalt und Schamgefühl.

Michael Donkor wurde 1985 in London geboren. Er studierte Englisch und Creative Writing. Er unterrichtet Englisch an einer Mädchenschule. „Halt“ ist sein literarisches Debüt. Da er an einer Mädchenschule unterrichtet, ist ihm wohl dieser Stoff zugefallen. Sprachlich beginnt und bleibt es zu Teilen naiv. Doch ist dies ein Kunstgriff, da dadurch eine glaubhafte Stimmung in Bezug auf die Protagonisten aufgebaut wird. Die Sprache und Handlung reifen mit dem Verlauf der Geschichte.

Es beginnt in Ghana. Belinda kommt als Hausmädchen nach Kumasi. Die Eltern können nicht mehr für ihre Ausbildung aufkommen. Daher wird sie in die Dienste einer anderen Familie gestellt, um ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Auch wünscht sich die Mutter, dass es Belinda mal besser als ihr gehen soll. Belinda ist siebzehn Jahre alt und ist voller Ehrfurcht und Demut. Sie sorgt sich um den Haushalt und versteht es, ihre Arbeit stets gründlich zu verrichten. Dabei verdrängt sie immer mehr ihre eigentliche Herkunft und Kindheit. Ihre Weltsicht ist gottesfürchtig, kindlich und dennoch erwachsen. Sie akzeptiert die Regeln und lebt nach diesen. Die elfjährige Mary lebt ebenfalls als anzulernendes Hausmädchen in derselben Familie. Belinda nimmt sich dieser an und lehrt sie, den Haushalt zu führen. Es entsteht eine schwesterliche Bindung. Belinda bekommt aber eine neue Chance im Leben. Aus Gutmütigkeit kann Belinda nach London zu einer anderen Familie gehen. Dies soll sie Mary selbst auf einem Ausflug in den Zoo berichten. Mary, die fast nicht zu bändigen ist, ist voller Trauer und Wut, weil sie in Belinda eine Art Schwester gefunden hat.

Belinda, die ziemlich angepasst ist, muss mit ihrer neuen Welt und Freiheit zurechtkommen. Sie soll nicht als Dienstmädchen arbeiten, sondern darf zur Schule gehen und soll Amma, der Tochter der Londoner Familie, ein gutes Beispiel sein. Denn Amma beginnt zu rebellieren, sie hat genug von Regeln. Sie geht auf eine gute Schule und war bis vor Kurzem eine sehr gute Schülerin. Auf einmal wurde sie zunehmend introvertierter und übellauniger. Ihre Eltern beschließen, dass die einfühlsame und gut erzogene Belinda wohl einen guten Einfluss auf Amma ausüben könnte und laden sie zu sich nach London ein. In London ist für Belinda vorerst alles fremd und anders. Sie vermisst Mary und sucht deren Nähe, die sie nun nur noch per Telefon erfährt. Doch gelingt es ihr, sich immer mehr einzuleben. Sie schafft es auch, sich Stück für Stück der verschlossenen Amma zu nähern. Nach Monaten schafft sie es, Ammas Vertrauen zu gewinnen. Ammas Gefühlswelt steht Kopf und sie muss sich ihrer aufkeimenden Liebe zu Frauen bewusst werden.

Der Roman begeistert besonders durch die Sprache, die sich den jeweiligen Charakteren und Örtlichkeiten anpasst. Das Buch bietet mehr als eine übliche Coming-of-Age-Geschichte. Der Text wird belebt durch ghanaische und afro-karibische Idiome. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Marieke Heimburger und Patricia Klobusiczky.

Da es sich um ein Debüt handelt, ist die Erwartungshaltung an noch hoffentlich kommende Werke von Michael Donkor sehr hoch. Ein wunderbarer Roman, der Preise und Belobigungen verdient!

Zum Buch in unserem Onlineshop

4 Kommentare

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4 Antworten zu “Michael Donkor: „Halt“

  1. Klingt richtig gut – danke für den Tipp 🙂

  2. Cora | wortkulisse

    Ich hatte das Buch diese Woche in der Buchhandlung in der Hand und habe es dann doch wieder zurückgestellt. Deine Besprechung klingt aber vielversprechend. Wenn ich das nächste Mal dort bin, werde ich auf jeden Fall mal reinlesen.
    Liebe Grüße!

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