Michael Engler: „Geschichte vom Ende des Bewusstseins (Zakopane)“

Zakopane

„Bewusstsein vom Punkt zur Fläche, dann zur Kugel. Wenn das Bewusstsein so erweitert ist, dass es alles umfasst, was ist dann dahinter, was ist das Ende des Bewusstseins?“

Ein Roman, der schwerlich einzuordnen ist und wohl eher der experimentellen und surrealistischen Literatur zugeschrieben werden kann.

Der Kieler Autor schrieb bisher Erzählungen und Kurzgeschichten. Sein launiger Ton, den er und sein Verleger als „Probsteier Surrealismus“ bezeichnen, wird auch gerne mit Bukowski oder Burroughs verglichen. Sein jetziger Roman liest sich durch die eigenständigen Charaktere und die vielen klugen und unterhaltsamen Anspielungen auf Philosophie, Spiritualität und Literatur als ein sehr humorvolles und nachdenkliches Werk.

Das Buch ist in vier Kapitel gegliedert, die sich immer mehr von der Realität verabschieden und uns zeigen, dass diese auch ein Mythos ist. Im ersten Abschnitt lernen wir die Kinder kennen. Es sind Modest, Lisa, Sarah und Basho. Ihr Vater hat vor fünfzig Jahren die Familie verlassen und ist nach Zakopane in Polen gezogen. Seine nun erwachsenen Kinder planen zu seinem siebzigsten Geburtstag ein Wiedersehen. Sie schreiben und telefonieren miteinander, um den Überraschungsbesuch zu planen. Jeder hegt andere Gefühle zu dieser geplanten Reise und dem Vater. Wie schmerzhaft kann diese Begegnung werden? Wie lebt der Vater jetzt und ist er noch bei Bewusstsein? Ferner finden sie verstörende Texte des Vaters, die ihnen weitere Rätsel aufgeben und am Verstand des Vaters zweifeln lassen.  Ihr Vater macht sich Gedanken zu Bhagwan, d.h. Osho, Castaneda, dem Beatleismus, der Fritz-Lietz-Drüse (Poesie-Drüse) und die Entdeckung des planckschen Wirkungsquantums.

Der zweite Abschnitt ist ein kleiner Zeitstau, der bereits das Surrealistische des Kommenden in sich birgt. Der Vater, hier nur als der Mann bezeichnet, macht sich auf den Weg zu einer Party. Dieser Abschnitt liegt in der Vergangenheit der eigentlichen Handlung. Er umrundet Kiel, denn er fährt von der Probstei über den Hauptbahnhof zu einem  Hinterhof nahe der Ringstraße. Er lebt gerne in Kiel, besonders Friedrichsort hat es ihm angetan. Auf dem Fest trifft er auf seine Frau und die Kinder. Doch die Party verwandelt sich in einen Öko-Swingerclub.

Der Roman beschreibt nun weiter die Reise der Kinder zu ihrem Vater nach Polen. Sie reisen von Hamburg über Krakau nach Zakopane. Den Ort Zakopane erleben sie als Dimensionstor und die verschiedenen Schichten des Bewusstseins werden sichtbar. Es ist ein Familienroman, der gleich „Das Land des Lachens“ von Jonathan Carroll (leider vergriffen) und „Wunderlich fährt nach Norden“ von Marion Brasch mit der Verwischung, d.h. Entrückung der Realität und dem Bewusstsein spielt. Auch klingt, besonders gegen Ende, ein kleiner Windhauch „Sofies Welt“ von Jostein Gaarder durch die Zeilen.

Literatur, Poesie, Spiritualität und Philosophie schaffen Bewusstsein und sind die Architektur unserer Phantasie.

„Der unendliche Raum zwischen der Null und der Eins birgt Milliarden von Unendlichkeiten.“

Das Buch gibt es bei uns in der Buchhandlung Almut Schmidt oder beim Peter Rathke Verlag

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