„Neue Prosa aus Schleswig-Holstein“

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Wie kann man sich schnell eine gute Übersicht an neuen und unbekannten Autoren verschaffen? Für mich als Buchhändler ist es eine Fülle an Texten und Werken, die mir vorgeschlagen werden. Besonders junge oder und unbekannte Autoren haben es schwer, sich in dieser Flut an Neuerscheinungen zu behaupten und entdeckt zu werden.

Wie kann man diese Autoren unterstützen und möglichst vielen Lesern zugänglich machen? In dieser Position sieht sich auch jeder Verlag sowie die Kulturträger einzelner Regionen. Besonders die Literaturhäuser laden oft zu Lesungen und Veranstaltungen von sowohl bekannten als auch noch unbekannten Autoren ein. Oft neigt man dazu, die Verlagsvorschauen oder die Veranstaltungskalender nach für sich bekannten Autoren zu durchsuchen. Einen Text, einen Roman zu lesen von einem unbekannten Autor ist für manche Leser eine kleine Hemmschwelle.
Der Rotary Club Mittelholstein hat erstmalig 2015 in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Schleswig- Holstein und dem Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel einen Kulturpreis für Neue Prosa in Schleswig- Holstein ausgeschrieben.

Jetzt ist eine Anthologie dazu erschienen, für die die Jury acht der eingereichten Texte ausgewählt hat. Diese Sammlung mit dem Namen „Neue Prosa aus Schleswig-Holstein“ beinhaltet Texte von Christopher Ecker, Andreas Fehler, Alexandra Göpfert, Olaf Koch, Birgit van der Leeden, Ole Petras und Uwe Warrach. Ferner befindet sich im Buch auch die mit dem Kulturpreis ausgezeichnete Erzählung »Ein alter Falter« von Svenja Leiber.
Einige Texte lesen sich sehr emotional und klug und sind in einer anspruchsvollen Sprache geschrieben. Es macht Freude in diesem Band zu lesen, zu blättern und neue Autoren für sich zu entdecken.
Nicht alle Erzählungen und Fragmente werden einem gefallen, denn ab und zu wirkt es etwas gewollt und sehr verkopft, aber im Großen ist eine tolle Auswahl getroffen worden, die auf Folgebände dieser Art hoffen lässt.

Ergänzt wird der literarische Teil durch vier Essays von Sara Dušanić: „Der untote Autor. Überlegungen zur Renaissance der Schriftstellerfigur“, Jochen Missfeldt: „Neue Prosa gesucht oder Abenteuer des Schreibens“, Wolfgang Sandfuchs: „Literaturland Schleswig-Holstein. Kein Paradies für neue Autoren“ und Ruth Benders Laudatio zur Verleihung des Preises „Neue Prosa“.

Die Anthologie gibt es in der Buchhandlung Almut Schmidt

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Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit“

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Der neue Roman von Benedict Wells ist wohl sein tiefgründigster, der sich mit dem Kern, dem Wesenskern des Menschen beschäftigt. Was ist das Selbst und woher kommt es, ist es ein Gedankenkonstrukt oder gibt es in uns etwas Unzerstörbares? „Das Selbst muss gebrochen werden, um Selbst zu werden.“ schrieb bereits Kierkegaard, der ebenfalls in diesem Roman zitiert wird. Wir kommen auf die Welt und werden geprägt von unserer Umwelt, den Eltern oder Erziehern, von Schicksalsschlägen, Bildung und den Erfahrungen, die wir sammeln. Aber was ist es, was uns wirklich ausmacht?

Der Roman beginnt in der Gegenwart des Erzählers, Jules, der nach einem Motorradunfall in der Klinik aufwacht. Der Tod ist stets gegenwärtig und ein beständiger Begleiter in dem Rückblick, den Jules nun erzählt. Sein Bericht endet und beginnt an einem Abgrund. Über dieser Untiefe liegt ein glitschiger alter Baum, den er als Kind ohne Furcht als Brücke benutzt hat. Je mehr Bewusstsein in ihn einkehrt und der Verlust ihn das Ängstigen lehrt, wird diese Leichtigkeit in seinem Leben immer geringer und es ist ein langer Weg für Ihn, diese Barriere erneut überwinden zu können.

