Archiv der Kategorie: Erlesenes

Alain Damasio: „Die Horde im Gegenwind“

Ein Sturm bricht an, denn endlich weht auch bei uns dieser Wind. Alain Damasio ist ein fantastischer Visionist und Weltenerzeuger. Welten, die unserer fern wirken, um dann durch die beschriebene Weltengeschichte letztendlich auf uns und unsere Gegenwart zu schauen. In Frankreich haben seine Werke Kultstatus und werden gefeiert. Endlich ist der Sensationserfolg auf Deutsch erhältlich: „Die Horde im Gegenwind“. Erneut übersetzt von Milena Adam. Bisher gab es von dieser windigen Komplexität nur die Comicadaption von Éric Henninot (ebenfalls lesenswerte Leseschätze). „Die Horde im Gegenwind“ und das vorher erschienene Werk „Die Flüchtigen“ sind Leseschätze, die uns im positiven Sinne herausfordern. Beide Romane beschreiben komplett andere Welten und gehören unabhängig gelesen. Doch eint sie das fantastisch Visionäre. Der Umfang der Werke minimiert sich in der Wahrnehmung zügig, denn die Visionen und Handlungen fesseln. Ein kritischer und märchenhafter Blick auf unsere Gesellschaft. Die Texte verzaubern die Realität und man gerät in einen Leserausch, der jeweils bis zum Ende anhält. Handlung und Sprache hinterlassen übersprudelnde Gedankenbilder.

Die Visionen beider Werke spielen am Ende unserer jetzigen kapitalistischen Gesellschaft. Die Überwachung bei „Die Flüchtigen“ ist nicht zum Schutz, sondern gilt der Gedanken- und Kaufkraftsteuerung. Allein jene Flüchtigen sind entkommen. Wir Menschen machen stets gehörig Wind. Ein Wind der sich unserer Schnelllebigkeit anpasst. Zuweilen ist es ein Lüftchen, aber meist bläst er uns so kräftig an, dass wir den Halt verlieren. Wir werden alle zu Hordlern, die nur noch die Chance haben, zu akzeptieren, zu flüchten oder sich dagegenzustemmen. Um dem beständigen Wind zu trotzen, kann man nur noch Ritzen, Rillen, Klang- bzw. Gedankenräume oder andere kleine Schutzwälle aufsuchen.

Hordler sind hier eine Gemeinschaft, sie sie sind mehr als eine Familie. Es ist die Geschichte der vierunddreißigsten Horde. Ihr Ziel ist es, die mystische Quelle des Windes zu finden. Ein Wind, der ohne Unterbrechung über die Welt hinwegfegt. Ein Sturm, der beständig aus einer Richtung bläst. Mal weniger stark, mal tödlich, aber immer gegenwärtig. Es ist eine leere Welt und vor 27 Jahren, als sie noch Kinder waren, sind sie aufgebrochen. Die vorherigen dreiunddreißig Horden sind auch der Frage nachgegangen, woher weht dieser Wind? Alle Horden sind bisher verschollen, umgekommen oder haben am Weg aufgegeben und sind irgendwo sesshaft geworden. Die jetzige Horde ist entschlossen, das Ziel zu kentern. Golgoth marschiert vorneweg, hinter ihm Sov, der Schreiber, dann der Rest. Dieser Marsch, der nur ergangen zum Erfolg führen kann, wird ein Leben lang dauern. Der Schreiber hält alles im Konterbuch fest. Nach vielen Abenteuern und mystischen Begegnungen wartet am Ende die härteste Prüfung. Gibt es überhaupt ein erlösendes Ziel? Kann die Horde den Wind kontern und dem in der Horde wachsenden Irrsinn trotzen?

Ein Abenteuer, das einzigartig ist. Der ganze Roman entfaltet sich im Verstand und die Besonderheit der Sprache wird erneut deutlich. Die Sprachbilder werden beim Lesen Realität und wir werden mit diesem Werk zum Hordler! Wie bei den Roman „Die Flüchtigen“ werden viele Fragen in der Metaphorik gestellt. Am jeweiligen Ende wird es Antworten geben, doch passen diese zu den Fragestellungen? Werke, die lange an uns zerren werden, wenn wir sie gebändigt haben. Das Bändigen dieser Kolosse ist aber eine enorme Freude.

