Yukio Mishima: „Der Held der See“

Die See verbindet Kulturen und Welten. Dieser japanische Klassiker schwebt zwischen der Moderne und den Traditionen und gibt als kurzer Roman einen Blick in das Wesen des Autors, der selbst umstritten ist. Der Roman handelt vom Heldenbild, von jugendlichen Träumen und Zerrbildern der Realität. Die jugendliche Weltsicht baut sich auf dem Hass auf die Väter auf und birgt in sich die Gefahr der Romantisierung des Nationalismus. Ein jugendlicher Beobachter, der den Helden sucht, ihn meint gefunden zu haben, um ihn später zu verlieren und dadurch zu einer fragwürdigen Tat getrieben wird.

Yukio Mishima wurde 1925 in Tokio geboren. Er ist Autor zahlreicher Dramen, Romane und Kurzgeschichten. Seine Themen kreisen um Politik, Männlichkeit, Körperlichkeit und Gewalt. Er lebte seine eigene innere Lebenssicht, die Homosexualität, nicht aus und betonte stets seinen politischen Standpunkt. 1970 vollführte er nach einem gescheiterten Putschversuch den rituellen Freitod. Mit „Der Held der See“ erlangter er den Klassikerstatus, blieb aber stets ein zwiespältiger Autor der Literaturgeschichte. Der Roman ist nun in der Taschenbuchausgabe erneut mit einem lesenswerten Nachwort der Übersetzerin Ursula Gräfe erschienen.

Es geht um Identität und den Halt im Leben. Diese sucht der heranwachsende Noboru in der Seefahrt. Ihn begeistern Schiffe und die Helden der See. Er sucht das Heldenhafte und findet dieses in einem Idol, das aber sein Bild in Folge straucheln lässt. Er ist innerhalb einer Gemeinschaft aktiv, die das Heroische zelebriert und zu finden sucht. Dabei wird er von seiner Mutter, einer Witwe, begrenzt. Denn sie schließt ihn abends in seinem Zimmer ein, um seine Umtriebigkeit zu zügeln. Dies schürt seine Wut und er randaliert und dabei entdeckt er hinter einer Kommode, durch eine Schublade ein Loch in das Nebenzimmer seiner Mutter. Ihre Nacktheit bewundert er und diese erweckt eine ungewöhnliche Faszination. Dabei erwacht in ihm das Männliche und Simple, das ihn zum Lebensbeobachter werden lässt.

Da ihn Schiffe faszinieren, organisiert seine Mutter eine Besichtigung eines eingefahrenen Schiffes und dabei lernen sie den Offizier und Seemann Ryuji kennen. Dieser wird der Geliebte der Mutter und er wird zum Bild des Erwachsenen für Noboru. Er prahlt mit ihm in seiner Gruppe und Ryuji wird zum Idol als Held und Abenteurer in der Vorstellung der Jugend.  

Ryuji war sein Leben lang auf See. Er liebt nicht, wie seine Kollegen, das Meer, sondern hasst das Land. Er konnte nie eine Bindung zu den Mitmenschen finden und geht nun in der neugefundenen Liebe zu Fusako, der Mutter von Noboru, auf. Fusako betreibt eine gefragte Boutique für Mode und wird von Vermögenden oder Filmstars aufgesucht. Nach dem Tod ihres Ehemannes ist sie besorgt wegen der Seeleidenschaft ihres Sohnes und sie hat auch Angst, ihre neue Liebe in der See zu lassen. Die Innigkeit erwachte gleich nach der ersten Nacht und alle versuchen sich in ihren Geschichten und erdachten Wahrheiten zu finden. Als Ryuji sich für ein Eheleben und gegen die See entscheidet, fühlt Noboru sich von seinem Idol verraten und sieht nur eine Möglichkeit, das erdachte Heldentum zu bewahren.

Ein kurzweiliger Roman über die Liebe, die Idealisierung des Heldentums und der Männlichkeit. Ein verstörender und wunderschöner Roman, der seine Aktualität durch die Gezeiten nicht verloren hat.

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