Amanda Cross: „Die letzte Analyse“

Ein richtig toller, literarischer Krimi aus dem Jahr 1964. Eine Literaturprofessorin glaubt an die Unschuld eines befreundeten Psychoanalytikers und beginnt zu ermitteln. Somit ist der Roman voller literarischer Anspielungen, psychologischer Raffinesse und gewürzt mit viel Charme und Humor. 

Die Handlung spielt in den sechziger Jahren in New York und beginnt mit einem Gespräch, in dem es um Freud geht. Die Psychoanalyse hat mit ihm begonnen, aber wohl auch mit ihm geendet, denn immer noch kreisen alle Analysen um seine Erkenntnisse. In diesem Gespräch sagt Kate Fansler ihrem Freund, dass sie ihn einer ihrer Studentinnen empfohlen hätte. Die schöne und junge Studentin Janet Harrison hatte ihre Professorin nämlich gebeten, ihr einen Psychoanalytiker zu nennen. Da Kate vor langer Zeit eine Beziehung mit Dr. Emanuel Bauer hatte und immer noch ein freundschaftliches Verhältnis mit ihm und seiner Familie pflegt, hatte sie Janet Harrison seine Adresse in Manhattan genannt.

Sieben Wochen später wird Kate von einem Polizisten aufgesucht und befragt. Denn Janet Harrison wurde ermordet. Sie wurde auf der Couch in der Praxis von Dr. Emanuel Bauer erstochen. Die Polizei verdächtigt sofort Emanuel, jedoch fehlen Beweise, die eine zügige Inhaftierung rechtfertigen würden. Kate, die von der Unschuld ihres Freundes überzeugt ist, sucht diesen auf und möchte den Fall klären, denn sie befürchtet, die offiziellen Ermittlungen gehen lediglich in eine Richtung. Man sucht Beweise für den bestehenden Verdacht, ohne ein Motiv gefunden zu haben. Kate beginnt zu ermitteln und stützt sich dabei stets auf ihr belesenes Wissen. Die Tat könnte perfide eingefädelt sein, denn wenn Emanuel die Wahrheit sagt, wurden Termine abgesagt, auch der der Ermordeten und er war zu der Tatzeit nicht in seiner Praxis. Dies belegen auch Anrufe, die zentral eingegangen sind, um die Termine kurzfristig abzusagen. Aber doch sind Emanuels Fingerabdrücke auf der Tatwaffe und warum sollte die Leiche auf seiner Couch liegen? Warum gerade sollte er einen Mord in seiner Praxis mit seinem eigenen Küchenmesser begehen? Kate erhält bei ihrer Fallanalyse Unterstützung unter anderem durch den stellvertretenden Bezirksstaatsanwalt Reed Amhearst.

Der Roman lebt von seinem Charme der Zeit, also der 60er Jahre in New York. Die Dialoge sind klug, ironisch und sehr gekonnt formuliert. Die ganze Handlung ist toll und glaubhaft inszeniert und führt zu raffinierten Schlussfolgerungen. Es ist ein literarischer Lesespaß und ein Krimi, der sehr unterhaltsam und ohne Gewalt und Action-Szenen auskommt. Ein richtig schöner, guter und klassischer „Whodunit“ mit Witz und Charme.

Amanda Cross, eigentlich Carolyn Gold Heilbrun (1926 – 2003), war eine feministische Literaturwissenschaftlerin. Sie veröffentlichte wissenschaftliche Schriften, aber auch unter ihrem Pseudonym Krimis um die Literaturprofessorin und Amateurdetektivin Kate Fansler. Übersetzt wurde diese Wiederentdeckung aus dem Amerikanischen von Monika Blaich und Klaus Kamberger.

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