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Jochen Schimmang: „Abschied von den Diskursteilnehmern“

Erneut wirft uns Jochen Schimmang in seine Betrachtungen. Er folgt seinen Geländegängen im Sinne des Auslotens von Grenzen und Rändern. Dies als gedankliches Konstrukt und als literarisches Forschungsfeld in der Verwendung der Methode des Strukturalismus. Dies klingt anstrengender und verkopfter als es beim Inhalieren der textlichen Mosaiksteine tatsächlich ist. Die Texte sind spielerisch und ständig assoziativ aufgebaut. Es macht Spaß, den räumlichen und gedanklichen Reisen zu folgen. Es sind kluge und humorvolle Anspielungen, die Autobiografisches und Gesellschaftliches in den Diskurs legen. Es sind Lebens-Marginalien, die das Besondere der kürzlichen Vergangenheit fokussieren. Verfasst vom Juli 2022 bis August 2023. Wie in seinen Werken üblich, zuletzt im großartigen Roman „Laborschläfer“, sind seine Texte der „Neuen Innerlichkeit“ zuzuschreiben. Er studierte Politische Wissenschaften und Philosophie. Er ist als Übersetzer und Autor tätig und sein angehäuftes Wissen reflektieren die vorliegenden kleinen Textsteine, die einladen zum Nachsinnen, zum Schmunzeln und zum Verweilen.

Er fragt und beobachtet in der dritten Person und erschafft damit ein Wimmelbild, in dem wir vieles sehen können, wenn wir es wollen. Auch uns erkennen wir zuweilen selbst. Er sinniert über das gegenwärtige Phänomen, das wir alle eine Meinung zu alles haben sollten, wenn nicht sogar haben müssten. Wir sollen stets eine Position einnehmen, auch wenn das Wissen darüber eventuell noch nicht vorliegt. Er wird zuweilen lyrisch und schaut auf Ähnlichkeiten und Unterschiede. Er zählt auf, wer die Intellektuellen hasst und kommt zu dem Schluss, dass diese sich auch selbst hassen und kann dies, wie bei den anderen, nicht nachvollziehen. Es sammelt Gedachtes, Geträumtes und Gelesenes. Er vermischt Tagespolitik mit aktuellen Fernsehangeboten und philosophiert über Verlesenes und Verhörtes.

Jochen Schimmangs Bücher sind Reisen zu realen und imaginären Orten. Seine Betrachtungen und Formulierungen können Falltüren sein, die unsere Bewusstseinsebene zu verändern vermögen.  Der  Anfangsfinder endet im Niemandsland und zieht uns dabei mit, mit seinen gesponnenen und verwobenen Gedankenfäden. Hat das Ganze ein Ziel? Wenn ja, liegt es ganz bei der individuellen Betrachtung. Es sind zumindest launische Suchbilder der gegenwärtigen Diskurse.

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Marie Darrieussecq: „Das Meer von unten“

Marie Darrieussecq schaut in ihren Werken stets ganz genau hin beziehungsweise hinein. Ihre Romane sind verknappte Großwerke. Zuletzt ließ sie uns durch „Hiersein ist herrlich“ in das Leben von Paula Modersohn-Becker schauen. „Das Meer von unten“ ist ein kluger und zeitloser Text mit aktuellen Themen. Es geht um die Frage des Rechtes nach Wohnort und Gastfreundschaft. Marie Darrieussecq hat Jahre für diesen Roman benötigt, denn es fiel ihr schwer, sich mit ihren Erfahrungen zu beschäftigen. Sie hat über einen langen Zeitraum mit vielen Migranten gesprochen und diese Geschichten, Erlebnisse und Traumata verinnerlicht. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die nichts Heldenhaftes hat, aber sich dann doch, gleich dem Bowie-Motto „We can be Heroes. Just for one day“, auf das kommende Drama einlässt.

Ihre Mutter hat sie zu dieser Kreuzfahrt überredet. Es soll eine Auszeit zu Weihnachten sein, denn Rose ist Psychologin und es kostet sie viel Kraft, in der Familie zu agieren. Ihre halbwüchsigen Kinder leiden entweder unter mannigfaltigen Allergien oder sind typische Teenager. Ihr Mann ist Immobilienmakler, der aufgerieben wird und seinen Frust im Weinglas ertränkt. Hierbei wird bereits das Thema des Romans verdeutlicht. Der Lebensraum zeigt sich vielfältig im Pariser Schick, in der Stadtplanung, der Länderflucht aus Armut, Verfolgung, Misshandlung oder aus politischen Gründen und in jenem schwimmenden Hotelkomplex im Mittelmeer, auf dem die Handlung beginnt.   

