Husch Josten: „In Sachen Joseph“

In Sachen Joseph Husch Josten Piper

Husch Josten beschäftigt sich stets sehr tiefgründig mit komplexen Themen und Sachverhalten, die sie in großartige Literatur umsetzt. Fantasie bedeutet nicht alleine, sich etwas auszudenken, sondern aus dem Erdachten auch etwas zu machen. Dies macht die Autorin in allen ihren Werken auf besondere, kluge und unterhaltsame Weise.  Ihre Romane kreisen um Geschichte, Philosophie und die Suche nach dem Sinn. Mit viel Einfühlungsvermögen erschafft Husch Josten Figuren und erzählt mit großer Hingabe Geschichten, die einen auch nach Beendigung der Lektüre zu beschäftigen wissen. Die Autorin hat mir mal geschrieben, dass „In Sachen Joseph“ ihr Liebling sei. Der Roman ist auch wohl ihr komplexestes und überraschendstes Buch. „In Sachen Joseph“ ist ihr Debüt, das bereits 2011 erschienen ist, nun aber neu als Taschenbuch veröffentlicht wurde. Es folgten weitere, sehr lesenswerte Romane. Unter anderem „Das Glück von Frau Pfeiffer“, „Hier sind Drachen“ und „Land sehen“.

Die Sache mit Joseph ist das Spiel um die Wahrheit, den Wahn, die Freundschaft und die Vergangenheitsbewältigung. Doch darf man über das Buch eigentlich auch nicht zu viel verraten, um den letztendlichen Clou dieser ungewöhnlichen Freundschaft nicht zu verraten. Dieser Clou der Handlung wird erst gegen Ende des Buches richtig deutlich. Beginnt man vorher zu zweifeln, sich etwas zu denken, bleibt es dennoch bis kurz vor dem Ende ungewiss.

Helen ist Bibliothekarin, die von ihrer Mutter, welche in die Klinik muss, gebeten wird, auf ihren Vater aufzupassen. Das Verhältnis zwischen den beiden ist sachlich kühl. Sie nennt ihn auch stets bei seinem Nachnamen, also Herr Nienhaus. Als sie bei ihrem Elternhaus ist, trifft sie auf ihre damalige Freundin Klio und deren Sohn Paco. Paco ist Fernsehkoch mit mehr oder weniger ausgeprägten Starallüren. Da er ohne Vater aufwuchs, ist in seiner Sendung stets ein Running-Gag, der Messerwurf auf eine Dartscheibe mit dem zentrierten Wort Vater. Paco will Helen begeistern. Er beginnt um sie herumzusäuseln, um sie für ein gemeinsames Essen zu gewinnen. Helen meint, ihn ihm Züge ihres besten Freundes zu sehen und vermutet, Joseph, ihr engster Freund, könnte der Vater sein.

Joseph trat in ihr Leben, als sie Kind war und in einer unfallartigen Situation im Sandkasten freundschaftliche Hilfe erhoffte. Seitdem ist Joseph ihr engster und bester Weggefährte. Doch hat sie gerade zweimal hintereinander von Josephs Tod geträumt und da die Träume so nah beieinander waren, sieht sie darin eine Art Prophezeiung. Sie sucht den Kontakt zu ihm und möchte auch Klarheit in sein Leben bringen. Gerade weil Paco ihm so ähnlich erscheint. Doch will Joseph, der Zyniker, dies überhaupt wissen und hören? Wer ist dieser Joseph überhaupt, der sich Helen immer mehr zu entwinden scheint. Helen möchte einen Schlusspunkt setzen und spricht mit seiner Mutter, Martha, und trifft sich letztendlich auch wieder mit Paco.

Helen erlebt nun eine Geschichte, eine Art Familiendrama, das auch oft Generationen überspringen kann. Ihr Großvater war Nazi und ihre Eltern haben diesen Teil der Vergangenheit niemals richtig aufgearbeitet. Auch erfährt Helen in ihrem Elternhaus wenig Liebe und Zuneigung. Diese fand sie bisher stets in den Gesprächen mit Joseph. Doch muss sie nun, wie die Träume es angekündigt hatten, Abschied nehmen? Der geträumte Tod als Metapher eines Neuanfangs? Einer Loslösung? Beruflich ist Helen auch nicht gerade am Ziel ihrer tatsächlichen Möglichkeiten und auch ihre eigene Wohnung, die saniert wird, kann sie sich bald nicht mehr leisten. Alles steht in Helens Leben auf Wandlung und Umbruch und wird Joseph letztendlich auch aus ihrem Leben verschwinden?

Ein intelligenter Roman, der psychologisch und literarisch klar formuliert ist und den Leser fesselt und fordert. Die Autorin schreibt stets voller Dramatik, Ironie und Humor. Eine Autorin, die in den Leseschatz gehört und mich immer wieder begeistert.

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