Archiv der Kategorie: Erlesenes

Heinz Strunk: „Das Teemännchen“

Heinz Strunk Das Teemännchen Rowohlt

Heinz Strunk öffnet kleine Welten, mal sind es nur wenige Sätze, meistens nur ganz wenige Seiten, aber alle Erzählungen eint die sofortige Präsentation der Figuren und die typischen Themenkomplexe des Autors. Meist sind es Helden, die keine sind, es sind gestrandete Individuen in der Gesellschaft. Geschichten, die berühren, erschrecken, erschauern, und sogar kichern lassen. Heinz Strunk erzählt genau auf den Punkt. Nie schmückt er seine Texte aus oder bläst seine Ideen mit falschem Ballast auf. Er versteht es, den Figuren mit ganz kurzen Skizzen ein Gesicht zu geben. Wenn man den Autor und Musiker Strunk kennt, hört man ihn beim Lesen in jeder Zeile heraus, denn er verblümt nichts, sondern schreibt, wie er selbst redet und erzählt. Diese Sammlung ist ein Stück mehr Literatur geworden. Wieder ein Stück mehr beweist Heinz Strunk sein meisterhaftes Erzähltalent. Seine Geschichten sind alle pointiert, absurd, brutal, düster und auch oft sehr witzig. Einiges ist gleich „Der goldene Handschuh“ perfide, gemein und brutal. Anderes zeigt die Menschen, die wir auch bereits durch „Jürgen“ erleben durften. Es sind Randerscheinungen, die durch die Masse kein Einzelfall mehr bleiben.

Wir erleben den Weltstar Axl Rose, der mit gebrochenem Bein ein Konzert mit AC/DC gegeben hat und nicht mit der Band ins Hotel zurückfährt, sondern mit seinen Bodyguards in einer Kneipe auf dem Hamburger Kiez versackt. Ein Star, der nicht erkannt werden möchte, es ihn aber auch nervt, nicht erkannt zu werden und die trinklaunige Stimmung in der Bar die Anwesenheit des Weltstars immer mehr überspielt. Weiter erleben wir herrlich Verrückte, die den Einkauf von Tiefkühlfertiggerichten, besonders Nasi Goreng, erschweren. Die Nacht wird bei den Schläferleins mit verbalen Liebesbekundungen kurzweilig unterbrochen. Der versehentlichen Entwendung einer Entspannungsmaske folgt ein umständliches Schreiben. Ein Mann, der den Besuch bei Nutten gerne in die Vormittagsstunden legt, da diese dann noch nach morgendlicher Kaffeesahne riechen. Eine Autofahrt, die fast tödlich endet. Ein Strand der Versehrten und ein Mann, der brutal gezwungen wird, seine letzten Runden gefesselt an eine Windkraftanlage zu erleben. Da gibt es so viele Beispiele von Minikosmen, die sich in dieser Sammlung befinden.

Es sind menschliche und unmenschliche Ereignisse und Erlebnisse. Es geht um Körperverfall, Übergewicht, Einsamkeit, Trostlosigkeit, Gewalt, Sex und den ganz alltäglichen Wahnsinn. Es sind keine Fingerübungen oder Gelegenheitstexte, sondern zusammen sind diese Geschichten, ob lang oder kurz, geballte Gegenwartsliteratur, die jede für sich einen passenden Sound entwickelt. Ein Buch voller und leider wohl auch echtem Leben.

Eine Reise in die Tiefbaustelle unserer menschlichen Seele. Für mich das bisher beste Werk von Strunk.

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Alexa Hennig von Lange: „Kampfsterne“

Alexa Hennig von Lange Kampfsterne DuMont

Es sind die Achtzigerjahre in einer Siedlung am Rande einer Stadt in der Bundesrepublik. Die Menschen, die diese Ortschaft beleben, führen ein bürgerliches Leben mit vielen Berührungspunkten mit den Nachbarn. Man kennt sich, trifft sich und unternimmt zusammen Grillpartys, besucht Schulaufführungen und geht in der umliegenden, d.h. umzäunten Natur spazieren. Das Design des innwendigen Lebens wird von dänischen Möbelhäusern diktiert, der Geschmack von Wolfram Siebeck oder Dr. Oetker vorgekocht und der Klang der Zeit wird durch Bob Geldofs „Live Aid“ oder das Konzeptalbum „Misplaced Childhood“ von Marillion vorgespielt. Es sind etwas mehr als eine Handvoll Menschen, die dem Buch ihre Stimme geben. Alle sind in sich oder in der Umgebung Gefangene. Sie empfinden sich alle als unfrei. Alle sind unglücklich und ihr Leben, das nach außen ein tadelloses Bild abgeben soll, fühlt sich für alle falsch an.