Das drohende Unheil zeigt sich bereits während eines Familienausfluges als ein kleiner Hund beim Herumtollen am Fluss von der Strömung mitgerissen wird. Dies ist die erste Begegnung mit Trauer, Verlust und Tod und ein zentrales Bild der Handlung. So werden auch die drei Geschwister Jules, Marty und Liz vom Lebensstrom mitgerissen und jeder für sich treibt allein in seiner Welt. Doch liegt es an Ihnen zu lernen, dass sie ihre Einsamkeit nur gemeinsam überwinden können. Denn die Eltern verunglücken tödlich durch einen Verkehrsunfall. Die Kinder, die nicht mitgereist waren, werden in ein Internat geschickt. Hier trennen sich immer mehr ihre Wege. Liz möchte das Leben gierig auskosten, während Marty sich in seinen virtuellen Welten der Computerspiele verliert und stets Black-Metal hört. Jules, früher eher der Kasper und frei von Angst, wird ein Träumer und stiller Beobachter. Nur Alva, eine Klassenkameradin, nähert sich Jules und eine innige Freundschaft verbindet die Beiden. Doch auch Alva scheint ihre Probleme zu haben und mag nicht alles erzählen. Daher verlieren sie sich bereits als Jugendliche vorerst aus den Augen.

Jules hat damals von seinem Vater eine gute analoge Kamera geschenkt bekommen. Da die letzte Erinnerung an seinen Vater ein Streit war, empfindet Jules eine Schuld und versucht sich als Fotograf. Seine Leidenschaft zur Literatur gibt er auf, bleibt aber als Fotograf erfolglos. Marty dagegen wandelt sich vom „Nerd“ zu einem erfolgreichen Manager und Ehemann. Doch kann er nur bedingt seine Ticks und Zwangshandlungen verbergen. Liz bleibt die unruhige Frau, die alles in sich einsaugt und erleben möchte, die dann aber doch den Boden und den Halt im Leben verliert.

Jules, der immer an Alva denken muss, wobei ihr letztes Treffen als Jugendliche schmerzhaft war und sich auch zukünftig immer schwierig gestaltete, nimmt erneut Kontakt zu ihr auf. Sie lebt in der Schweiz und hat einen viel älteren Mann geheiratet, den sie beide als Jugendliche vergöttert hatten. Es ist der Schriftsteller Alexander Nikolaj Romanow, der nun als demenzkranker Mann, eine entscheidende Rolle für beide spielt. So keimt nach vielen Jahren so etwas wie Geborgenheit in ihnen auf. Die unterschiedlichen Geschwister und deren Familien wachsen immer enger zusammen, auch wenn sie sich niemals aus den Augen verloren hatten. Sie können die verlorene Zeit nie zurückgewinnen. Aber sie erfahren die Zeit als eine emotionale Kurve, die nicht kontinuierlich verlaufen muss. Ereignisse aus der Vergangenheit, haben oft eine größere Bedeutung im Leben eines einzelnen als das, was sich gerade in der Gegenwart um einen herum abspielt. Ist der Umstand, der Grund der Traurigkeit, des Verlustes und der Einsamkeit erkannt, kann man daran und an sich arbeiten und erkennt, dass Geborgenheit ein wichtiges Heilmittel sein kann. Der Anfang vom Ende der Einsamkeit…

Trotz der Schwere der Thematik und der beständigen Melancholie schreibt Wells mit einer Leichtigkeit. Es geht um sich finden und um Verlust, Trauer und die Frage, was in uns Menschen unveränderlich ist. Ein Entwicklungs- und Liebesroman, der große Themen unterhaltsam anspricht und vermittelt.