Rose macht über Weihnachten mit ihren beiden Kindern jene Mittelmeerkreuzfahrt. Die Erholung wird unterbrochen durch das Kentern eines Flüchtlingsbootes und Rose wird Zeugin, wie die Mannschaft ihres luxuriösen Passagierschiffes die Überlebenden rettet und aufnimmt. Auch ein Toter ist dabei und das Gesehene erweckt in Rose Hilfsbereitschaft. Sie ist Psychologin und möchte nicht, wie die meisten, Beobachterin sein. Der Kontakt zu einem jüngeren Flüchtling namens Younès, der sie an ihren Sohn erinnert, beflügelt ihren Tatendrang. Es beginnt mit einem Handy, das sie ihm überlässt. Das Handy ist für den einen eine Kommunikationshilfe, für andere Spielzeug oder Statussymbol. Die Überlebenden bleiben kurz an Bord, bis die italienische Küstenwache eintrifft. Die Gedanken von Rose kreisen seitdem beständig um das Erlebte und ihre spontane und andauernde Hilfsbereitschaft verändert ihr Leben und das ihrer Familie. Die Blickwinkel ändern sich im Hinblick auf das Weltgeschehen und auf das Leben und die Reaktionen der Mitmenschen.

Dieser Roman ist voller Empathie geschrieben und mit einer literarischen Ausstrahlung, wie sie nur  Marie Darrieussecq zu erzeugen vermag. Ein Roman, der fragt, wer das Recht hat, wo zu leben. Aus dem Französischen wurde der Roman von Patricia Klobusiczky übersetzt.

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Stephan Schmidt: „Die Spiele“

Stephan Thome hat nun unter seinem wahren Namen einen Kriminalroman geschrieben. Einen Spannungsroman hat Stephan Schmidt wohl deshalb als Erzählstruktur gewählt, um etwas verspielter und temporeicher mit seinen Themen umzugehen. Thomes Gesamtwerk beinhaltet ausschließlich Leseschätze. Gerade seine tiefe Einsicht in die Psyche und in die Geschichten der Charaktere begeistert stets aufs Neue. Seine Themen beschäftigen sich oft mit dem individuellen Werdegang und dem Drang nach Freiheit. Mit „Gott der Barbaren“ und „Pflaumenregen“ reisen wir mit Thome nach Asien und innerhalb der Geschichte. Auch „Die Spiele“ verwebt Historisches mit Länder- sowie Kulturübergreifendem. Bereits als Student lebte Schmidt in China, Taiwan und Japan. Nach seiner Promotion in Philosophie war er in Taipeh tätig, wo er jetzt mit seiner Familie hauptsächlich lebt. Seine Kenntnisse über die unterschiedlichen Kulturen und die jeweiligen Geschichten fließen in diesen spannenden Krimi ein. Jedoch ist es kein typischer Thriller, sondern durch die Handlung ein umfangreicheres Werk. Doch schreibt Schmidt anders, als er es als Thome machen würde. Seine Herangehensweise an das Krimi-Genre ist somit etwas einfacher und experimenteller. Thome reiht sich nun als Schmidt ein in die Werke von Andreas Pflüger, Oliver Bottini und Horst Eckert.

Ein Kriminalroman über Regionen und Ereignisse, über die wir bisher wenig erlesen konnten. Der historische Kontext der Ferne verbindet sich mit unserer Geschichte, besonders die der DDR. Wie in Thome und nun auch in Schmidts Romanen wird die Handlung und das Erzählte durch die nahbaren Figuren sehr erlebbar und lädt, wie immer, zum Weiterdenken an.  

Der Prolog spielt im Jahr 1994 in Mosambik. Hier wird für das Kommende verdeutlicht, dass sich agierende Figuren bereits seit längerer Zeit kennen, denn die eigentliche Handlung spielt dann 2021. Im Prolog wird auf die Vertragsarbeiter aus Mosambik, die in der DDR arbeiteten, hingewiesen. Diese Menschen wurden Madgermanes genannt. Dies als Wortspiel aus „Made in Germany“ und „die verrückten Deutschen“. Der Lohn wurde den Arbeitern oft genommen und für die Tilgung der mosambikanischen Staatschulden zweckentfremdet und nach dem Mauerfall wurden sie ausgewiesen.

Der eigentliche Handlungsverlauf beginnt 2021 in Shanghai. Ein Mord überschattet den Kongress zur Vergabe der Olympischen Sommerspiele. Der mosambikanische IOC-Funktionär Charles Murandi wird in seinem Hotelzimmer ermordet aufgefunden. Der Mensch, der das Opfer als letzter lebend gesehen zu haben scheint, ist der Journalist Thomas Gärtner. Die Überwachungskamera zeigt ihn, wie er das Zimmer betritt und wieder mit Dokumenten in der Hand verlässt. Gärtner wird als wichtiger Zeuge, wenn nicht sogar als Täter, von der Polizei festgehalten. Während des Verhörs kann sich Gärtner an nichts erinnern. Die Spiele beginnen, als die Bundeskanzlerin anreist und die Journalisten eine große Story wittern. Eine Konsularbeamtin, Lena Hechfellner, wird in den Fall involviert. Sie weiß von der Bekanntschaft von Gärtner und Murandi. Auch weiß sie anscheinend noch mehr über jene Geheimnisse und die Dokumente. Ein heikles Spiel beginnt, das wohl tief in der Vergangenheit seine Wurzeln zu haben scheint.

