James Sallis: „Sarah Jane“

Dieser spannende Text ragt über einen typischen Kriminalroman hinaus und ist ein dunkles, philosophisches und psychologisches Werk über eine Frau, die sich im Leben nicht finden kann. Die Protagonistin reibt sich am Rande der Gesellschaft auf, um später in der Mitte des Landes, in einer Kleinstadt, sich selbst und den eigenen Dämonen gegenüberzutreten.

Sarah Jane schreibt als Kind Tagebuch. Sie fixiert ihre Gedanken in Collegeblöcken. Später greift sie das Texten wieder auf, um die Beschreibung ihres Lebens auszuloten. Sie ist als Jugendliche von der Hühnerfarm der Eltern abgehauen. Das Elternhaus war kein behüteter und schöner Ort. Sie gerät in kriminelle Machenschaften und kann nur durch den Militärdienst einer Haftstrafe entkommen. Nach dem Einsatz ist sie verwundet und traumatisiert und versucht als Köchin Fuß zu fassen. Als sie sich als Polizistin bewirbt, wird sie durch ihre authentische Art sofort eingestellt. Später findet sie sich sogar in der Position als diensthabender Sheriff wieder, da der vorherige verschwunden ist.  Auf der Suche nach ihm wird auch deutlich, dass dieser viele Geschichten und Geheimnisse verborgen hielt.

Die Polizeiarbeit steht Sarah Jane gut. Sie erkennt schnell die einfachen und umfangreichen Zusammenhänge und ist für die Gemeinschaft eine Stütze. Sie, die auch oft an die falschen Männer gerät, ist handgreiflich geworden. Ihre Tat und die vorherigen Geschichten ziehen immer engere Kreise um ihr jetziges Leben und Kollegen und das FBI werden hellhörig.

Sprunghaft und nicht immer zu Ende erzählt werden die Szenen zusammengesetzt. Wie steht sie in Verbindung zu dem alten Mord, was wusste der tote Pryor Mills und in welchem Zusammenhang steht dabei das Verschwinden des vorherigen Sheriffs?

Kann ein Neuanfang gelingen? Der Roman, der mehr erzählt als ein Spannungsroman, stellt die Fragen nach Schuld und Sühne. In der Tradition der großen amerikanischen Erzähler wird innerhalb dieses kleinen Werkes ein großes Potpourri an gesellschaftlichen Themen behandelt. Gleich der Hauptfigur ist der Text rastlos, ergreifend und begeistert durch seinen besonderen Sound. Aus dem Englischen übersetzt von Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger.

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