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Peter Stamm: „Weit über das Land“

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Ein Mann der einfach geht. Wie bei Max Frisch verschwindet jemand einfach aus dem alltäglichen Familienleben. Der Auslöser zeigt sich metaphorisch gleich zu Beginn des Werkes. Es sind die Büsche, die tagsüber im Licht in einem lebendigen Grün stehen. Wenn aber das zentrale Gestirn verschwindet und die Schatten länger werden und die Farben verklingen und alles trist und grau wird, nehmen die Büsche Formen von Mauern, von Verliesen an, die den Protagonisten einschnüren, und als unüberwindbar erscheinen.

Die tragenden Rollen in diesem Roman sind Thomas und Astrid. Sie und ihre Kinder sind gerade aus dem Sommerurlaub aus Frankreich heimgekommen. Die Koffer und Taschen sind noch nicht ausgepackt und die Kinder quengeln. Nach dem Abendessen sitzen Astrid und Thomas im Garten und haben sich jeder ein Glas Wein eingeschenkt. Als der Sohn immer unruhiger wird, trinkt Astrid ihren Wein aus und bringt die Kinder zu Bett. Danach beginnt sie die Taschen auszupacken. Thomas schaut in den Garten und lauscht den Geräuschen der Natur, stellt sein volles Weinglas ab und geht in den Wald. Astrid merkt erst am folgenden Tag, dass ihr Mann nicht neben ihr geschlafen hat. Thomas geht, in sich erstaunt lächelnd immer weiter… Er stellt sich vor, wie Astrid reagiert. Wie sein ungetrunkener Wein noch auf dem Gartentisch steht. Astrid stolpert in ihre Routine, als wäre nichts passiert. Den Kindern erzählt sie, Thomas sei schon früh zur Arbeit gefahren. Sie fragt bei der Sekretärin nach, ob Thomas denn eventuell wirklich schon im Büro sei. Später wiederum erzählt Astrid dieser, Thomas sei krank, als diese nachfragt, warum er nicht zur Arbeit gekommen ist. So verstrickt sich Astrid in ihre Geschichte und speist alle ab, die dann auch immer weniger nachfragen. Selbst die Kinder werden immer gleichgültiger. Astrid fragt sich, wohin er gegangen sein könnte, wann und ob er wiederkommt? Kannte sie Thomas überhaupt und lebt er noch?

Thomas wandert auf niederste Bedürfnisse reduziert. Seine Einsamkeit in der Natur scheint ihm aber gutzutun. Seine Wanderung durch die Bergwelt und die Dörfer steht der Einsamkeit der verlassenen Hausfrau gegenüber. Die Handlung und der Erzählstrang pendeln zwischen den beiden. Spannend sind diese Gedanken und Gefühlswelten der beiden Protagonisten. Ihre Vorstellung des Verbleibs des anderen und dessen dadurch ausgelöste Stimmung. Die Handlung bietet Wandlungen und bleibt stets fesselnd und faszinierend.

Ein großes Thema ist die Sprachlosigkeit und die Frage nach Verbundenheit. Was bedeute Bindung? Als Leser bleibt man stets außen vor, ist stiller Betrachter dieses Ausbruches einer existentiellen Krise. Die ländliche Idylle als lichtvolles Bild in Resonanz mit dem verleumdeten Alleingelassensein. Die Sprache deutet ebenfalls diese Distanz an. Sie ist kühl, knapp und klar strukturiert. Doch bleibt immer eine kleine Leere und etwas Unheimliches. Es sind die Gefühlsströmungen der Protagonisten, die fesseln. Der Ehemann, der einfach verschwindet und sich seiner Verantwortung entzieht und ausbricht aus seiner empfundenen Enge. Aber was treibt ihn an, was bewegt sie und was bindet beide? Der Roman stellt die puristischen Fragen nach den Lebensträumen, nach Verlusten und dem eigenen Leben.

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Siegfried Lenz: „Der Überläufer“

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Ein neuer, alter Lenz. In der ersten Fassung von 1951 lautete der Arbeitstitel noch: „…da gibt´s ein Wiedersehen“. Es ist ein Antikriegsroman, die Geschichte eines Wehrmachtssoldaten, der im letzten Kriegssommer zur Roten Armee überläuft.