In kleinen Kapiteln schlüpft der Leser in die Sicht der jeweiligen Protagonisten. Da ist zum Beispiel Rita, die voller Neid auf die Nachbarsfamilie und besonders deren Kinder blickt. Ulla, ihre Nachbarin, die sie irgendwie heimlich begehrt und deren wunderbare Kinder. Kinder, die beim Intelligenztest waren und alle mal Genies werden sollen. Ulla, die von ihrem cholerischen Mann geschlagen wird, hält die lächelnde Fassade aufrecht. Die pubertierende und stets wütende Cotsch, die sich als Jungenschwarm der Schule empfindet und mit vielen bereits Sex hatte, sich dann aber in den nerdigen Johannes verliebt. Das junge Mädchen Lexchen, die bereits weiß, dass die Welt nicht gut ist, sie diese aber gut machen möchte. Wie Jesus. Dann sind da noch die Männer: Der Ehemann Georg, der kluge, introvertierte und bastelnde Johannes sowie Falk, der Musikunterricht in seinem Kinderzimmer gibt.

In kurzen Passagen entwirft Alexa Hennig von Lange ein Gesellschaftsbild, das sich gleich der Buchgestaltung wie ein kubistisches Werk aus einzelnen Farb-, d.h. Textblöcken zusammensetzt. Ein zügig zu lesender Roman, der die Zeit der Achtziger aufleben lässt. Aber dies ist nur die Würze des eigentlichen Anliegens des Romans. Es sind die Charaktere und deren Entwicklungen und Schicksale, die im Text im Vordergrund stehen. Die Familien in einer einengenden Siedlung und deren Verbindung und Umgang zu- und miteinander. Das Verschwinden der Kindheit und der Unschuld geht einher mit teilweise gewaltvollen Eingriffen und einer bildlichen Entwurzelung. Ein Roman voller Erinnerungen und Gefühle, vor allem in Bezug auf die Kindheit und Jugend.

Ein besonderes Buch, das in einem tollen Sound geschrieben ist und mit Humor das ganze Drama des menschlichen Miteinanders beleuchtet und uns fragen lässt, was es für eine Welt ist, in der wir leben möchten. Beim Lesen werden Erinnerungen an das Schauspiel: „Der Gott des Gemetzels“ (toll verfilmt mit u.a. Jodie Foster, Kate Winslet und Christoph Waltz) von Yasmina Reza geweckt.

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Dirk Knipphals: „Der Wellenreiter“

WELLENREITER

Ein Roman über das Erwachen aus dem Jugendlichen, das Aufbegehren und die Fluchtgedanken aus dem heimeligen Idyll. Es geht um einen Außenseiter, der Schriftsteller werden möchte und seinen Trost und Orientierung in der Literatur sucht. Im Roman steht die innere, die zerrissene Gefühlswelt im Vordergrund und es ist ein wunderbar zu lesendes Buch entstanden, das ohne den für diese Art von Literatur typischen zynischen Sound auskommt.

Dirk Knipphals ist Literaturjournalist und –Kritiker. Er hat nach „Die Kunst der Bruchlandung“ nun seinen ersten Roman geschrieben. Er sagt selbst, er hatte keinen großen Plan, er hätte einfach angefangen und dabei sind Szenen entstanden und das Buch ist somit gewachsen. Es ist kein rein autobiografischer Roman, dennoch ist der Held dem Autor aber wohl nicht gänzlich unähnlich.

Albert wächst in einem Vorort von Kiel auf. Es scheint Molfsee, d.h. Rammsee zu sein. In dieser Ortschaft herrscht eigentlich Idylle. Doch hat Albert das Gefühl, diese Menschen und besonders der Ort engen ihn ein. Der Gedanke keimt ihn ihm, dass hier irgendetwas für ihn falsch ist. Eine gutbürgerliche Vorstadt, in der der Schrecken, der auf der Welt passiert, gerne ausgeklammert wird.

Albert ist fast schon ein Stubenhocker, der für sich die Welt der Literatur entdeckt. Das Lesen und Schreiben sind für ihn seine erste Flucht. Mit Worten lässt sich die Welt umbauen. Doch befindet Albert sich in der jugendlichen Zwickmühle. Als Heranwachsender meint man alles besser zu wissen und später auch zu machen als die Anderen und besonders als die Elterngeneration. Doch wird man gerade als Jugendlicher von Selbstzweifeln getrieben und hadert ständig mit sich. Albert such den Sinn des Lebens in der Literatur. Seinen ersten Erfolg erlangt er mit einem phantasievollen Aufsatz mit einem Blutkörperchen als Helden. Da die Aufgabe im Biologie-Unterricht aber lediglich den Blutkreislauf behandeln sollte, bekommt er eine schlechte Note, aber die Anerkennung seiner Freunde. Auch beim Vorlesen seines Textes verschwindet sein leichtes Stottern. Oft verbringt er seine Freizeit im Papier- und Zeitschriftenhandel vor Ort. Die Tochter der Inhaber, Katrin, ist eine rebellische Klassenkameradin von Albert, in die sich dieser verliebt. Doch dann ist da auch noch Martin, der Wellenreiter und aus sehr vermögendem Elternhaus. Kann Albert als Buchliebhaber Katrin für sich gewinnen?

