
Dieses Buch lebt, auch wenn man es als Friedhofsroman bezeichnen könnte. Der Friedhof Père-Lachaise als letzte und kultumrankte Ruhestätte, die unzählige Geschichten in allen Facetten beherbergt. Ein Roman, aus dem das Leben sprießt und der enorm viel Liebe entfacht. Liebe zu Menschen, zu ihren Geschichten, zu den Kulturen und der französischen Leichtigkeit.
Prof. Dr. Rainer Moritz war Fußballschiedsrichter, später nach seiner Promotion arbeitete er als Cheflektor und als Programmgeschäftsführer bei unterschiedlichen Verlagen. Seit 2005 leitet er das Hamburger Literaturhaus. Er tritt als Literaturkritiker in Erscheinung, ist Übersetzer und Radiomoderator. Damit nicht genug, schreibt er auch noch Bücher. In seinen Romanen sind stets seine Leidenschaften integriert, seine Liebe zu Frankreich, die gute Küche, Literatur und das Interesse an guten Geschichten.
Für Bernard Vautrot war die Welt früher noch überschaubarer gewesen. Auch weniger bedrohlich und er zieht sich aus dem Leben zurück. Die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo und die folgenden Ereignisse haben seine Weltsicht verändert. Er hat ein Weingeschäft in Paris betrieben, das er nun verkauft und als Untermieter bei seiner Schwester einzieht. Die Schwester, die selten da ist, wohnt direkt am Friedhof Père-Lachaise. Dies kommt Bernard zurecht, denn nun wandert er jeden Tag durch die Parkanlage. Seine Frau ist vor kurzem verstorben und zu seinem Sohn hat er kaum Kontakt und der, wenn sie sich treffen, sehr kurz angebunden ist. Auch offenbart ihm dieser, dass er nach Kanada auswandern wird. Somit ist Bernard allein, kommt aber mit seiner Lebenssituation bestens zurecht. Er streift durch den Park und beobachtet die Trauernden, die Touristen und macht sich seine Notizen, wenn er auf Gräber von wohl bedeutenden Menschen trifft, er aber keine Kenntnisse von deren Leben oder Wirken hat. Diesen Geschichten geht er begierig nach. Ihn interessieren die berühmten Grabstätten von Jim Morrison, Oscar Wilde oder Édith Piaf weniger. Sein Müßiggang wird durch Aurélie unterbrochen. Sie fällt buchstäblich in seine Rundgänge und Leben. Sie ist eine lebensfrohe Fotografin und möchte durch ihre Fotokunst ein ungewöhnliches Porträt des Friedhofes erstellen. Für beide wird die Begegnung eine Veränderung sein. Ein Zusammentreffen an einem Ort, wo eigentlich das Leben endet, lässt neues Leben und Liebe beginnen.
„Vielleicht die letzte Liebe“ ist wohl der bisher beste Roman von Rainer Moritz. Er verbirgt in seiner Kurzweiligkeit eine Fülle an Geschichten, Anekdoten, Wissen und Empathie. Père-Lachaise als Ort der abgelegten Dramen, Kulte und Erlebnisse. Wir erfahren durch das literarische Wandern durch den Ort, zum Beispiel sehr viel über Senf, Kartoffelanbau, Homöopathie, Literatur, Philosophie und Geschichte. Nichts wirkt dabei gewollt oder belehrend, sondern alles webt sich in die wunderschöne Handlung ein. Rainer Moritz hat ein enormes Allgemeinwissen und versteht es, dies mit einer charmanten Weise einzupflanzen, das alles unser Interesse mitanregt.
Ein lebensfrohes Buch, das voller Leben ist und uns miteinbezieht. Alles, was Rainer Moritz ausmacht, ist hier verewigt: Humor, Wissen und gute Unterhaltung.
Zum Buch in unserem Onlineshop
Weitere Lesetipps von mir und tolle Gäste auf YouTube: Leseschatz-TV