Siegfried Lenz verstarb 2014 und hatte vor seinem Tod noch eine kleine Erzählung beenden können. Dies dachte man, sei wohl seine letzte Veröffentlichung. Doch Günter Berg, sein damaliger Verleger, jetziger Nachlassverwalter und Vorstand der Lenz-Stiftung, findet einen Roman. Dies ist der zweite Roman von Lenz und wird erst jetzt verlegt. Der Verlag hatte große Hoffnungen in dem jungen Autoren. Lenz stürzte sich nach einem kurzen Urlaub mit seiner Frau und nach seinem ersten Roman „Es waren Habichte in der Luft“ sofort auf die Arbeit an seinem zweiten Werk.
Es wurde ein sehr persönlicher Roman, den er auch auf Wunsch des Verlages und dessen Berater überarbeitete. Doch wurde dieser dann doch abgelehnt und nicht verlegt. Der Verlag traute sich nicht diesen Text zu Zeiten des beginnenden Kalten Krieges zu drucken. Es war die Sorge der Geister jener Zeit. Lenz war nicht der Kämpfer, er gab auf und sah diesen Roman, der später den Titel „Der Überläufer“ trug, als Übung eines jungen Autors an. Doch ist dies viel mehr als eine Übung. Lenz hat wohl diesen Text dem Verlag nie wieder angeboten.
Das Buch wird sich nun behaupten und eingehen in den Reigen der großen Werke der Nachkriegsliteratur.

Wir lernen im Roman den Soldaten Walter Proska kennen, der gleich Lenz aus dem masurischen Lyck stammt. Vieles, das Lenz wohl persönlich erlebt hat, wird die Anregungen zu der Geschichte von Proska gegeben haben. Walter Proska kehrt nach seinem Heimaturlaub zurück zu seiner Kompanie. Der Zug, mit dem er zurück an die Front reist, erlebt einen kleinen Stopp, um mit Wasser befüllt zu werden. Während dieser kleinen Pause lernt er die Polin Wanda kennen, die ihn bittet, sie eine kleine Weile mitreisen zu lassen. Doch stellt sich heraus, das sie zu den Partisanen gehört, die Angriffe, Überfälle und Anschläge auf die Truppen und den auf diesen Gleisen fahrenden Zügen verüben. Sie entkommt kurz bevor der Zug in die Luft gesprengt wird. Proska, als einziger Überlebender, strandet bei einer kleinen Einheit, die die Zuglinie sichern soll. Diese kleine Gruppe verschanzt sich in einer selbstgebauten Waldfestung „Waldesruh“. Sie patrouillieren die Strecke und stehen einer großen Überzahl an Partisanen gegenüber. Daher vermeiden sie zu große Aufmerksamkeit. Es ist ein verlorener, sinnloser Posten, der abgeschnitten und vergessen wirkt. Der Kommandant ist ein lebens- und menschenverachtender Mann, der aus einer Laune heraus schikaniert und tötet. Nach einem weiteren Wiedersehen mit Wanda, dem polnischen Partisanenmädchen, geht diese Proska nicht mehr aus dem Kopf. Seine Kameraden werden durch den Sumpf, der Einsamkeit und der leeren Gewalt fast wahnsinnig und verlieren sich im äußeren und inneren Kampf. Der eine verliert seinen klaren Verstand beim Zweikampf mit einem Hecht und ein anderer verliert sein Leben beim abkühlenden Bad im See.

Es sind die Gespräche mit dem kleinen, grüblerischen Kameraden, den alle nur Milchbrötchen nennen, die Proska nachdenklich werden lassen. Was ist Deutschland? Wer oder was ist das? Was ist dieser Krieg? Was bedeutet Leben und Freiheit? Was ist wichtiger: Pflicht oder Gewissen?
Milchbrötchen und Proska beschließen die Seiten zu wechseln. Der Roman schließt mit dem Anfang, in dem Proska nach dem Krieg einen langen Brief an seine Schwester geschrieben hat. Seine Schwester sucht per Aushang am Bahnhof nach ihrem Mann, nicht ahnend, dass dieser tot ist und ihr eigener Bruder damit zu tun hatte. Doch hat dieser Brief ein ähnliches Schicksal wie dieser Roman, er bleibt vom erhofften Leser ungeöffnet…

Ein großer Roman, ein Antikriegsroman, der den Krieg mit all seinen Schrecken und seiner Sinnlosigkeit zeigt.