In der Ortschaft macht Albert durch das Rasenmähen bei den Nachbarn die Entdeckung, dass nicht alles so scheint, wie es nach außen hin wirkt. In der biederen Heimeligkeit spielen sich auch Tragödien ab. So bildet diese Vorstadt-Idylle für Albert eine Lähmung und er hat wie viele andere den Traum von der großen Stadt, bevorzugt Berlin. Eine weitere Figur taucht im Roman auf, die aus Berlin in die Vorstadt kommt und meint, wie gut es den Menschen doch dort ginge.

Der Roman beschreibt weiter die Entwicklung von Albert. Es geht über Hausbesetzung bis letztendlich zu einem Treffen in Lübeck mit den großen Autoren, die ihm als Vorbild dienen: Max Frisch, Günther Grass und Uwe Johnson. Die zentrale Szene ist jener Moment, den wir alle im Leben kennen. Ein Augenblick, in dem die Zeit kurz stehen zu bleiben scheint. Man weiß, gleich läuft sie weiter, aber man wird sich verändert haben, d.h. man nimmt plötzlich sich und sein Umfeld neu wahr.

Im Roman verleiht Albert an Martin „Tonio Kröger“ von Thomas Mann. In dieser Novelle geht es auch um intellektuelle Jugendliche. Jugendliche, die sich zwischen den eigenen kulturellen und zukünftigen Wünschen und gesellschaftlichen Ansprüchen gefangen fühlen. Die Suche nach der Selbstverwirklichung durch Fluchtversuch. Albert empfindet sich als ein Außenseiter und merkt in Folge der Handlung, dass auch die Anderen doch wie er sind und auch ihre Probleme haben. Der Wellenreiter als Bild des sich lösen können. Die Leichtigkeit, die durch Wind und Wasser getragen wird.

Ein Buch, dass mich sehr begeistert hat, denn mit den Protagonisten kann man sich sofort identifizieren. Das tatsächliche Setting ist für die Handlung nebensächlich, könnte es doch jede beliebige Vorstadt sein. Doch für mich hat das Buch einen ganz persönlichen Zugang geschaffen, denn der Handlungsort spielt genau dort, wo auch ich meine Kindheit verbracht hatte.

Durch den Blick des Autors, Dirk Knipphals, zurück auf die eigene Entwicklung mit jetziger großer Distanz ist ein sehr persönlicher und literarischer Roman entstanden.

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Charlotte Perkins Gilman: „Die gelbe Tapete“

Gilman Die gelbe Tapet Dörlemann

Eine Erzählung, die durch die Stimmung an die Werke von Edgar Allan Poe und an den leider in Vergessenheit geratenen Roman „Vier Tage währt die Nacht“ von Dorothea S. Baltenstein erinnert. Diese autobiografisch angehauchte Kurzgeschichte erzählt von einer depressiven jungen Frau, die mit ihrem Mann, einem Arzt, zur Erholung in ein Sommerhaus zieht, um dort zur Ruhe zu kommen. Doch gerade dort verfällt sie immer mehr dem Wahn und findet nicht ihre wahre Freiheit.

Der Text wurde erstmals 1892 im „New England Magazine“ veröffentlicht. Das Buch wird heute noch an den amerikanischen Schulen gelesen, denn es gilt als wichtigstes Werk des frühen amerikanischen Feminismus.

Zu lesen sind die Tagebucheinträge einer jungen Frau und Mutter. Das Schreiben macht sie heimlich und verbirgt dies auch vor ihrem Mann. Die Tagebucheinträge beginnen nach der Geburt ihres Kindes und berichten von der Behandlung ihrer sogenannten hysterischen Tendenzen. Ihr Mann, der Arzt ist, will sie von physischer und psychischer Belastung fernhalten und zieht mit ihr in ein Landhaus. Das Haus scheint bezaubernd zu sein, hat aber auf die Frau die Wirkung eines Geisterhauses. Sie bekommt im oberen Stock ein Zimmer zugewiesen. Die Fenster sind vergittert, das Bett am Boden fixiert und der Boden leicht verkratzt. Auch die Tapete, die sie abscheulich findet, zeigt Risse. Besonders die Farbe und das Muster ekeln sie regelrecht an und ziehen sie in ihren Bann. Ab sofort sind es die Tapete und ihr Schreiben darüber, die ihr die täglichen Reize während der Zeit im Sommerhaus liefern. Sie nimmt das Muster der Tapete als lebendig wahr. Es ist keine Symmetrie, sondern etwas Bewegtes in den Linien und Kurven. Besonders in den Dämmerstunden bricht etwas Unterschwelliges aus der Tapete heraus in die Realität der Frau. Etwas lebt hinter der Tapete, eine Frau ist hinter dem Muster eingesperrt.