Der Roman eröffnet ein spannendes Spiel aus Rache und Weltgeschichte auf einem Spielfeld, das für Machtspiele angelegt wurde.

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Stefan Sommer: „Trabant“

Dieser Debütroman ist raffiniert, spannend und toll geschrieben. Ein junger Mann, eher ein Träumer, der verkopft ist und sich beständig sorgt. Sind wir und die Menschen in unserer Nähe die, für die wir sie und uns halten? Das Werk zeigt uns das nicht immer einfache Leben und macht daraus eine Limonade und innerhalb des geringeren Umfangs erschafft der Text dennoch eine große Odyssee. Eine emotionale Vater-Sohn-Geschichte, die im Kern ein Roadtrip durch Gedankenverwurzelungen, Ängste, Enttäuschungen und feine Überraschungen ist.

Georg Himmel probt seinen Auftritt im Spiegel des leeren Hotelaufzugs. Er ist gehemmt und scheu und betrachtet die weiteren Gäste wie in einem Wimmelbild. Bevor er sich gewöhnlichen Konversationen hingibt, lauscht er lieber den Sphärengesängen über Kopfhörer. Er archiviert Aufnahmen von Radioteleskopen und besonders das Schwingen des Beteigeuze berührt ihn. Dieser Riesenstern ist ein Bestandteil von Orion und somit auch ein Teil von etwas Größerem. Das Flüstern der Sterne ist für ihn Klangraum seiner Welt. Er ist eingeladen zur Hochzeit seines besten Freundes. Es ist eine Spätsommernacht in Istrien. Georg akklimatisiert sich in der Umgebung und versucht, wenig Berührung mit den Mitgästen im Grandhotel zu erhalten. Doch eine menschliche Flasche und eine SMS bringen Georg wieder auf die Erde. Die Kurznachricht ist von seinem Vater, die eigentlich wohl für dessen Affäre gewesen wäre. Georg macht sich nun Gedanken und beschließt, das Familienleben zu retten. Er setzt sich in seinen Wagen und fährt los, um seinen Vater in den frühen Morgenstunden am Münchener Flughafen zur Rede zu stellen. Auf der Fahrt kommen ihm viele Gedanken und er sorgt sich immer mehr. Kann er das Auseinanderbrechen der Familie verhindern? Kennt er seine Eltern wirklich und sind sie die, für die er sie hält? Georgs Autofahrt wird eine Reise in Erinnerungen, Signalen, Autobahnen, Raststätten und Umwegen. Die Urängste und das beständige Hadern, Wüten und Hoffen sind seine Wegbegleiter durch die dunkle Nacht, die auch Überraschungen bereithält.

Dieser Roman ist wahrlich ein Trabant, der auf seiner Reise viele Themen streift. Unfassbar unterhaltsam und klug fliegt der Text durch irdische und himmlische Fragestellungen. Der Erzähler ist wie der genannte Himmelskörper, der sich stets in der Umlaufbahn seiner massereicheren Mitmenschen, besonders der Familie befindet und dadurch in unvorhersehbare Rotationen gerät. Ein Träumer, der durch den ungewollten Weckruf seiner Eltern erkennt, dass die erdachte Welt nicht immer übereinstimmt mit der realen Umgebung. Ein Roadtrip, der toll geschrieben ist und den Lesenden sofort auf seiner irdischen Himmelsbahn mitnimmt. Ein Buch zum Staunen, Spaßhaben und zum Weiterfliegen.

Dieser Roman lag mir bereits vor Monaten als Manuskript vor, daher werde ich als Leseschatz in der Verlagsvorschau zitiert.

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Jaroslav Rudiš: „Trieste Centrale“

Ein kleines Buch mit enormer Wirkung. Ein kurzweiliger, schöner und melancholischer Text voller Lebenskraft. Das Buch lebt neben der Wortkunst von den Illustrationen von Halina Kirschner.

Nach „Weihnachten in Prag“, ebenfalls eine Miniatur und ein Leseschatz, reisen wir mit den Figuren nach Triest. Natürlich ist es eine Reise mit der Bahn, wie könnte es bei Jaroslav Rudiš auch anders sein? Es ist eine Reise in Erinnerungen. Ein Erinnern für die Charaktere und eine Wiederkehr innerhalb der Literatur, denn es spielt in Winterbergs Welt. Diese kurze Geschichte ist ein Nebengleis des großen Romans „Winterbergs letzte Reise“. Doch ist keine Vorkenntnis nötig, um dieses kunstvolle Kurzwerk gänzlich verstehen und genießen zu können. Doch lädt das Büchlein dazu ein, sich spätestens jetzt in diese Romanwelt zu vertiefen.

