Zoë Beck: „Die Lieferantin“

Zoe Beck Die Lieferantin Suhrkamp
Auf dem Bild ist nur Zucker!

Alles nur noch per Klick bestellen, schnell, bequem und einfach. Der Drogenverkauf wird von der Straße verdrängt und bekommt wie alle Händler starke Konkurrenz aus dem Internet. Der Roman spielt in der nahen Zukunft in London und man klebt als Leser förmlich an den Seiten. Wenn Drogen, dann bitte solche Bücher, wie dieses. Doch ist der Roman keine Flucht vor der Realität, sondern schildert eine solche mögliche, die einhergeht mit den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Englands nach dem Brexit.

Eine Gemeinschaft von Schulfreunden aus einem Stadtteil bildet den Kern dieser spannenden Geschichte. Leigh hat den Pub von seinen Eltern übernommen und ihn der Veränderung des Umfelds angepasst. Die Bewohner des damaligen Arbeiterviertels verlangen nach besserem, gehobenen Essen, das dennoch das Bodenständige verspricht. So konnte er Stück für Stück ein gefragtes Restaurant aufbauen. Doch nagt in ihm eine Geschichte aus der Vergangenheit. Ein sehr guter Freund, der mal seine Hilfe benötigt hatte, kommt durch Drogen ums Leben. Doch hat Leigh noch Kontakt zu dessen Schwester, Elliot Johnson, die zum Glück nichts mit Drogen zu tun hat…

Eines Tages bekommt Leigh Besuch von einem Schutzgelderpresser. Längere Zeit muss er dessen Forderungen Folge leisten, doch durch die wirtschaftliche Situation gerät seine Gastronomie in Schwierigkeiten und die erpresste Summe würde das Restaurant in die Pleite treiben. Leigh wehrt sich, greift zur Waffe und lässt die Leiche des Erpressers im Umbau der Küche verschwinden. Doch das Verschwinden des Schutzgelderpressers stößt den ersten Dominostein der kommenden Verkettungen an. Der Tote, der lediglich von seinen Bossen vermisst wird, war im Auftrag einer größeren Organisation unterwegs. Diese vermuten, da sie in seiner Wohnung viel Bargeld gefunden haben, dass er zur neuen, großen Konkurrenz übergelaufen sein könnte. Die Drogenmafia ist in jeweiligen Bezirken organisiert und die Grenzen sind genau ausgehandelt. Doch neuerdings gibt es einen neuen Mitspieler. Jemand, der sehr gute Qualität in geringer Auswahl in London ausliefert. Als Kunde im Darknet kann man sich den Stoff schnell per Drohne liefern lassen. Die erste Spur, die die Unterwelt aufnimmt, um den Verbleib des Schutzgelderpressers zu ermitteln, führt zu einem Drogenhändler im Hafen, der anscheinend alle aus der Unterwelt beliefert. Auch das neue Start-up mit den Drohnen war sein Kunde. Doch der Großhändler schweigt und überlebt das Verhör nicht. Jetzt gerät die ganze Unterwelt in Aufruhr, denn ein toter Drogenhändler, der in der Themse gefunden wird, sorgt für Unruhe. Hat er eventuell auch für die Polizei gearbeitet?

Das neue Netz, das Londons Kunden aus der Luft bedient, basiert auf Menschen, die nichts voneinander wissen sondern lediglich die Drohnen bepacken und starten lassen. Die Kunden bestellen mit einer App und mit letzter Bestätigung des Standorts und der Sichtbarkeit der Drohne, wird die Drogenlieferung fallen gelassen. Doch haben Drohnen noch mehr Technologien zu bieten. Unter anderen filmen sie jede Übergabe. Hinter dem Unternehmen steht Elliot Johnson, die sich einsetzen möchte für die Legalisation der Drogen. Jeder erwachsene Mensch solle ihrer Meinung nach frei mit seinem Körper und Geist machen dürfen, was immer ihm beliebt. Unterstützt wird sie von einer Anwältin, die von dem Unternehmen „Die Lieferantin“ ebenfalls profitiert. Doch alles spitzt sich zu, denn durch das Verschwinden des Erpressers und den Mord an der Themse fühlt sich nun jeder bedroht. Auch Elliot weiß, dass sie in höchster Gefahr schwebt, denn die Unterwelt möchte sie tot sehen…

In dem Roman, der in der verlängerten Gegenwart spielt, d.h. der Brexit ist vollzogen und England befindet sich im Umbruch, breiten sich Unruhen auf den Straßen aus. Rechtsdruck und Fremdenhass nehmen zu und mittendrin entflammt ein Kampf im Drogenmilieu. Doch die Gegner sind mächtig und lauern überall…

Zoë Beck ist Autorin, Übersetzerin, Synchonregisseurin für Film und Fernsehen. Neben ihrer schreibenden Tätigkeit ist sie auch Verlegerin und zählt zu den wichtigen Krimiautorinnen Deutschlands, die bereits mit vielen Preisen geehrt wurde. Ihr Interesse gilt stets den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und sie erhebt ihre Stimme gegen Ungerechtigkeit und Gewalt. Es lohnt sich, ihrer Stimme zu lauschen und sich durch ihre Romane großartig unterhalten zu lassen. „Die Lieferantin“ ist ein fesselnder, sehr klug unterhaltender Krimi, der zeigt, mit welchem guten Handwerk Zoë Beck es versteht, uns Leser sofort abzuholen und an das Buch zu fesseln.

Siehe auch:

Zoë Beck spricht über ihren Krimi »Die Lieferantin«

Der Drogendeal: »Anonym, sicher, perfekt organisiert.« Zoë Beck: »Die Lieferantin« (Buchtrailer)

Zum Buch / Shop

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Erlesenes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s