Eine tolle Wiederentdeckung und somit schon eine Sensation.

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Leseschatz-TV

Leseschatz 5

Ich stelle folgende Titel vor:
„Ein Brautkleid aus Warschau“ von Vekemans, Lot
„Kommt ein Pferd in die Bar“ von Grossman, David
„Sie suchen die Sonne“ von Hanewinkel, Christian
„Neringa“ von Moster, Stefan
„Der Pfau“ von Bogdan, Isabel
„Auch das wird vergehen“ von Busquets, Milena
„Never Say Anything“ von Lüders, Michael
„Der Grund“ von Canal, Anne von
„Luxurias Glück“ von Schöttke, Henning
„Schmale Pfade“ von Greenway, Alice
„Das Mädchen mit dem Fingerhut“ von Köhlmeier, Michael

Nick Cave, Bargeld und 100 Jahre Dadaismus

Sherlock Holmes

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Lot Vekemans: „Ein Brautkleid aus Warschau“

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Der Roman „Ein Brautkleid aus Warschau“ ist in drei Teile eingeteilt. Aus drei Perspektiven verfolgen wir die Geschichte einer Frau und zwei Männern, die jeder für sich eine Lücke im Leben verspüren, eine Leere durch zu wenig Liebe.

Die Autorin, Lot Vekemans, schreibt seit 1995 Theaterstücke und hat nun ihr Romandebüt vorgelegt. Ihre Stücke wurden an mehr als 30 deutschsprachigen Bühnen erfolgreich aufgeführt. Ihr Debut liest sich sehr flüssig und verwebt die drei Perspektiven, die eine bewegende Geschichte erzählen, sehr kunstvoll. Alle Charaktere im Roman wollen stets das Beste, doch das Ergebnis ihres Handelns verwebt die anderen schicksalshaft in ihren eigenen biografischen Verlauf.

Es beginnt mit der Geschichte von Marlena. Sie ist Mitte zwanzig und lebt in Polen auf dem platten Land. Zum Leidwesen ihrer streng katholischen Eltern ist sie immer noch ohne einen Ehemann. Als die ganze Familie und die Nachbarn von einem Papstbesuch heimfahren, halten sie auf Wunsch der mitgereisten Nachbarn bei einem Hotel, dessen Küche amerikanische Hamburger anbietet. Hier begegnet Marlena Natan, einem Journalisten aus Amerika, der in Polen Urlaub macht, um die Geschichte seiner Familie zu recherchieren, die durch die Nazis in Polen umgekommen zu sein scheint. Sie verlieben sich und Marlena hat endlich das Glück zu lieben und geliebt zu werden. Sie bekommt durch Natan eine Arbeit als Küchenhilfe in dem Hotel, in dem sie sich kennengelernt haben. Der Besitzer ist Szymon, der Cousin des Vaters von Natan. Unerwartet muss Natan aber abreisen, er erzählt Marlena, seinem Vater würde es sehr schlecht gehen. So reist er nach Amerika ohne zu wissen, dass sie von ihm schwanger ist.

Ein uneheliches Kind in der katholischen Familie ist undenkbar und somit soll Marlena zwangsverheiratet werden. Sie flüchtet mit Hilfe einer Ehevermittlungsorganisation nach Holland. Dort lernt sie Andries kennen. Andries ist Landwirt und hat durch einen tragischen Unfall seine Frau verloren. Seine Schwester hat ihn überzeugt, eine neue Frau für sich und den Hof zu suchen. Seine Bedingung für die Ehe ist, dass er das Kind adoptiert und der Vater für den Jungen wird. Andries ist ein stiller Mensch, der mit dem Hof und seinen Tieren sehr verbunden lebt. Er sucht auch keine körperliche Nähe, sondern eine Frau, die Liebe und Leben in sein Leben bringt. Seine Stille läßt ihn anfänglich einfach wirken, doch im zweiten Abschnitt lesen wir seine Geschichte und lernen seine Beweggründe, Gedanken und Emotionen kennen. Marlena nimmt die Krankheit ihrer Mutter als Anlass um Holland wieder zu verlassen und reist nach Jahren zurück nach Polen. Mit ihr reist ihr Sohn.