Herr Winterberg sitzt mit Herrn Kraus im „Heidelberger Krug“ in Berlin. Vor ihnen stehen die frisch gezapften Biere und ein antiquierter Baedeker, der Herrn Winterbergs Wissen über Historisches und Touristisches untermauert. Das schöne Wetter draußen stimmt Herrn Winterberg traurig. Es war seine Frau, die sonniges Wetter bevorzugte. Er liebt es regnerisch, denn dann hat er bei seinen Erkundungen die Wege meist für sich. Das Ausblenden des Schönen erklärt sich auch in Folge seiner Erzählung, denn seine Frau war schwer krank, als er ihr eine Freude bereiten wollte und dies ist der Kern seiner Erzählung, die er mit feinen Ausschweifungen schmückt.

Der eiserne Vorhang beherrscht noch die Landschaften Europas und er reist mit seiner Frau mit dem Zug in den sonnigen Süden. Die Reise geht über die Alpen, von Berlin über München, Innsbruck, Verona nach Triest. Dabei wird Herrn Winterberg, als Bahnfahrer, auch die historische Bedeutung der Alpenüberquerung auf den Gleisen bewusst. Die Bahnhöfe, hier besonders „Trieste Centrale“ sind Orte der Ankunft und der Abfahrt. Diese zentralen Gebäude sind Sammelpunkte diverser Geschichten. Die Eisenbahn als Verbindungsgleis, die alles überwindet, die Alpen, die Ländergrenzen, nur nicht den Tod.

Alles was Herr Winterberg erzählt ist spannend, schön und wie er selbst zu sagen pflegt: „Traurig, traurig …“ Triest mit seiner Schönheit kann erahnt werden. Herr Winterberg ist besorgt, dass sein Zuhörer, Herr Kraus, zuweilen nicht bei der Sache ist und ruft ihn aus seinen Gedanken. Auch vermischen sich Wahrnehmungen. Denn im Barmann im „Heidelberger Krug“ in Berlin, meint er Pola zu erkennen, der das beste Bier zapfte, doch ist dieser auch bereits schon verstorben, wie Herr Kraus öfters zum Besten gibt.

Eine Begegnung, eine Reise und eine Erzählung, die wunderschön nachdenklich stimmt und sehr berührt.

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Isabelle Autissier: „Acqua alta“

Im neuen Roman von Isabelle Autissier sind es erneut die Lebensbedingungen, die eindringlich beschrieben werden. Nach den lesenswerten Werken „Herz auf Eis“ und „Klara vergessen“ lässt sie wieder das Meer aufleben. In „Acqua Alta“ wirft sie einen Blick in eine mögliche Zukunft und lässt Venedig versinken. Der Titel bezieht sich auf das jährliche winterliche Hochwasser in Venedig. Doch ist es im Roman ein gigantisches Hochwasser und der vermeintliche Schutz hilft nicht mehr. Die Handlung spielt 2021 und ist dennoch zukunftsweisend. Die Schutzmaßnahmen und die Politik versagen und das Festhalten am Tourismus, besonders an der Kreuzfahrttouristik beschleunigt hier das Unvermeidliche.

Die Autorin, die selbst die Weltmeere besegelte, macht stets die extremen Lebenssituationen zu ihren Themen. Neben ihren Romanen sorgte sie 1991 für Furore, als sie als erste Frau allein im Rahmen einer Regatta die Welt umsegelte. Ihre Weltsicht und das Abenteuerliche sind stets ein Teil ihrer Werke. Spannend erzählt Autissier über unsere Gier, Blindheit und Stagnation, ohne dabei zu sehr moralisierend zu werden. Vergleicht man dieses Werk mit den vorherigen, so fällt auf, dass die ersten Romane aus ihr erwachsen sind und sprachlich und inhaltlich in ihr reiften. Das neue Werk liest sich ebenfalls großartig, ist aber mehr dem Herzenswunsch entsprungen, auf unser Verhalten hinzuweisen.

Guido kommt aus einer Familie, die von der Landwirtschaft lebt. Er ist ein handelnder Mensch und kann dann in der Politik Karriere machen. Er möchte Erfolg und Macht erlangen und wird zum wichtigen Wirtschaftsrat Venedigs berufen. Wie es Katrin Seddig in ihrem Roman „Sicherheitszone“ machte, wirft nun Isabelle Autissier eine Familie in die kommenden Ereignisse. Bei Autissier sind es auch Familienmitglieder, die unterschiedliche Sichtweisen präsentieren. Guido lernt Maria Alba kennen, die aus dem venezianischen Adel stammt und weiterhin in der Pracht des ehemaligen Venedigs schwelgt. Die kommende Generation wird repräsentiert von Léa, der Tochter. Léa möchte auf die Veränderungen hinweisen und will die Stadt retten, auch wenn sie sich damit gegen ihren Vater stellen müsste.

