
Ein Roman voller Eleganz, Witz und britischem Charme. Wenn man das Buch liest, taucht man ganz in eine Jane Austen-Welt ein, die viel „Downton Abbey“ –Flair versprüht. Am Ende ist man immer noch ganz von der anderen Zeit benommen und erwacht in der Gegenwart, in der das soeben erzählte immer noch Aktualität besitzt. Angel ist die Geschichte von Angelica Deverell, die am Anfang des 20. Jahrhunderts in England aufwächst und sich als große Autorin berufen fühlt. Sie als freudloser, humorloser und ungebildeter Mensch macht später auch Karriere, verliert sich aber immer mehr in ihrer erträumten Welt.
Angelica, kurz Angel genannt, lebt mit ihrer Mutter in einer englischen Kleinstadt. Das Leben empfindet sie als trostlos. Ihre Mutter hat einen kleinen Lebensmittelladen, über dem sie wohnen und die Tante arbeitet als Zofe. Angel fantasiert über ein Leben in dem prächtigen Anwesen Paradise House und erzählt davon prahlerisch ihren Mitschülern. Dies macht sie zu einer versponnenen Außenseiterin. Ihre eigenen Vorstellungen der Welt sind reine Traumbilder, die Nahrung in den Berichten ihrer Tante finden. Angel wird immer mehr gemieden und wird oft dem Spott ausgesetzt, der sich auch auf die Mutter ausbreitet. Als Angel erkrankt, erinnert sie sich an den Moment, wo sie am glücklichsten war. Dies war, als sie einen Aufsatz für die Schule schreiben sollte. Das Schreiben und das Fixieren ihrer Fantastereien füllt ihren Tag und sie bricht die Schule ab und widmet sich als Fünfzehnjährige ganz dem Schreiben. Dabei wird sie immer ehrgeiziger, eitler und ignoranter. Sie selbst liest keine anderen Autoren, empfindet diese meist als nichts sagende Schreiberlinge. Shakespeare nennt sie später mal ziemlich gut, wenn er nicht versuche humorvoll zu sein. Denn Humor besitzt sie selbst gar keinen.
Sie hat von der Welt keine Ahnung und schreibt voller Klischees, in denen sie selbst gänzlich aufgeht. Dennoch findet sie einen Verlag, der ihr Werk druckt. Die Kritiker zerreißen Ihre Werke, ihre Sprache und Weltanschauung. Aber das überbordende Buch findet seine Leser und sie macht als Autorin Karriere.
Ihr Leben ist lieblos und fad. Daher werden ihrer Bücher immer bunter und ausladender. Sie kann aber selbst nichts genießen. Als sie zum ersten Mal Wein trinkt, gibt sie zu, dass sie auch an diesen keine Erwartungen hatte. Sie will Ruhm und ein Leben führen, wie ihre Figuren. Doch kann sie selbst ihr Leben nicht füllen und sie wird nie richtige Literatur erzeugen. Sie verbannt jegliche Welterfahrung und meint dennoch weltklug zu sein. Angels Mädchentraum wird annähernd war und auf der Höhe ihrer Triumphes verliert sie immer mehr den Bezug zur Realität.
Es reichen wenige Sätze und Szenen um den Leser für dieses Buch zu begeistern. Ein unterhaltsamer, kluger, tragischer und humorvoller Roman über eine schlecht schreibende, anspruchslose und ärmliche Autorin. Das Werk von Elizabeth Taylor zeigt, was große Literatur sein kann, nämlich ihre eigene.

In der Flut an fantastischen Romanen ist dies eine frische Überraschung. Bernd Desinger studierte deutsche Sprache und Literatur und war viele Jahre am Goethe-Institut beschäftigt. Jetzt leitet er das Filmmuseum in Düsseldorf. Daher ist es keine Verwunderung, dass er seine Geschichte sehr sprachgewaltig, spannend und stimmungsvoll erzählt. Ein märchenhafter, schöner Fantasy- und Abenteuerroman. Band drei „Die Runde der Raben“ und somit der Abschluss der Saga erscheint im Frühjahr 2019.

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Die See: ein Spiegel des Himmels und der Wolken. Mal blau, grün und immer wieder anders. Die Gewässer sind mal ruhig, anschmeichelnd oder aufbrausend und stürmisch. Das Meer kann ganz still sein, dann aber auch brüllen und Meter hohe Wellen gegen Land oder Schiff werfen. Die See ist gleich dem Wind: ein Freund oder auch ein Feind. Der Blick auf das Meer beruhigt und weckt Sehnsüchte nach Ferne oder Abenteuer. Man fühlt sich der Natur ganz nah und wird sich seiner geringen, menschlichen Größe bewusst. Denn dem Meer ist der Mensch, der es befährt, letztendlich egal. Alle sind auf hoher See gleich und abhängig von der Gunst der See. Dieser in uns allen bewusste oder ruhende Respekt wird dem Seemann täglich abverlangt.



