Willi Achten: „Nichts bleibt“

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Ein Krimi, der viel mehr ist als ein herkömmlicher Spannungsroman. Es geht um einen Kriegsfotografen, der die Welt nicht mehr passiv aus der Perspektive eines Fotografen beobachten will, sondern sich wehrt und sich fragt, ob er nicht schon eher hätte eingreifen sollen. Durch seinen Rachedurst getrieben setzt er alles, was ihm bleibt, aufs Spiel.

In einer Szene wird das Licht in einem Gemälde von Turner beschrieben. Ein gebrochenes Licht, das durch veränderte Lichteinfälle, ausgelöst durch einen Vulkanausbruch im Pazifik, prachtvoll erstrahlt. Das Wundervolle lässt den Ursprung des Schrecklichen vergessen und verschleiert dies. So ist auch der Handlungsort ein eigentliches Idyll. Ein Hof im Wald und die nahegelegenen Alpen. Die Gebirgs- und Waldlandschaft als Fluchtort, als Ort der Naturverbundenheit und Sehnsüchte. Doch sind es die Schattenseiten und die Abgründe der menschlichen Psyche, die immer mehr in die Handlung einziehen und das Leben der Protagonisten verändern werden.

Franz Mathys ist ausgebildeter Fotograf und hat seinen Lebensunterhalt als Kriegsfotograf bestritten. Eines seiner Fotos wurde sogar mit dem „World Press Photo Award“ ausgezeichnet. Er hat die Schrecken und die Kriegsverbrechen in Srebrenica, Afghanistan und im Südsudan gesehen und dokumentiert. Er war Zeuge einer Steinigung und weiterer unmenschlicher Gräueltaten. Immer als Fotograf, der die Momente festhielt und nicht eingegriffen hat. Seitdem schlummern in ihm Schuldgefühle. Dabei ist er schon ein aufbrausender Mensch, der das Ungerechte nicht erträgt. Dies zeigte sich bereits während seiner Ausbildung, als sein Meister seine Fotos ungefragt veröffentlichte.

In der Gegenwart der Handlung lebt Mathys zurückgezogen im Wald. Er lebt mit seinem Vater und seinem Sohn auf einem Hof. Der Junge liebt die Taubenzucht, doch als er daran stark erkrankt, müssen sie sich von den Tieren trennen und Mathys dunkle Seite erwacht. Während der Behandlung seines Sohnes, die ihn durch das verabreichte Cortison aufquellen lies, tritt Karen in ihr Leben. Karen ist die Lehrerin, die sich erst liebevoll um seinen Sohn kümmert, dann Mathys Herz erobert. Nach einem tragischen Unfall holt die leibliche Mutter den Sohn wieder zu sich.

Jetzt lebt Mathys allein mit seinem Vater auf dem Hof. Im Wald beobachtet er zwei Wilderer, die auch noch einen Hund schlagen. Der passive Fotograf erwacht und greift ein und schlägt die Tierquäler zusammen. Kurzdarauf wird sein Vater brutal zusammengeschlagen und muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys setzt jetzt alles daran, die Täter zu finden und sein Wunsch nach Rache verändert ihn immer mehr. Seine Spur führt ihn zu Tierquälern und seine Wut erwacht. Er will nur noch handeln und lässt damit die Menschen zurück, die er liebt. Wenn er sich seiner Einsamkeit und seinem Rachewahn hingibt, könnte er wirklich alles verlieren und am Ende könnte dann nichts mehr bleiben…

„In der Wut verliert der Mensch seine Intelligenz“

Es werden Erinnerungen an die Werke von Jochen Rausch: „Krieg“ und Tor Even Svanes: „Ins Westeis“ wach, denn diese Bücher zeigen jeweils die eigentlichen inneren Kämpfe der Protagonisten vor malerischer Kulisse. „Ins Westeis“ spielt ebenfalls mit dem Thema, wie wir Menschen mit unserer Natur und besonders mit den Tieren umgehen. Das Setting, die Natur, spielen in „Nichts bleibt“ eine große und stimmungsgebende Rolle. Das eigentliche Idyll verbirgt den menschlichen Abgrund. Man ist gleich von Anfang an von den Protagonisten und der Handlung in Bann genommen. Ein Roman, der sofort fesselt und einen durchrüttelt.

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7 Kommentare

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7 Antworten zu “Willi Achten: „Nichts bleibt“

  1. Liegt auch noch bei mir auf dem Tisch. Aber jetzt ist erstmal der Stroby dran. Schöne Rezi, Hauke!

  2. Oh, was freue ich mir, dass der Roman dich so mitgerissen wie mich! Es genügt ein Gedanke ans furiose Finale und ich bekomme Gänsehaut. Danke für die schönen Worte, die du für das Buch gefunden hast!

  3. Ich denke, dass ist wirklich eine tolle Empfehlung von Dir, Titel und Autor sagten mir bisher noch nichts. Aber Du machst mich sehr neugierig. Vielen Dank für den Tipp und viele Grüße

  4. Pingback: Auf Jagd – Willi Achten „Nichts bleibt“ – Zeichen & Zeiten

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