Es wird vor dem kommenden Hochwasser gewarnt. Doch Guido vertraut auf die Warn- und Sicherheitsmechanismen. Er denkt stets an den wichtigen Tourismus und macht sogar noch Witze, dass die Gäste dann alle halt in Gummistiefeln ihre Selfies machen können. Doch Venedig wird überschwemmt und die Pfähle und das Mauerwerk können den Gewässern nicht mehr standhalten. Guido wird Zeuge, wie seine Frau in die Fluten gerissen wird. In Folge fährt er als einer der wenigen Überlebenden durch die Ruinen und Kanäle auf der Suche nach seiner Frau und seiner Tochter.

Ein spannender Roman, der uns das Wasser bis zum Hals steigen lässt. Das Szenario wird sehr bildreich eingefangen und der Weg in die Katastrophe glaubhaft beschrieben. Doch lebt der Roman von der Authentizität der Figuren, die uns im Kleinen alle repräsentieren. Der Roman wurde von Kirsten Gleinig aus dem Französischen übersetzt.

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Daniel Mason: „Oben in den Wäldern“

Die Idee ist nicht neu, denn ein Objekt in den Mittelpunkt des Handlungsverlaufs zu stellen gab es schon öfters. Doch die Umsetzung überzeugt in dem Roman „Oben in den Wäldern“. Ein Haus ist Lebensmittelpunkt, Rückzugsort und Heimat. Der Wohnraum ist eines der wichtigsten Fundamente im Leben. Die meisten Gebäude haben eine ältere Geschichte als die Bewohner. Was sind das für Erlebnisse, für Schicksale und wer lebt vor einem in denselben Räumen und nannte es ebenfalls Zuhause? Dies ist die Ausgangssituation für den umfangreichen Roman. Daniel Masson lässt uns teilhaben an Entwicklungen, Veränderungen und blickt dabei in menschliche Abgründe und verweist auf die Vergänglichkeit. Was bleibt am Ende von uns, unseren Leben und Geschichten übrig?

Das Auffällige am Roman ist die verspielte und vorgespielte Authentizität. Es sind zuweilen Briefe, Dokumente und persönliche Berichte. Jede Perspektive bekommt auch ihren individuellen Sprachklang. Um das Zeitgefühl zu erleben, wurden die Begrifflichkeiten und der Sprachgebrauch der jeweiligen Epoche übernommen. Die Handlung kreist um ein Haus in den Wäldern von Massachusetts und reist durch die Zeitgeschichte. Somit ist das damalige Menschenverständnis ein anderes und würde es sprachlich dem gegenwärtigen angepasst werden, würde es den Charakterisierungen der Figuren und der jeweiligen Epochen nicht gerecht werden. Der Roman möchte auf den Wandel aufmerksam machen. Wobei die Zeiten oft nur zu erahnen und doch sehr deutlich ausgearbeitet wurden.

Es beginnt mit einer Flucht aus Liebe. Ein junges Paar flieht aus seiner Kolonie und nach einer langen Wanderung, werden sie in den Wäldern von Massachusetts sesshaft. Eine Frau, deren Dorf von Native Americans überfallen wird, wird verschleppt, wohl um Lösegelder von den weißen Siedlern zu erpressen. Sie wird zu der erstgenannten Frau gebracht, die ihren Mann bereits verloren hatte und mit einem Urbewohner zusammenlebt und die Hütte in den Wäldern bewohnt. Das Religiöse und die Andersartigkeit schüren die Ängste, Beklemmungen und das Misstrauen beiderseits. Das Haus wird in Folge viele Kämpfe erleben. Den Siebenjährigen Krieg und den beständigen Kampf gegen die ursprünglichen Bewohner dieser Regionen. Der Wandel kommt mit den Äpfeln. Eine Bestattung zeigt den Weg des Natürlichen, denn aus einem Begräbnis erwächst in der Natur neues Leben und ein englischer Soldat hat ein Zukunftsbild und beginnt oben in den Wäldern einen wunderbar schmeckenden Apfel zu züchten und anzubauen. Seine Töchter werden lange von der Plantage leben können. So wandert die Handlung durch die amerikanische Geschichte. Die Plantage wird wiederentdeckt und es folgen noch weitere Episoden mit menschlichen und tierischen Begegnungen.

