Ralph C. Doege: „Yume“

Ralph C. Doege Yume Septime

Ist alles ein Traum, ein Trauma und was ist die Realität? Ein Experiment vermindert oder besser gesagt verändert die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit des Protagonisten. Für den Leser ist es ein gedankliches Verwirrspiel.

Tokio als Ort des Geschehens. Die Hauptstadt von Japan verkörpert mindestens auch zwei mögliche Wahrnehmungen. Die geschäftige Stadt ist bunt, durch Wolkenkratzer geformt und beleuchtet in Neonlicht. Doch beherbergt sie ebenfalls, neben dem Modernen, das Traditionelle mit den historischen Park – und Tempelanlagen.  Auch die Religionen Shintō und Buddhismus sind unterschiedlich und dennoch gibt es Vermischungen und sie sind auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden. Auch gibt es oft das Bild oder die Statue eines schlafenden Buddhas. Denn darum geht es in Yume. Schlaf und Träume in Bezug auf die Realität. Yume, in Japanisch 夢, bedeutet: Traum, Wunschtraum und Vision.

Es sind Zwillingsbrüder und einer hatte einen Unfall und liegt nun im Koma. Somit macht sich der andere auf die Reise nach Tokio. Der lange Flug und der Jetlag verringern bereits den zeitlichen Bezug bei der Ankunft. Raum und Zeit werden langsam surreal für den Reisenden. Aber dafür ist er auch hier. Durch moderne Technologien will man in Erfahrung bringen, wie weit der im Koma Liegende da ist und wahrnimmt. Seine Hirnaktivitäten werden gemessen, können aber nicht dechiffriert werden. Daher versucht man, mit Hilfe der YUME die Bilder zu enträtseln. Das neurowissenschaftliche Gerät YUME kann Hirnvorgänge dekodieren. Um die Daten, d.h. Bilder in einen Einklang zu bringen, benötigt man den Zwillingsbruder. Es geht um Visualisierung von Traum- und Gedankeninhalten. Somit wird der angereiste Zwillingsbruder oft und viel in Tokio schlafen müssen. Doch gelingt dies?

Im taumelnden Wachzustand erkundet er die Stadt. Die moderne und die alte Welt. Dabei beginnt der Träumende im Reisenden zu erwachen und im Traum, der Schlafende aktiv zu werden. Er erinnert sich, er beginnt zu sehen und es beginnt das Aufwachen…

Das Buch ist für den Lesenden auch eine kleine Reise nach Tokio. Man erlebt die Stadt und dank der schwarz-weißen Fotos des Autors bekommt das Setting ein stimmungsvolles Gesicht.

Das Buch ist leider viel zu kurz und man ist selbst positiv schlaftrunken nach der Lektüre. Etwas mehr hätte wohl dem Text gutgetan. Aber eventuell ist es gerade die Kürze, die den Reiz ausmacht und die Rätsel des Inhalts besonders hervorhebt. Das Leseerlebnis ist gleich einem Sekundenschlaf, nach dem man erfrischt, aber auch noch vom Traum benommen und irritiert in die Realität entlassen wird.

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Weitere Lesetipps von mir auch auf YouTube: Leseschatz-TV

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