Franz Hohler: „Gleis 4“

gleis 4

„Darf ich Ihnen den Koffer tragen?“ Hätte sie geahnt, was dieser Satz für Folgen hatte, sie hätte abgelehnt, höflich, aber entschieden.

Gestern haben wir einige Taschenbuch-Novitäten ausgepackt und dabei ist mir „Gleis 4“ von Franz Hohler erneut aufgefallen. Dies hatten wir damals bereits als Leseexemplar bekommen, dann ist es aber in unserem Büchermeer versunken. Jetzt, nachdem ich es ausgegraben hatte, hatte ich gestern mit dem Buch sehr schöne Leserlebnisse.

Isabelle arbeitet als Altenpflegerin, hat gerade eine Operation hinter sich und ist auf dem Weg zum Flughafen, um in den Urlaub zu fliegen. Sie will sich nach den anstrengenden Tagen in Stromboli erholen und hat sich dort mit ihrer Freundin verabredet. Doch es kommt alles ganz anders, denn als Sie sich am Bahnhof zum Zug, der sie zum Flughafen bringen soll, mit ihrem schweren Koffer abmüht, spricht sie ein älterer Herr an, der ihr seine Hilfe anbietet. Ein Gentleman, der für sie den Koffer zum Gleis bringt. Am Zug angekommen, möchte sie sich bei ihm dankbar verabschieden, aber der Mann erstarrt kurz in seiner nickenden Pose und bricht mit einem Herzanfall zusammen. Er raunt ihr noch etwas zu, als sie ihm erste Hilfe gibt, verstirbt dann aber am Gleis. In der ganzen Hektik durch die Polizei und die Passanten und den Notarzt, merkt Isabell nicht, daß sie unbewusst eine Mappe des Fremden in ihren Koffer eingesteckt hat.

Da sie nun den Flug verpasst fährt sie nachhause und erst durch das Klingeln des Handys des Toten, bemerkt sie die Mappe. Eigentlich will sie die Mappe der Polizei geben, doch da das Telefon stets von Neuem klingelt, geht sie ran und eine barsche Männerstimme spricht eine Warnung an den unbekannten Toten aus. Da sie der Polizei für weitere Fragen bereit stehen soll und auch der anreisenden Witwe, die aus Kanada anreist, zur Verfügung stehen möchte, falls diese Fragen hat, ist an die eigentliche geplante Reise nicht mehr zu denken.

Isabelle möchte nun mehr erfahren und macht sich auf die Suche nach dem mysteriösen Anrufer und erfährt von der Witwe, daß der Verstorbene in Kanada unter einem anderen Namen lebte als der, unter dem ihn der unheimliche Anrufer kannte. Die beiden Frauen recherchieren mit der Unterstützung von Sarah, der Tochter von Isabelle, und machen sich gemeinsam nach den Wurzeln der Geschichte des Toten, der anscheinend eine doppelte Identität und wohl eine furchtbare Kindheit hatte…

Ein leichter, aber hintergründiger Roman, der voller Gesellschaftskritik ist. Ein Buch, das immer spannend bleibt und eine sensible Geschichte erzählt, die betroffen machen kann…

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