Alles ist vereint durch die Fixierung der Örtlichkeit im Wandel der Zeit. Der Roman erinnert in den anfänglichen Kapiteln an den epischen Roman „Der erste Sohn“ von Philipp Meyer. Der Aufbau des Romans lässt den Vergleich zu dem kolossalen Werk „Das grüne Akkordeon“ von Annie Proulx immer wieder aufblitzen. „Oben in den Wäldern“ überfliegt die Epochen und deren Menschen. Dabei verändern sich die Stimmungen, die Sprache und die Inhalte. Doch ist es stets der Drang, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Dies ist zumindest dem Autor mit diesem Epos gelungen. Übersetzt wurde der Roman aus dem Englischen von Cornelius Hartz.

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Die Werkausgabe von James Tiptree Jr.

Ein Gesamtwerk, das süchtig macht. Wenn man sich auf dieses Leseabenteuer einlässt, ist es ein längerer Vorgang, der aber enorm viel Spaß macht und sich mehrfach lohnt und auszeichnet. Es ist die Frau, die hinter den Werken steht, die begeistert. Als James Tiptree Jr. Ende der 60er-Jahre seine ersten Geschichten veröffentlichte, waren die Literaturwelt und besonders die Leser von Science-Fiction-Geschichten begeistert. Nur ein Mann könne sich so in die Materie einarbeiten und so frech und frei schreiben. Besonders der männliche Blick auf die Frau und das sexuelle Verständnis bestätigte das Maskuline. Als dann das Gerücht aufkam, es könne eine Frau sein, die schreibt, wurde „er“ von Weggefährten verteidigt. James Tiptree Jr. ist das Pseudonym von Alice B. Sheldon, die mehrere Namen annahm, um sich von ihrer eigenen Rolle zu befreien. Natürlich auch, um sich in einem männerdominierten Genre behaupten zu können, denn was wisse ein Frau von technologischer Entwicklung? Natürlich nahm sie auch das Pseudonym an, damit sie eine bessere Chance hatte, verlegt zu werden. Tiptrees Identität faszinierte die Fans und gab Anlass zu Spekulationen, es glaubten alle, sie sei ein Mann und die spätere Aufdeckung war ein Ereignis.

Alice Bradley Sheldon (* 24. August 1915 in Chicago, Illinois; † 19. Mai 1987 in McLean, Virginia, USA) veröffentlichte mit 51 Jahren ihre ersten Erzählungen, die hart, frech und ungewöhnlich waren. Sie selbst hatte ein außergewöhnliches Leben. Sie wächst in einer vermögenden Familie in Chicago auf und verbringt Teile ihrer Kindheit in Afrika. Ihre Mutter ist als Schriftstellerin angesehen und vermittelt ihrer Tochter wohl das Kreative. Denn Alice Bradley Sheldon wird Malerin und Kunstkritikerin. Im Zweiten Weltkrieg tritt sie in die US-Armee ein und arbeitet für die CIA. Später promoviert sie in Psychologie und beginnt zu schreiben. Die amerikanische Journalistin Julie Phillips hat die  Biografie über sie geschrieben, die Teil der Gesamtausgabe ist und unglaublich faszinierend und spannend zu lesen ist.

Das Werk von Alice Bradley Sheldon aka James Tiptree Jr. ist meist der Science-Fiction-Literatur entsprungen. Ihre Texte sind aber von einer Andersartigkeit, Dichte und voller Humor, dass sie über das Genre hinaus verstanden werden können. Auch Kafka schrieb fantastische, skurrile Texte und wird als Klassiker gesehen. Tiptree sollte mit ihren Texten auch so verstanden werden. Denn das Zukünftige und Ferne der SF-Literatur bietet einfach mehr Spielraum und kann das Tatsächliche einfach noch mehr verzerren und überspitzt wiedergeben. Der Humor ist ein trockener und zuweilen schwarzer, denn oft enden die Geschichten tödlich. Bei humorvollen Zukunftsgesängen denkt man an Douglas Adams, der genauso viel Spaß macht, aber dann doch neben Tiptree nicht bestehen bleiben kann, denn sie blödelt nicht nur einfach, sondern vertieft ihr Können in Psychologie, Politik und Literatur. Ihr Debüt war die Geschichte eines Mannes, der im Auftrag der Erde selbst, sich opfert, um die Erde von der Menschenplage zu befreien. Ihre Betrachtungen sind urkomisch, weil sie uns einen Spiegel vorhalten. Sei es in einer Raumfahrtbehörde, wo die pure Bürokratie die Handelsrouten lähmt. Ein Planet, der von uns Terranern als Rennbahnen-Planet an Renntiere der gesamten Galaxie vermietet oder jene Geschichte, die ihren Ruhm ausmachte „Houston Houston bitte kommen!“, in der ein irdisches Raumschiff mit ausschließlich männlicher Besatzung in der Zukunft kurz vor der Erde feststellt, dass sich auf der Erde nur noch Frauen befinden. Sie spielt mit Feminismus in der Rolle als Mann und schreibt Phantastisches, zuweilen auch Abenteuerliches, wie „Quitana Roo“ und spielt mit Wissen und Philosophie. Gleich ihre ersten Geschichten erzeugen eine Faszination. Geschichten, die weit über die Zeit strahlen und eine Gültigkeit haben. Auch ihre Figuren bekommen dies zu spüren, denn eine außerirdische Bestrafung kann eine individuelle Verschiebung der Zeit bedeuten.