Eine wichtige und wunderbare Ausgabe, die anregend, verstörend und nachdenklich macht. Fast schon Pflichtlektüre. Diese sehr gelungene Ausgabe gehört gelesen und sollte auch im hiesigen Schulunterricht behandelt und diskutiert werden. Die Erzählung wurde großartig von Christian Detoux aus dem Englischen übersetzt und der Verlag stellt in diesem zweisprachigen Buch den originalen Text der deutschen Übersetzung gegenüber.

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Mark Thompson: „El Greco und ich“

Mark Thompson El Greco und ich Mare

Es ist der Sommer 1968, in dem sich für den Erzähler die Erkenntnis einstellt, dass die jugendliche Unbekümmertheit mit dem Erwachsenwerden versandet. Immer wieder steht der Protagonist, den alle nur mit dem Kürzel J.J. ansprechen, im Staub. Staub, wie Rauch aus einem Gewehrlauf, wie feiner rieselnder Sand oder der staubige Dreck um die gerne von den Helden aufgesuchte und stillgelegte Konservenfabrik. Dieser Staub ist es, der sich langsam im Bewusstsein des Erzählers niederlässt und eine Ernüchterung mit sich bringt. Staub ist auch der Titel der Originalausgabe. Es ist eine Geschichte über eine große Freundschaft. Der Roman hat eine herzliche Wärme, einen feinen Humor  und verbirgt eine große Trauer.

Der Roman spielt in New Jersey. J.J. und sein bester Freund El Greco, eigentlich Tony Papadakis, sind zehn Jahre alt. Sie erleben die Zeit noch voller jugendlichem Leichtsinn und sind Träumer, die mit geklauten Zigaretten am Wasser sitzen und sich die Welt erklären. Sie leben in einer Zeit, in der der Rock einen Aufschrei gegen den Krieg in Vietnam darstellt, einen Aufruf gegen das Spießertum und die Hippies sich für die Liebe als Antwort auf alles entscheiden. El Greco ist sich sicher, dass das Leben für jeden mindestens eine große Prüfung bereithält. Dies sagt er mit seiner jugendlichen Weltsicht, ohne zu ahnen, wie weit sich dies in beider Leben bewahrheiten wird.

Es beginnt mit einem großen Feuer. Ein Feuer, dass J.J. unachtsam entfacht hat. Doch entkommen die Jungs einer Bestrafung, denn sie mogeln sich unter die Schaulustigen und müssen sich vorerst nicht, wie noch öfters, der eigentlichen Verantwortung stellen. El Greco träumt vom Pazifik, eines Tages möchte er die großen Gewässer sehen, d.h. erleben. Doch sind dies noch die Wünsche eines Kindes, das angewiesen ist auf seine Eltern. Mrs. Papandakis ist für J.J. eine geheimnisvolle, erotische Frau, die eine hingebungsvolle, aber auch eine schwierige Mutter sein kann. Mr. Papandakis ist ein Mann, der gerne das familiäre Leben verlässt, um sich dem Trinken, dem Glücksspiel und den leichten Frauen hinzugeben. Später wird er auch gänzlich aus dem Leben von Tony verschwinden. J.J.s Familie besteht aus der Mutter, die in sinnierende Gedankenlöcher fällt und die Umgebung ab und an zu vergessen scheint. Die Schwester ist bereits achtzehn und selten zuhause. Dann ist da noch der ältere Bruder, der sehr anstrengend ist und den J.J. daher lediglich Adolf nennt. Zum Geburtstag bekommt J.J. eine Country-Platte vom Vater, der nichts von der modernen Musik hält. Dabei sind die großen Helden von J.J. und El Greco die Stones und nichts mehr als die neue LP von diesen hatte sich J.J. gewünscht. Da er nun vom Vater etwas bekommen hat, das er so sehr hasst, findet er erneut die Zuflucht bei seinem besten Freund. Die Freundschaft zwischen J.J. und El Greco ist ihre Beständigkeit und sie sind, nicht nur durch die durchgeführte Blutsbrüderschaft, unzertrennlich.

Dann kommt überraschend ein Anruf der Familie Papandakis. Tony, dem es vorher schon nicht so gut ging, liegt mit Leukämie in der Klinik. J.J. will sofort seinen Freund aufsuchen und es wird diese Krankheit sein, die ihn erkennen lässt, dass er nun das Kindliche ablegen muss, um seinem Freund eine Stütze zu sein. Seine eigene Unterstützung in dieser schweren Zeit wird für J.J. ein Nachbar, der gradlinig und ehrlich seine Fragen und Gefühle erklären und beantworten kann. Doch scheint El Greco die Krankheit durch den zugetragenen Lebenswillen bekämpfen zu können und er darf die Klinik verlassen. Sie machen nun mit J.J.s Vater eine Reise in den Süden. Währen dieses Roadtrips entlang der Küste erleben die Jungs die Facetten Amerikas. Rassenunruhen, Fremdenhass und ein Mord wird die eigentliche Reise trüben.

