Ilinca Florian: „Das zarte Bellen langer Nächte“

Ilinca Florian Das zarte Bellen langer Nächte Karl Rauch Verlag

Eine Frau, die sich zu finden versucht. Was kommt nach der Leichtigkeit der Jugend? Woher kann und soll man wissen, was man im Leben will?

Das Bellen kennt man als Laut, um auf sich aufmerksam zu machen, um abzuwehren oder um auf einen Missstand hinzuweisen. Doch ist dieses Bellen nicht nur im Titel ein zartes – ab und zu auch ein schönes, herzergreifendes Wimmern. Die Protagonistin des Romans wird einem sehr schnell sympathisch und ist wohl ein Abbild ihrer gegenwärtigen Großstadtgeneration. Es geht um die Sorgen und Bemühungen einer jungen Frau, die gerade ihr Studium beendet hat.

Hannah lebt mit ihrem Freund zusammen in Berlin. Ihr Freund träumt von einer Musikerkarriere. Nach ihrem Soziologie-Studium muss sie jobben, um einigermaßen zurechtzukommen. Sie hadert mit der jetzigen Situation, denn sie hatte sich das Leben anders vorgestellt. Gerade das Berufsleben, aber auch die Beziehung zu ihrem Freund, der sich als Künstler mehr oder weniger von ihr aushalten lässt. Hannah macht Schichtdienst in der Restaurantabteilung des KaDeWe, hatte vorher aber aus Geldmangel auch andere und schlimmere Jobs angenommen. Auch macht sie einmal etwas für Geld, das ihr hinterher sehr unangenehm ist. Sie findet kein echtes Ziel. Ihre Eltern, die gutbürgerlich und aus der Welt der Kunst kommen, unterstützen sie, mahnen aber auch zur bewussten Tätigkeit. Hannahs Beziehung zu ihrem Freund leidet und bekommt eigentlich nur noch eine Beständigkeit durch den Hund, der irgendwann dazukommt. Doch als die Band ihres Freundes das Angebot erhält, als Vorband auf Tour zu gehen, entfernt er sich immer mehr aus dem gemeinsamen Leben. Hannah trifft auf eine ältere und sehr gute Freundin, die eine fast schon illegale Bar eröffnet. Hannah war damals als Cocktailmixerin sehr kreativ und bekommt bei ihrer Freundin eine feste Anstellung. Doch wie soll man ernsthaft sein Leben planen, wenn man beständig getrieben wird?  Wie passt der eigentliche Lebenswunsch in die jetzige Konstellation hinein? Wie vereint man sein sprunghaftes und unkontrolliertes Leben mit den Bedürfnissen eines Hundes? Hannah findet durch ihre guten Freunde und das neue Umfeld bei der Arbeit langsam immer mehr Halt, doch kann sie sich darauf verlassen?

Ein feiner, stimmiger und lesenswerter Roman über die Suche nach den Zielen im Leben. Das Finden und das Abgrenzen stehen dabei selbstbewusst nebeneinander. Als Leser verfolgt man nur eine kurze Zeitspanne der Protagonistin, doch versteht es die Autorin sehr einfühlsam, die Sorgen, Emotionen und Gedanken der Figur glaubhaft werden zu lassen und literarisch zu fixieren.

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