Sämtliche Erzählungen sind in sieben Bänden erschienen und sind chronologisch geordnet. Ferner beinhaltet das Gesamtwerk die oben genannte Biografie und zwei Romane. Einen Zusatz gibt es noch in dem Buch „Wie man die Unendlichkeit in den Griff bekommt“. Hier befinden sich, neben ihrer Lyrik, Essays und Briefe. Zum Beispiel der Briefwechsel zwischen James Tiptree Jr. und Ursula K. Le Guin.

Ihre Werke, Texte und Ansichten verändern die eigene Sicht und machen nebenbei unglaublich viel Spaß. An die Schulen gerichtet: Tiptree versuchen, es gibt viel zu besprechen, zu erleben und zu lachen. An alle Lesenden sei der Aufruf gestattet: los, Tiptree lesen!

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Eeva-Liisa Manner: „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“

Es gibt Werke, die über den Verstand aufgenommen, dann aber über den Verstand hinaus erfasst werden. „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“ trägt autobiografische Wahrnehmungen der Autorin und wirkt aus der Zeit gefallen. Alles wird aus der kindlichen Perspektive erzählt und wirkt dadurch zuweilen märchenhaft. Das Sagenhafte trifft durch Kindesaugen auf Realität. Dies verdeutlicht sofort der Anfang. Die Stadt, in der die Handlung angesiedelt ist, kann geografisch und historisch eingeordnet werden und doch wirkt sie durch die Erzählerin in der Zeitwahrnehmung herausgenommen und wie ein geometrisches Werk erbaut.  

Leena ist ein Schulkind und lebt bei ihrer Großmutter. Die Mutter verstarb kurz nach ihrer Geburt und der Vater, ein Trunkenbold, sagt man, verschwand und gründete eine neue Familie. Leena ist verträumt und sieht die Welt mit besonderen Augen. In ihr ist eine Traurigkeit, die sich durch das Unverständnis und die Einsamkeit erklärt. Die Großmutter kann sich ihr nicht öffnen, gibt wenig Liebe und erzieht das Mädchen streng religiös. In der Schule wird sie oft von der Lehrerin drangsaliert und gibt Leena auch eines Tages einen Brief mit der Aufforderung, die Erziehungsberechtigten mögen Kontakt mit der Lehrerin herstellen, da Leena aus deren Sicht starrsinnig und faul sei. Leena liest den Brief und ihr Schmerz vergrößert sich. Sie sucht, wie immer, Zuflucht in der Natur. Besonders das Wasser zieht sie stets magisch an. Das fließende Element ist ein Sprudel an Klärung und Musik für sie. Sie lässt den Brief wie einen Vogel los und danach passiert es, sie fällt und wacht später wieder auf und meint, im Himmel zu sein. Doch ist es ein Mediziner und sie habe wohl die Fallsucht. Durch die Erkrankung bleibt sie einige Tage der Schule fern und dadurch lenkt sie erneut durch das unentschuldigte Fehlen die Aufmerksamkeit der Lehrerin auf sich.

In Leenas Welt trennt sich die Wahrnehmung von Realität. Als Leena später durch die Stadt geht, wird eine Straße zu einer Himmelsbrücke und der Weg führt sie zu einer katholischen Kirche. Hier hört sie zum ersten Mal die Musik von Bach und sie ist sehr berührt. Die darauffolgenden Gespräche mit der Nonne und dem älteren blinden Mann, der die Orgel gespielt hatte, sind der Wendepunkt.

Kindheitserinnerungen und Wahrnehmungen sind der Antrieb für diesen Roman. Die kindliche Perspektive wirkt auf den Lesenden ein und erzeugt emotionsvolle Bilder und Gedanken. Der Roman berührt durch seine feinfühlige, märchenhafte und poetische Sprache. Die Handlung und der Sprachklang erzeugen eine Stimmung die wunderschön traurig ist. Der Roman wurde aus dem Finnischen von Maximilian Murmann übersetzt.

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