Ein Roman wie ein Gedankenspiel, das den Leser in seinen urbanen Bann zieht und sehr gekonnt vom Existenziellen erzählt.
Der Roman handelt von einer starken Frau, Marianne, die sich lieber Marian nennt, um nach einer Frau von Welt zu klingen. Sie ist eine emanzipierte Frau, die viele üble Männer als Partner hatte und Mode für selbstbewusste Businessfrauen ohne viel Schnickschnack entwarf. Sie war eine gefragte Modedesignerin, die ein Luxusleben führte.
„Geld war abstrakt, etwas, das man umso leichter gab, je weniger man dafür bekam, je unexistenzieller, desto leichter.“
Anfänglich nimmt Marian die Weltwirtschaftskrise nicht ernst. Sie empfindet diese selber als eine ferne unreelle Wirtschaftsblase, die sie nicht berührt. Doch nach einem kleinen Aufschwung, verliert sie alles. Denn selbst die Stars, die sie bekleiden durfte, legen wie alle vermögenden Menschen ihr Geld lieber in Immobilien an und kaufen bewusster ein. Mode wird Stangenware und die vielen Kontakte und Freunde sind die Facebook-Seifenblase, die zerplatzt und Marian, die auf falsche Finanzberater hörte, steht für sich alleine da.
Sie zieht in das Haus ihrer verstorbenen Tante in einer ländlichen Provinz, nahe der Voralpen. Das Haus hatte eigentlich Marians Tochter geerbt, für die sie nie eine echte Mutter war. In diesem Haus muß sie lernen sich mit der Natur zu arrangieren. Sie lebt von der Hand in den Mund. Von den Dörflern wird sie sehr misstrauisch in die Gemeinschaft aufgenommen. Gerade die moderne Welt verlassen, tritt Marian in ein Umfeld, das sich seit der Gutsherrenzeit wenig verändert zu haben scheint.
„Man ist am Land anders befreundet als in der Stadt. Vor allem ist man anders verfeindet, konkreter, ernsthafter, konsequenter, körperlicher.“
Als Sie von dem Landbesitzer Franz beim Wildern erwischt wird, beginnt eine befremdliche Beziehung zwischen beiden. Er zeigt sie nicht an, sondern zerlegt für sie das Wild und versorgt sie seitdem mit den nötigsten Lebens- und Haushaltsmitteln. Dafür hat sie einen hohen Preis zu zahlen. Stillschweigend gibt sie ihm, der eigentlich verheiratet ist, für seine Unterstützung körperliche Nähe und Sex. Durch diese schräge, unromantische Beziehung macht sie sich in der Nachbarschaft viele Feinde. Neben dem Fischen hat sie gelernt sich zu nehmen, was sie braucht, hier und dort klaut sie Maiskolben oder Hühner.
Ein Roman, der das Luxusleben gegen die Selbstversorger-Sehnsucht und gebildeter, aber einfacher Gutverdiener aufzeigt. Keine Aussteigerromantik, kein Leben in der Natur aus Überzeugung, etwa aus ökologischen Motiven, sondern aus wirtschaftlicher Not. Marian tut nichts unüberlegt. Sie lebt komplett in ihren Grübeleien und blickt viel zurück. Ihre Gedanken und somit die des Lesers sind stets in regem Fluß…
Ein tolles Buch mit einem unheimlichen Ton, der sich beständig wiederholt und dadurch verstärkt. Ein Buch, das man lange nach dem Lesen in sich tragen kann. Ein eindringlicher Text, der uns zeigt, was wir brauchen, was wir letztendlich sind und, was von uns übrig bleiben kann…