„El Greco“ beschreibt die Klärung der Sicht auf eine sich damals wandelnde Welt. Es sind die kleinen und großen Prüfungen im Leben, die das Schicksal erschüttern lassen und dadurch Staub aufwirbeln und die umliegenden Schicksale berühren und miteinbeziehen können. Ein Roman über das Erwachsenwerden mit tragischen Wendungen und komischen Situationen. Ein zu Herzen gehender und trauriger Text, der etwas an die Werke von John Green und Wolfgang Herrndorf erinnert.

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Maxim Biller: „Sechs Koffer“

Maxim Biller Sechs Koffer Kiwi

Erst war es Skepsis, dann Neugier und dann wurde es Begeisterung. Skepsis dem Autor gegenüber, dem beständig um sich selbst kreisenden Menschen, der ein großes Interesse seitens der Medien an ihm weckt. Neugier auf sein Werk, das literarisch, spielerisch und ganz authentisch geschrieben eine Familiengeschichte erzählt. Es ist die Geschichte der Familie Biller und im Zentrum ist er natürlich wieder, der Autor selbst. Aber er reduziert sich, ist ein ganz genauer, einfühlsamer Beobachter, der allen Figuren sehr viel Raum gibt. Ein dunkles Geheimnis verbirgt sich in der Familiengeschichte. Diese böse Kraft, die in der Vergangenheit wurzelt, wächst hinein in die Gegenwart und stellt nun als Text existentielle Fragen, die sich die Familie, besonders Maxim, und durch das Lesen dieses Romans auch der Leser stellen wird.

Der Roman beginnt mit einem Brecht-Zitat: „Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen.“ Bertold Brecht taucht immer wieder in der Handlung auf, denn Maxim soll im Laufe seiner schulischen Laufbahn ein Werk lesen und interpretieren. Er hadert mit Brecht und beginnt erst zögerlich, diesen zu verstehen. Aber das Zitat wurde auch passend gewählt, denn der Roman ist ebenfalls ein Spiegel der Geschichte und ein Bild unserer modernen Welt. Eine Welt, in der viele flüchten müssen und nicht mehr dort zuhause sind, wo ihre Heimat ist.

Die Familie Biller ist eine russisch-jüdische Familie, die auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau, Prag nach Hamburg und Zürich geflohen ist. Maxim Biller wird 1960 in Prag geboren und lebt seit 1970 in Deutschland. Jetzt lebt und schreibt er in Berlin. Sein rückwärtiger Blick beginnt, als er ein kleiner Junge war. Etwas gibt es in der Familie, über das nur gemunkelt wird. Es hat mit dem Opa zu tun. Alle nennen ihn in den Erzählungen Tate, also respektvoll Vater. Er wurde in russischer Haft hingerichtet. Die Frage, die sich alle stellen, ist: wer hat  Schmil Grigorewitsch verraten? War es einer seiner Söhne? War es seine Schwiegertochter? War er eventuell doch an seinem Tod selbst verantwortlich, weil er geschmuggelt und dadurch vom KGB verhaftet und später zum Tode verurteilt wurde?

Der Roman beginnt mit dem Schreiben. Der Vater von Maxim sitzt gerade an einer Übersetzung, die ihm Kopfzerbrechen bereitet. Auch soll er Onkel Dima abholen, der längere Zeit als Staatsfeind inhaftiert war und gerade frei kommt. Die Handlung mäandert und wächst mit seinem Protagonisten. Er beginnt, seine Welt zu beobachten und Fragen zu stellen. Was ist damals passiert? Warum musste Tate sterben? Hat ihn jemand verraten und wenn ja, wer und warum? Warum gibt es die Fehde zwischen der Mutter Rada und der Schwägerin Natalia?

Als Jugendlicher reist Maxim zum Onkel Dima nach Zürich. Hier sucht er nach Wahrheiten und findet nebenbei Freundschaft. Er wird innerlich und körperlich immer erwachsener. In Zürich lebt noch ein weiteres Familienmitglied und auch in versteckten Unterlagen sucht Maxim weitere Antworten.

Auf wenig Raum entsteht große Gegenwartsliteratur. Ein Roman über ein Familiengeheimnis, Liebesbeziehungen und antisemitische Machenschaften. Als Leser wird man selbst Zeuge, Beobachter und zieht alle Charaktere ans Licht und möchte deren Geheimnisse lüften und fragt sich, wie würde man selbst handeln? Maxim Biller überrascht und hat mit diesem kleinen Text einen großen Roman geschrieben.

