Nicolas Mathieu: „Rose Royal“

Nicholas Mathieu Rose Royal Hanser Berlin

Ein Kurzroman, der überrascht und von einer Frau erzählt, die Höhe- und Tiefpunkte im menschlichen Miteinander erlebt. Doch ist sie vorbereitet und hat zur Sicherheit stets eine Pistole in ihrer Handtasche.

Nicholas Mathieu hatte mit „Wie später ihre Kinder“ einen großen französischen Gesellschaftsroman geschrieben und hat nun einen knappen Roman, eher eine Novelle, verfasst. Der Text stellt eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die abgeklärt, tough, lebens- und liebeshungrig  ist. Das literarische Werk ist ein Psychogramm einer Frau, die vom Leben, besonders von den Männern, gezeichnet wurde und sich entschließt, sich nichts mehr gefallen zu lassen. Sie traf in ihrem Leben auf Männer, die nicht auf ein Nein hören konnten, sie hat eine Ehe hinter sich und Kinder zur Welt gebracht. Aber alle ihre Misserfolge im privaten und beruflichen Leben haben sie innerlich gestärkt. Sie möchte sich niemals wieder wehrlos erleben und hat sich eine Pistole organisiert, die sie nun stets bei sich trägt. Ab sofort soll die Angst die Seite wechseln.

Wir lernen Rose als fünfzigjährige attraktive Frau kennen, die sich eines Abends mal wieder in eine Kneipe begibt. Neben ihrer Freundin trifft auch eine Gruppe von Abiturienten ein, die lauthals feiern möchten. Als die Trink- und Feierlaune gestiegen ist, betritt Luc die Szenerie. Sein Auftreten ist der erste Wendepunkt im Roman. Er taumelt mit seinem stark verletzten Hund in die Bar. Da dem Hund nicht mehr zu helfen ist, erlöst Rose diesen kurzentschlossen mit ihrer Waffe. Trotz dieses blutigen Anfangs werden Rose und Luc in Folge ein Paar.

Die Beziehung dümpelt und ist für keinen der Beiden mit Glücksmomenten gefüllt. Das Glück finden sie wohl eher in ihren gemeinsamen Trinkgelagen. Er ist ein wortkarger Mann, der seine Männlichkeit mit seinem Wagen vorgaukelt. Dabei ist gerade sein Liebesleben verklemmt und ungenügend. Sie erträgt es bisher und tröstet ihn oft mit den Worten: „Macht nichts. Morgen schauen wir weiter.“ Doch ist Luc in seinem männlichen Stolz gekränkt und wird handgreiflich.

Das Versagen der Beziehung wird immer offensichtlicher. Ist doch eine Versöhnung möglich? Oder gleiten sie in ihre Gewohnheiten ab? Kommt es zu einem erneuten Schuss aus der Pistole?

Ein schonungsloser Roman, der am Ende überrascht und Charaktere ins Leben geholt hat, die in Erinnerung bleiben. Ein kurzer Lesemoment, der aber wie ein Pistolenschuss knallt und einiges aufwirbelt. Aus dem Französischen übersetzt wurde das Buch von Lena Müller und André Hansen.

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