Ute Cohen: „Poor Dogs“

Ute Cohen Poor Dogs Sepime

Der Begriff „Poor Dogs“, also eine wirtschaftliche Bezeichnung für ein negatives Marktwachstum mit einem relativ geringen Marktanteil, ist Namenspate des neuen Romans von Ute Cohen. Ein Buch, das fordert, provoziert, ekelt und unterhält. Diese Welt, die sich dem Leser nun eröffnet, ist eine Mischung aus „The Wolf of Wall Street“, „Die Firma“ und „American Psycho“. Es sind Menschen, die hier in den Vordergrund rücken, die den Bodenkontakt verloren und jegliche Grenzen überschritten haben. Die ethischen und gesellschaftlichen Grundsätze gelten nicht für diese Charaktere. Jegliche Moral wird hier außer Kraft gesetzt. Was sind das für Menschen, die mit riesigen Geldsummen jonglieren? Menschen, die meinen Macht zu besitzen und diese in allen Facetten missbrauchen. Ihre Welt wird immer kleiner und auch die Globalisierung schrumpft. Die Länder als Spielfeld der erhobenen Spitzenklasse einer Gesellschaft, der man hier schwer Sympathie entgegenbringt.

André und Eva arbeiten für eine Unternehmensberatung und alles scheint ihnen möglich zu sein. Liebe und Leben wird nach Business-Modellen ausgerichtet. In der Welt ihres Hardcore-Kapitalismus ist alles auf Nutzenmaximierung ausgerichtet. Sie leben und handeln immer mit dem Gedanken an die Gewinnmaximierung. Auch im Privaten. Liebe ist nur ein Begriff und die Beziehungen und die Ehe sind Modelle der sexuellen Grundversorgung. Die Figuren handeln kühl, berechnend und immer nur mit dem eigenen Vorteil im Blick. Politisches und sozial korrektes Handeln verdrängen sie immer mehr. Es sind teilweise Männer, die Frauen als sich wehrende oder als sich fügende Wesen einordnen. Macht-, Business- und Sexspiele als Droge und als Mittel zum Weg an die Spitze. Gier, Belästigung und Machtmissbrauch sind an der Tagesordnung. Sie sind auf der Suche nach einer Vision für das neue Jahrtausend und alles wirkt für sie grenzenlos. Doch der Absturz folgt, nicht nur mit der Finanzkrise.

Ein triefend böser Roman, der in sich eine Spannung aufbaut, die eine überspitzte, aber leider wohl auch realistische Welt aufzeigt. Es sind Figuren, die jegliche Grundlage der Menschlichkeit aus den Augen verlieren und alles nach Portfolio-Analysen und weiteren Business-Modellen ausrichten. Der Text hat etwas, im wahrsten Sinne des Wortes, Cooles und ist stets kurz, einfach und ohne weitere Erläuterung gehalten. Somit baut sich langsam eine Handlung und, wenn überhaupt möglich, ein Bezug zu den Charakteren auf. Es ist kein Wohlfühlbuch und man hadert mit den Charakteren. Daher fällt das Lesen ab und zu schwer, aber es ist auch schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen, weil man gefesselt wird und sich dem Ganzen irgendwie nicht entziehen kann und mag.

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