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Sophie Van der Linden: „Eine Nacht, ein Leben“

Sophie van der Linden Eine Nacht, ein Leben mare

Von Land und Meer, so der eigentliche französische Titel. In dieser Novelle geht es um jene festen Momente, in denen sich alles zu verflüssigen scheint. Es sind die kleinen Ereignisse, die in unserem Leben Großes bewirken und nach sich ziehen werden. Es sind die Situationen, die über das Leben und die Liebe entscheiden können. Henri, der Protagonist, erlebt auf einer felsigen Insel vierundzwanzig Stunden, die besonders in den Dämmerstunden Einfluss auf sein weiteres Leben nehmen werden.

Die Geschichte spielt am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Henri, ein einfühlsamer Künstler, reist von Paris auf eine Insel. Er möchte die Frau aufsuchen, die er liebt. Sie sind Menschen, die sich künstlerisch ausdrücken. Youna hat für sich das Schreiben gefunden und Henri malt bzw. zeichnet erfolgreich. Als er seine militärische Ausbildung antrat, haben sich beide geschrieben. Er inniger und öfters und als er seine Ausbildung beendet hat, bekommt er plötzlich keine Antworten mehr. Youna hat sich auf jene Insel zurückgezogen.

Nach langer Reise mit der Eisenbahn und einer Fähre erreicht er die felsige, kleine Insel. Er nimmt diese als lebendiges Gemälde war und hegt eine verklärte Hoffnung auf die Liebe.

Die Reise, d.h. sein Aufenthalt auf der Insel, verändert ihn. Er sucht das klärende Gespräch mit Youna, da er sich ein gemeinsames Leben mit ihr gewünscht hat. Doch kann sie ihm nicht das geben, was er sich erhoffte. Sie hat ihre Freiheit und ihren Frieden gefunden, kann ihm dies aber nicht verständlich machen und verlangt auch, dass er die Nacht am Strand verbringen möge, weil, würde er bei ihr übernachten, würde dies ihrem Ansehen und ihrem Leben auf der Insel schaden.

So verbringt er schließlich den Abend und die Nacht auf der Insel, bevor er wieder die Heimreise antritt. Er erlebt das malerische seiner Umgebung und hat ihn bewegende Begegnungen. So beobachtet er auf der Insel einen Läufer, der für einen Marathon trainiert, er findet das Gespräch mit einem einsamen Musiker, einem Fischer und einem verängstigten deutschen Soldaten. Während der Morgendämmerung bekommt die Insel ihre Schärfe zurück und die klare Seeluft raubt ihm die erhofften Versprechen. Das Jahrhundert ist noch jung und wird Henri noch öfters die Luft zum Atmen rauben…

Ein stimmungsvoller Roman aus Frankreich, der eine kunstvolle Atmosphäre aufbaut. Ein Roman, der mit Bildern sowie mit Licht und Schatten spielt und die tragische Geschichte einer Liebe erzählt, die vor den sich anbahnenden Katastrophen des Krieges viele menschliche Enden andeutet.

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Michael Ondaatje: „Kriegslicht“

Michael Ondaatje Kriegslicht Hanser

Der neue Roman von Michael Ondaatje beginnt mit einem ersten Satz, der das zentrale Motiv der Handlung umzäunt. „Im Jahr 1945 gingen unsere Eltern fort und ließen uns in der Obhut zweier Männer zurück, die möglicherweise Kriminelle waren.“ Ondaatje schafft es, gekonnt Bilder im Leser zu erwecken, die eine ewige Beständigkeit haben. Sein Hauptwerk: „Der englische Patient“ hat dies bereits bei vielen Lesern erreicht. Das Bild des verwundeten Soldaten, der bettlägerig seine Geschichte erzählt. In „Kriegslicht“ sind es Kinder, die Zeugen der Geschichte werden und diese staunend beobachten und uns diese somit miterleben lassen. Die Handlung erzählt die Geschichte eines Sohnes, der die geheime Vergangenheit seiner Mutter als Spionin nachspürt.

