Robert Scheer: „Der Duft des Sussita“

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Neulich hatte ich mit Robert Scheer eine kleine Diskussion über Hard-Rock auf Facebook. Wir beide sind den wummernden, lauten aber gefühlvollen Klängen der bekannten Gitarrengrößen verfallen. Wir sind beide Hardrock-Fans, die als Kind stets belächelt, dann aber im Freundeskreis ein Magnet für Mixtapes wurden. Mit dem Einfluss der Grunge-Bewegung wurde unser Musikgeschmack erneut eher belustigt angesehen.

003Warum ich das erzähle? Robert hat mich auf seinen Roman „Der Duft des Sussita“ aufmerksam gemacht. Als wir uns über unsere alten Helden unterhalten hatten, meinte er: „mein erstes Buch „Der Duft des Sussita“, vermutlich dir unbekannt, aber dort gibt es Passagen über die Rockszene in Israel“. Ich kenne sogar einige Musiker aus Israel persönlich und, da ich sein Buch tatsächlich noch nicht gelesen hatte, hat mir Robert netterweise ein signiertes Exemplar geschenkt.

Dieser Roman liest sich eher wie eine Sammlung an Kurzgeschichten, die aber doch durch einen zarten Faden verbunden sind. Es wirkt als würde man teilhaben an Episoden aus dem Leben des Autors. Robert Scheer wurde 1973 in Rumänien geboren. 1985 emigrierte er mit seiner Familie nach Israel. Nach dem Versuch als Rockmusiker Karriere zu machen, studierte er Philosophie in Haifa und Tübingen.

So spielt auch dieser Roman in Israel und erinnert durch seinen Charme, Witz und den leicht melancholischen Klang an die Werke von Tilman Rammstedt und Wladimir Kaminer. Es sind zwölf miteinander verbundene Geschichten. Wir lernen viel über die Protagonisten und deren Leben in Israel kennen. Der Duft der Sussita scheint mit seinem Neuwagenduft eher an sattes Papier zu erinnern und somit auch Kamele anzulocken. Die Familie hat endlich das Nationalauto erwerben dürfen und sie wollen dies nun feiern. Doch nach dem Besuch im Restaurant ist das nagelneue Auto, der Trabbi des Nahen Ostens, verschwunden… In der folgenden Geschichte ist der Erzähler als Übersetzer tätig, als Lothar Matthäus dem Rabbi für das defensive Mittelfeld Empfehlungen geben möchte. Ferner erfahren wir, wie der erste Kibbuz und das Catering an der Front privatisiert werden mit jeweils weitgehenden Folgen.

Neben dem Protagonisten, dem Erzähler, bleibt auch sein Onkel in bleibender Erinnerung. Onkel Sauberger, der gleich seinem Namen, ein Liebhaber unkoscherer Metzgerware ist. Auch ist die Zeit, als die männlichen Metalheads noch mit langen Haaren provozieren konnten, bis es mit dem Einfall des Hair-Metals gängige Mode wurde, ein Teil der Entwicklung des Helden. Neben den metallischen Klängen kommt auch die Oper zu Wort. Es wird der Versuch von Barenboim geschildert, wie er gerade Wagner in Tel Aviv aufführen möchte. Wir werden auch Zeugen, wie die Natur der Dummheit des Menschen trotzt und zum letzten tödlichen Tanz auf den Wellenbrechern einlädt. Der Kreis des Buches schließt sich erneut mit dem Auftreten von Wüstenschiffen.

Ein komisches Buch voller Herz, Intelligenz und politischer Weit- und Weltsicht.

Zum Buch

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