
Nathalie Buchholz stellt in ihrem ersten Roman die Frage, wieviel Wahrheit die Liebe verträgt und erzählt die Geschichte eines Sommers, in dem einiges neu beginnt. Es ist die Geschichte von Adam, der gerade das Pubertierende abgelegt hat und an der Schwelle zum Erwachsenen ins Stolpern gerät, als sein Vater die Familie ohne weitere Erklärung verlässt. In jenem Sommer, als Adam begreifen lernt, dass nichts im Leben perfekt ist, trifft er auf seine erste Liebe und muss seinen eigenen Weg im Leben finden.
Am Beginn des Romans steht eine Urteilsbegründung. Der Angeklagte soll einhundertzwanzig Arbeitsstunden in der Altenpflege ableisten. Die Höhe der Bestrafung ergibt sich aus der Schwere der Tat und der bewussten Inkaufnahme eines größeren Unglücks. Der Verurteilte ist Adam, der etwas getan hat, das er bereut und wohl besser nicht gemacht hätte. Doch durch seine Tätigkeit in der Pflege lernt er später das Mädchen kennen, das ihn dazu bringen wird, seine Vergangenheit zu bewältigen und sich auf eigene Beine zu stellen.
Adam lebt in einer Vorzeigefamilie. Sie leben im Wohlstand und werden sogar bewundert. Besonders Adams schöne Mutter, Eva. Wiktor, Adams Vater, ist erfolgsverwöhnt und als Unternehmensberater ständig auf Dienstreise. Wiktor hat seine Frau in Frankreich kennen- und lieben gelernt. Beide heiraten jung und bekommen Adam. Ihre Liebe scheint immer noch sehr groß zu sein, denn Adam beobachtet oft seine Eltern und sieht ihre große Zuneigung. An vielen Abenden kann Adam ihren liebevollen Umgang beobachten. Wenn der Vater nachhause kommt, schwimmt Eva oft in dem roten Swimmingpool. Von beiden scheint ein regelrechtes Strahlen auszugehen und es wirkt, als würden sich beide noch genauso lieben wie am ersten Tag. Nichts scheint sie jemals trennen zu können. Doch dann verschwindet sein Vater einfach. Als sie zu einer Beerdigung nach Frankreich fahren, kommt Wiktor nicht mit. Anfänglich meint Eva immer noch, er würde nachreisen, aber dies stellt sich sehr schnell als Lüge heraus. Adam versteht nicht, warum sich seine Eltern trennen. Schon gar nicht warum sein Vater eine neue Familie annimmt und er und seine Mutter sogar das Haus verlassen sollen.
Im Wechsel der Kapitel wird Adams Geschichte vor und nach seiner Tat erzählt. Eine Tat, die er aus reiner Verzweiflung, Wut und Trauer begangen hat und leider nicht mehr rückgängig machen kann. In der Gegenwart ist Eva ohne große Erklärung nach Paris gezogen und Wiktor lebt mit seiner neuen Frau und deren kleinen Kindern in dem Haus, in dem Adam groß geworden ist. Adam wohnt in einer Wohngemeinschaft und lernt Tina kennen, in die er sich verliebt. Da sein bester Freund anscheinend auch Tina lieben lernt, gerät Adam erneut in ein Gefühlschaos. Doch ist es Tina, die stets befreiende Ideen hat und beiden jungen Männern neue Wege aufzeigt. Doch steht immer noch die die Vergangenheit zwischen ihnen, denn Adam traut sich nicht zu erzählen, was er Schreckliches gemacht hat. Auch rumort in ihm immer noch der Schmerz darüber, dass er verlassen wurde. Warum ist sein Vater aus seinem Leben verschwunden? Woran ist die eigentlich perfekte Ehe seiner Eltern gescheitert?
Ein Familienroman über die Liebe und deren Zerstörung. Die Geschichte, wie eine große Liebe zerbricht und neu beginnen kann.
Dieser Roman liest sich leicht, herzlich und humorvoll. Durch seine Erzählweise funktioniert das Buch generationsübergreifend und bietet feine Unterhaltung. Auch wenn das Buch vom Heranwachsen handelt und etwas Jugendliches versprüht, ist der Inhalt und der Stil niemals in einem saloppen Jargon verfasst.






In der Flut an fantastischen Romanen ist dies eine frische Überraschung. Bernd Desinger studierte deutsche Sprache und Literatur und war viele Jahre am Goethe-Institut beschäftigt. Jetzt leitet er das Filmmuseum in Düsseldorf. Daher ist es keine Verwunderung, dass er seine Geschichte sehr sprachgewaltig, spannend und stimmungsvoll erzählt. Ein märchenhafter, schöner Fantasy- und Abenteuerroman. Band drei „Die Runde der Raben“ und somit der Abschluss der Saga erscheint im Frühjahr 2019.

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Die See: ein Spiegel des Himmels und der Wolken. Mal blau, grün und immer wieder anders. Die Gewässer sind mal ruhig, anschmeichelnd oder aufbrausend und stürmisch. Das Meer kann ganz still sein, dann aber auch brüllen und Meter hohe Wellen gegen Land oder Schiff werfen. Die See ist gleich dem Wind: ein Freund oder auch ein Feind. Der Blick auf das Meer beruhigt und weckt Sehnsüchte nach Ferne oder Abenteuer. Man fühlt sich der Natur ganz nah und wird sich seiner geringen, menschlichen Größe bewusst. Denn dem Meer ist der Mensch, der es befährt, letztendlich egal. Alle sind auf hoher See gleich und abhängig von der Gunst der See. Dieser in uns allen bewusste oder ruhende Respekt wird dem Seemann täglich abverlangt.