Gleich der erste Satz wirft Fragen auf. Warum gehen die Eltern einfach und lassen ihre Kinder zurück? Wieso wirken die Männer, bei denen die Kinder fortan leben, kriminell und welche Eltern würden ihre Kinder in solcher Gesellschaft lassen? Der Vater soll, so erzählen es die Eltern, für Unilever nach Singapur. Die Mutter würde mit dem Vater gehen und Nathaniel, der Erzähler, sowie seine Schwester, Rachel, können in der Wohnung in England bleiben. Der Erziehungsberechtigte wird ein Mann, den die Kinder wegen seiner Wesensart, „Falter“ nennen. Der Verlust und die Trauer der Kinder halten nicht lange an. Neben den vielen Freiheiten, die die Kinder nun haben, wird gut für sie gesorgt. Es versammeln sich weitere, dubiose Menschen in der Wohnung. Den Kindern ist es suspekt, dass fremde Leute ihre vertraute Umgebung belagern und deren Beweggründe und Aufgaben auch den Kindern länger unklar bleiben. Eine weitere Bezugsperson ist der sogenannte „Boxer“, der für Nathaniel fast schon zum Vaterersatz wird. Nathaniel, der einige Jobs annimmt, um auch etwas Geld zu verdienen, beginnt für den „Boxer“ bei seinen Schmuggeleien mitzuwirken. Er hört mit der Arbeit als Tellerwäscher und Liftboy auf und fährt fortan mit dem lebensbejahenden „Boxer“ zum Hafen, um Windhunde für die damals begehrten Hunderennen nach England zu schmuggeln.

Gerade als die Kinder sich mit dem neuen Leben abzufinden beginnen, findet Rachel im Keller den Koffer der Mutter. Somit erschließt sich langsam eine Ahnung über den Verbleib der Eltern, d.h. der Mutter. Was wissen der „Boxer“ und der „Falter“ um die Geheimnisse der Eltern? Die bisherige inszenierte Welt um die Kinder beginnt sich aufzulösen. Nathaniel meint auch seine Mutter in London gesehen zu haben. Langsam dämmert ihm, dass sie als Spionin tätig ist und der Wendepunkt im Roman ist ein Anschlag auf die Kinder. Nun beginnt die Suche nach der Wahrheit. Was hat die Mutter gemacht und erlebt? Nathaniel widmet sein Leben der Aufklärung. Als Erwachsener arbeitet Nathaniel für die Regierung und sichtet Geheimakten. Er greift gleich seiner Mutter, die aktiv als Agentin tätig war,  eher passiv in den Verlauf der Geschichte ein.

Bildreich und einfühlsam beschreibt Ondaatje das Leben der Kinder im ersten Teil des Romans. Besonders die Bootsfahrten auf der Themse sind sehr stimmungsvoll gelungen. Doch als sich das Geheimnis lüftet und mit dem Erwachsenwerden des Erzählers, schwindet leider leicht der gekonnt aufgebaute Spannungsbogen. Ondaatje schreibt weiterhin großartig, doch hat man leider auch ein wenig das Gefühl, Ondaatje kratzt nur an den eigentlichen Emotionen und Geschichten. Dies ist aber nur ein kleiner Beigeschmack in diesem großen und sehr lesenswerten Roman.

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Mauricio Botero: „Don Ottos wunderbarer Plattenladen“

Don Ottos Plattenladen Unionsverlag

Don Otto ist nicht nur dem Namen nach Herr eines kleinen Plattenladens in Bogotá.  Er lebt für die Musik und ist ein wahrer Musikkenner und -liebhaber. Jeder der seinen Laden betritt wird irgendwie verzaubert. Denn egal, ob man bei ihm etwas Bestimmtes sucht, einfach stöbern möchte oder mit einer gepflegten Tasse Kaffee das Gespräch mit ihm sucht, hat Don Otto neben der passenden Musik, auch die dazugehörige Geschichte oder Anekdote. So beinhaltet jedes Kapitel menschliche und philosophische Begegnungen, die sich stets um Musik drehen. Musik als universelle Sprache der Emotionen, die niemals ihre Gültigkeit verliert. Musik ist losgelöst von Raum und Zeit. Sie ist für jeden zugänglich und fragt nicht nach Herkunft oder Glauben.

Die Originalausgabe erschien 2001 und lag 2009 unter dem Titel „Otto Dons Klassikkabinett“ bereits auf Deutsch vor. Nun hat der Unionsverlag diesen südamerikanischen Leseschatz erneut gehoben. Die „Lateinamerikanischen Nachrichten“ verglichen diesen Roman mit einer Pralinenschachtel.  So erinnern die Musikstücke und die kleinen Kapitel auch tatsächlich an das Zitat von Forrest Gump: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt“.

