
Alles ist Poesie. Ob inwendig oder im Draußen. Gestalten und das erzählende Ich treffen immer wieder auf Fische, die wiederum auf größere Tiere stoßen. Das Buch ist eine lyrische, elliptische Parabel aus Bildern, Anspielungen und Wiederholungen. Ein vielschichtiges und tiefgründiges Werk, das uns herausfordert, einverleibt und verändert ausspeit. Das biblische Bild drängt sich auf und Gedicht und Gebet bleiben in der Fürbitte im Einklang. Wir tauchen ein in eine innere Welt. Denn gesellschaftlich ziehen wir uns zurück in Lebensräume, die uns behüten. Doch das Innere birgt seelische Befangenheit und trotz des Rückzugs ins Ich, gerät die Individualität durch das massenhafte Phänomen in Gefahr. Die Innenschau ist ein Bauchgefühl, eine Busfahrt oder eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem inneren Clown.
Am Anfang ist die Null. Dann kommen die Dualität und die Bewegung und die Mechanik. Aus der Bewegung heraus wachsen der Anstoß und die Reaktion. Der Anfang sind poetische Quelltexte, die dann im folgenden Kapitel zu Gedichten, Kurzlyrik und zu Szenen werden. Die Themen, Gedanken und Gefühlsmomente behandeln den Körper, die Herkunft und die bewusstwerdende Innenschau. Das Innere des Wals oder der Bauch, der Unterleib, der fühlt, mitschwimmt und gebärt. Das erzählende Ich hat immer ein Buch dabei, wie könnte es auch anders sein. Denn auch die Verfasserin wirkt buch-, sprach- und literaturversessen. Denn mit kurzen Sätzen baut sie Gedankenmuster auf, die Emotionen erzeugen und uns zum Denken und zum Schmunzeln bringen. Das Spiel mit Sprache, Setzung und Form ist eigensinnig, aber es ist nichts Gewolltes, sondern Erschaffenes. In den Texten würmt, murrt oder knarzt es. Tierisches, Menschliches oder das Geräusch der Bewegung auf dem Gewässer erklingen durch die Zeilen. Gewässer, das aus Meeren, Wannen oder aus Gießkannen geschöpft wurde. Kritik wird nach außen getragen, aber auch am Selbst gesucht. Es folgen auch Gespräche mit einer Clownspuppe oder der Frau aus dem Land, das nicht mehr existiert. Orte wie Oslo tauchen auf und doch bleibt vieles im Inneren, mit den knarrenden Böden. Gibt es Antworten auf abklingende Fragen? Somit sollte immer ein Buch, eventuell ja dieses, immer in unserer Tasche sein, nur für die Fälle, dass das Fragen vorbeigeht, während unsere Leben im Bus durch Industriegebiete chauffiert werden. Dies ist ein wunderbares Buch, das aus dem Bauch geschnitzt wurde. Ein Bauch, der, wie bei der Clownspuppe mit Watte gefüllt werden muss, damit er nicht leer wird. Die Leere befällt die Städte, die Räume und das Selbst. Doch dann kommt ein Hauch, ein Geruch, mag er fischig sein, um uns an unsere Begrenzung zu erinnern, damit wir diese verlassen oder verändern können.
Ein Buch, das dunkle, stille Orte mit einer wundersamen Helligkeit beleuchtet, die dem Wunsch nach Einsamkeit die Mehrfachheit anbietet. Das Innere sehnt sich nach Äußerem, das sich aber verändert hat. Haben wir Heimweh, das den Ursprung verloren hat?
Das Buch liest sich einfach und doch auch nicht. Es verlangt Aufmerksamkeit und ist dabei sehr unterhaltsam. Wir beginnen abzutauchen, zu kreisen und im eigenen Gedankenbauch zu rudern. Katrin Pitz ist Autorin und Ingenieurin und verbindet Forschung und Entwicklung mit ihrer Sprache und formt lyrische Gedankenwelten.
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