Melanie Raabe: „Die Kunst des Verschwindens“

Ein magischer Raabe. Melanie Raabe, die bisher durch ihre Thriller aufgefallen ist, hat nun einen Roman geschrieben, der die Magie des Moments in den Mittelpunkt stellt. Momente oder Begegnungen, die augenscheinlich zufällig sind, aber das Leben nachhaltig prägen und verändern können. Dies kann während eines Theaterstücks passieren, wenn man gebannt dem Verlauf auf der Bühne folgt und das vorgespielte Werk im Moment mehr Lebensinhalt hat als das tatsächliche und reale Umfeld. Solche Momente sind es, die uns allen Gänsehaut bereiten können und etwas im Herzen oder im Geiste in Bewegung setzen. Dies kann aber auch eine kurze Begegnung zweier Fremder sein, die plötzlich etwas im anderen zu erkennen scheinen. Auch lässt Melanie Raabe in diesem Roman Raum für viel Mystik, Magie und den alltäglichen Zauber. Tritt Magie in unser Leben oder erscheint diese lediglich, weil wir diese herbeisehnen und wir das Erlebte als ein Mysterium deuten wollen?

Silvester als zeitlicher Raum, der einen Wechsel darstellt und gleichzeitig durch den Moment des Dazwischen eine Atempause ermöglicht. Ein Augenblick außerhalb einer erdachten Zeit, die manch anderes zutage treten lassen kann. Zwei Frauen erleben an einem Silvesterabend einen kunstvollen Wechsel, der ihrer beider Leben verändern wird. Silvester als Wendepunkt.

Ellen Kirsch ist eine erfolgreiche Schauspielerin und ein Hollywoodstar. Eine Serie wird gerade groß beworben, in der sie die Hauptrolle spielt. So mimt sie zum letzten Mal in New York den Puck im Sommernachtstraum, um dann nach Berlin zu reisen. Die Bühnenkunst prägt ihr Leben und sie geht gänzlich in der Verwandlung auf der Bühne auf. In Berlin soll die Serie beworben werden und eine Premierenfeier ist geplant. Doch wird ihre Ankunft durch einen Schatten verfärbt, denn ein väterlicher Freund ist verstorben und weil sie sich gegen übergriffige Männer gewehrt hatte, verfolgt sie eine Internethetze. Eine angemietete Penthouse-Wohnung steht ihr während des Berlinaufenthaltes zur Verfügung. Das Gebäude steht genau gegenüber der Wohnung von der Fotografin Nico. Nico, die auch in jungen Jahren vom Schauspielerleben träumte, ist nun eine Fotokünstlerin. Nico schwebt gerade selbst etwas im Leben, im Beruflichen sowie im Privaten. Beide begegnen sich zufällig auf der Straße im winterlichen Berlin und empfinden eine unheimliche Nähe. Diese bestätigt sich bei weiteren ungeplanten Begegnungen. Zu Silvester hat Ellen Gäste eingeladen und lädt spontan Nico dazu ein. Diese, fast schon magische Nacht, die auch eine Reise in die Kunst der Museumsinsel und ihren Geistern bedeutet, offenbart die Seelenverwandtschaft. Was sieht Ellen in Nico?

Ellen hat ein Gespür für Veränderungen und bei der Anreise nach Berlin hatte sie bereits ein ungutes Gefühl. Dies bestätigt sich bei einem Besuch eines „Lost Place“ und seitdem ist Ellen verschwunden. So schnell sie in Nicos Leben gesprungen ist, ist sie auch wieder weg. Auch zur Premierenfeier taucht sie nicht auf. Nico macht sich ihre Gedanken und sorgt sich. Nicos Vater hat eine neue Beziehung und plant einen Umzug nach München. Daher möchte Nico unbedingt erneut in die Kisten ihrer Mutter schauen, bevor diese verschwinden. Sie begreift,warum sie sich nicht lösen kann. Sie macht sich auf die Suche nach Ellen, nach ihrer eigenen und der Geschichte ihrer Mutter.

Ein Roman, der eine sofortige Bindung an die Figuren ermöglicht. Mit wenigen Kunstgriffen gelingt es Melanie Raabe, Bilder und Figuren aufzubauen und wachsen zu lassen. Sie schafft magische Momente, die auch mal durch tierische Begegnungen angedeutet werden oder durch das jeweilige Setting. Dies sind inwendige Szenen in städtischen Kulissen oder in der freien Natur. Ein Buch, das uns wieder an den Zauber des Lebens glauben lässt. Mit Spannung, Charme und mit viel Liebe zu den agierenden Frauenfiguren ist der Roman geschrieben, der zwischen beiden Perspektiven wechselt und am Ende nur eine weitere zulässt. Der Wechsel von der Thriller-Literatur ist Melanie Raabe gekonnt gelungen und es scheint, „Die Kunst des Verschwindens“ ist ihr bisher größtes Herzensprojekt.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Melanie Raabe: „Die Kunst des Verschwindens“

  1. Tia

    Hört sich aber sehr spannend an;)

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