Der Plattenladen „La Caja de Música“ steht im Bogotaner Stadtviertel Chapinero gegenüber der Kirche Nuesto Señora de Lourdes. Schweigsame, harmonische, atonale oder misstönende Menschen suchen das Geschäft auf. Sie suchen Beratung, d.h. bestimmte Musikstücke oder sie kommen einfach wegen der dortigen Atmosphäre. Don Otto, eigentlich Otto Roldán, ist ein passionierter Musikforscher und betreibt bereits seit Jahren sein Musikgeschäft. Der Laden ist für den Stadtteil und die Menschen eine Bereicherung. Denn die Musik, die Don Otto findet, erfüllt die Seelen und drückt die passenden Gefühle aus. Er hilft jedem Kunden, das passende Musikstück zu finden und erzählt stets Wissenswertes über die Musik und jeweiligen Komponisten. Er lässt die Menschen teilhaben an seinem Musikuniversum. Die Kunden, die ihn aufsuchen sind bunt, schrullig, witzig und gedankenverloren. Einer Mutter empfiehlt er z.B. für die Tochter Bach. Punks, denen Don Otto vorurteilsbelastet entgegentritt, sind auf der Suche nach einem bestimmten Werk von Messiaen. Jungen Frauen suchen als Geschenk etwas leicht melodiöses ohne zu wissen, was sie wirklich wollen und werden bei Vivaldi fündig. Die den Laden betreten, finden mit Don Otto besondere Aufnahmen, große Meisterwerke und immer das Gespräch. So ist der wunderbare Plattenladen eine Insel der Ruhe in der turbulenten Zeit. Die klassische Musik als Transporteur des Althergebrachten, des Innwendigen, des in sich Hineinhörenden und uns heute verlorengegangenen genussvoll zuhören Könnens.

Jedes Kapitel ist einem Komponisten, einem besonderen Werk und auch dem Leben des Don Otto gewidmet. Der Roman hat eine Leichtigkeit und versprüht die Freude an der Musik. Egal ob Klassikliebhaber oder nicht, durch dies Buch möchte man Platten, d.h. CDs auflegen und die Musik auf sich wirken lassen. Buch und Musik als Therapie. Ein feines Büchlein, voller Wissen und Charme. Eine lohnende, schöne Lektüre, die Musikgeschichte und –wissen vermittelt und neugierig auf diese macht.

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Maike Wetzel: „Elly“

Elly Maike Wetzel Schöffling

Ein atemraubender Roman, der einem fiebrigen Rausch gleicht, denn die Handlung mit den verschiedenen Sichtweisen flimmert beständig und vibriert förmlich. Das verschwundene Mädchen im Text ähnelt fast schon einer Luftspiegelung und ist dann doch viel mehr als eine Fata Morgana. Die Realität, die eine Familie durch den Verlust, durch das Verschwinden eines Kindes empfindet, kann nur durch die Hoffnung auf Minderung des Schmerzes oder durch das Füllen dieser großen Lücke ertragen werden. In diesem Roman vermischt sich die Realität mit der Kraft der kindlichen Phantasie, dem elterlichen Wunschdenken und den befreienden Träumen. Am Ende ist es dann noch ein Trauma, das stumm geschaltet wurde, und mindestens ein Charakter, der sich stets neu erfindet. Das verschwundene Kind, Elly, nistet sich in alle ein, auch in den Leser.

Elly, das elfjährige Mädchen verschwindet einfach. Die Polizei sagt später, es gibt nur zwei Gründe, warum sie bisher nicht gefunden wurde. Eine abscheuliche Tat, deren Täter nicht will, dass sie gefunden wird, oder das Kind ist es, die nicht gefunden werden möchte. Dieses spurlose Verschwinden macht das Familienleben der übrigen Mitglieder fast unerträglich. Die Eltern versuchen, der älteren Schwester von Elly wieder ein alltägliches Leben zu gestalten. Alle versuchen, trotz des Verlustes irgendwie weiterzumachen. Doch Elly ist in ihren Gedanken, Träumen und Handlungen allgegenwärtig. Die Eltern plagen Schuldgefühle und der Schmerz, den alle Beteiligten fühlen, vergeht einfach nicht. Auch nach vier Jahren bleibt diese Lücke in der Familie. Alles erscheint wie in Auflösung zu sein. Drogen oder Medikamente berauschen nur kurzweilig, können aber keine dauerhafte Linderung versprechen. Elly ist besonders in der Phantasie der älteren Tochter, die auch während eines Klinikaufenthaltes ihre Schwester wieder aufleben lässt, gegenwärtig. Doch auch sie lernt, dass sie nicht alles regeln, bestimmen und sich zurechtbiegen kann. Elly, die mit ihrem Verschwinden alles beherrscht und sich in die Gedanken aller Protagonisten einnistet, wird zu einer großen Lektion für die Beteiligten.

War ihr Verschwinden ein Unfall? Wurde sie missbraucht? Ist sie abgehauen? Die Wunde, die dieser Verlust gerissen hat, kann beim Wunsch, diese Kluft zu füllen, zu überbrücken, fast blind machen. Denn dann kommt ein Anruf, der Seelenheil versprechen könnte, und man hofft mit der Familie, dass es keine schlafwandlerische Luftspiegelung ist.

Ein Roman voller dunkler Trauer, Sehnsucht und einer fiebrigen Atmosphäre. Spannende und tiefgründige Literatur, die durch sprachliche und inhaltliche Virtuosität glänzt. Das Buch ist ein purer Rausch.

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