Max Annas: „Illegal“

Max Annas Illegal Rowohlt

Ein temporeicher Krimi, der von einem Asylanten handelt, der einen Mord beobachtet und nicht zur Polizei gehen kann, da er Illegal in Deutschland lebt und selbst unter Verdacht gerät.

Der Thriller handelt von Kodjo, der aus Ghana stammt und ein studierter Historiker ist. Er lebt schon seit langer Zeit in Berlin. Seit seiner Scheidung ist seine Aufenthaltsgenehmigung erloschen und er wohnt in ungenutzten Liegenschaften oder Abrissobjekten. Diese bekommt er von einer älteren Immobilienmaklerin  zugewiesen, mit der er eine Beziehung hat.  Er arbeitet als Küchenhilfe und ist ständig bemüht nicht aufzufallen.

Der Roman beginnt nachts an einer roten Ampel. Die Straßen sind unbefahren und weit und breit ist kein weiterer Mensch zu sehen. Kodjo und Saif hadern mit sich, denn es naht eine Polizeistreife. Egal, wie sie sich entscheiden, sie werden auffallen. Gehen sie über Rot, machen sie sich strafbar. Bleiben sie stehen, fallen sie auf, weil dies zu dieser Tages-, d.h. Nachtzeit an leeren Straßen sonst keiner machen würde. Saif hält es nicht aus und rennt los und es beginnt die erste Verfolgungsjagd im Roman durch die Straßen von Berlin.

Kodjo muss für einige Tage seine eigentliche Bleibe verlassen, da die Maklerin die Wohnung anderweitig benötigt. Er haust in einem Abrisshaus in Berlin-Moabit und beobachtet im Haus gegenüber einen Mord an einer Prostituierten. Die Polizei kann er nicht rufen. Er geht hinüber und wird gesehen von den Nachbarn der Toten und dem Mörder, der flieht. Kodjo kann noch ein Handyfoto vom Wagen des Täters machen, das einen Aufkleber und Teile des Kennzeichens zeigt.

Der Mord wird auch in den Medien erwähnt und Zeugen sagen aus, sie hätten einen Afrikaner gesehen. Jetzt ist Kodjo nicht nur ein Illegaler Zeuge des Mordes, sondern steht selbst unter Verdacht. Seine einzige Chance sieht er darin, selbst zu ermitteln. Er beginnt nach dem Mörder zu suchen und bekommt Unterstützung von Freunden. Doch muss Kodjo ganz vorsichtig vorgehen, denn er darf selbst nicht auffallen. Er findet eine Spur, doch auch der Mörder kennt ihn und beginnt zu handeln…

Kein Krimi mit typischem Personal und kein Polizist oder Detektiv, der im Roman ermittelt. Das Buch lebt von schnellen Szenen und hohem Tempo. Dies zeigt das Können des Autors, der auch als Dokumentarfilmer tätig ist. Seine vorherigen Kriminalromane haben bereits viele Auszeichnungen und Preise gewonnen. In „Die Mauer“  ließ er zuletzt einen farbigen Studenten namens Moses sich in einer Gated-Community der Weißen verirren. Annas Themen sind stets politisch und gesellschaftskritisch.

Ein actionreicher, flotter Krimi, der „Das Fenster zum Hof“ in unsere heutige Gesellschaft transportiert.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Erlesenes

3 Antworten zu “Max Annas: „Illegal“

  1. „Fenster zum Hof“ klingt schon mal gut. Wird Zeit, dass ich mich auch mal an den Träger des Deutschen Krimi-Preises heranwage.

  2. Danke für diese Buchvorstellung! Dieser Krimi klingt toll und ich mag die Tatsache, dass es hier keinen gängingen Ermittler gibt. Ohne deine Rezension wäre ich wohl nicht so schnell über dieses Buch gestolpert.
    Diese Rezi werde ich in meinen Bericht über die „Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs“ aufnehmen, da ich finde, dass dieses Buch eine größere Verbreitung verdient hat.
    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende,
    GlG vom Monerl

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