Andries, der vor dem Gesetz der Vater des Jungen ist, hat über seine Gefühle nie geredet, doch jetzt, als ihm sein Sohn genommen wird, bricht er auf, um ihr nachzureisen. Will er seine Frau oder nur seinen Sohn zurück?

Die dritte Geschichte wird von Szymon erzählt, bei dem Marlena erneut vorerst einzieht. Auch ihn bewegen große Gefühle und er hatte vor Marlenas Weggang eine entscheidende Rolle…

Eine großartige, berührende Geschichte von Menschen, die durch ihr Handeln und den dadurch entstehenden Schicksalslauf unglücklich werden und darüber nicht wirklich sprechen können…

Ein schöner, sehr bewegender Roman.

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Isabel Bogdan: „Der Pfau“

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And now for something completely different…

Am Sonntag habe ich „Der Pfau“ gelesen und danach einfach bei Facebook über meinen Leseeindruck folgenden Satz geschrieben: “…verspricht britischen Humor. Darauf hatte ich Lust, aber gelesen habe ich eher Ohnesorg-Theater…“ Mein Satz hat doch wohl für „Stimmung“ unter meinen Lesern gesorgt. Daher muß ich mich wohl erklären. Ich gebe zu, es kann an mir liegen – aber wozu ist die Literatur da? Sie kann gleich jeglicher Kunst nur anregen, was im Betrachter vorhanden ist oder aufgenommen werden kann. Ein gutes Buch sollte die Emotionen oder den Verstand des Lesers packen, wenn nicht sogar fesseln. Bei mir hat der arme Pfau nur einen Hauch von Unterhaltung hinterlassen.

Die Autorin ist auch keine Unbekannte, sie hat für viele tolle Übersetzungen gesorgt. Auch hat die liebe Caterina von „SchöneSeiten“ einen ganz anderen Leseeindruck vom Buch gewinnen können.

Das Buch verspricht durch die schicke Aufmachung und den Umschlagstext eine subtile Komödie und zieht den Vergleich zu der Serie „Fawlty Towers“ von John Cleese. Die Handlung spielt in ländlicher Idylle am Fuße der schottischen Highlands. Lord McIntosh vermietet Zimmer seines Herrenhauses, um die Instandhaltungskosten zu erwirtschaften. Das ärmliche Haus hat wenig zu bieten, ist aber wegen der Lage und Abgeschiedenheit gefragt. Es gibt auch viel Getier auf dem Hof, wobei eine Gruppe von Pfauen die Naturverbundenheit der McIntoshs symbolisieren soll. Der arme Held des Buches, der verrückt gewordene Pfau, geht auf alles los, was blau ist. Neben Mülltüten und Spielzeugen hat er es auch auf das Auto der Hausherrin abgesehen.

An einem Wochenende reist eine vierköpfige Abteilung einer Bank nebst Chefbankerin und einer eigenen Köchin an. Mit dabei ist eine Psychologin für die geplante Teambuilding-Maßnahme. Doch jedes Teamseminar mit der eigenen Chefin kann sich fraglich gestalten. Alle Pläne werden allerdings durch den Pfau durcheinander geworfen. Als der wohl liebestolle Pfau in dem blauen Wagen der Chefin einen Liebeskonkurrenten wittert, geht er auch auf dieses Auto los. Zum Glück vorerst unbeobachtet von der angereisten Gruppe. McIntosh hat nun doch Angst um seinen Ruf und tötet den armen Pfau. Um die Gäste aber mit dem Anblick eines toten Tieres zu schonen, wird der Leichnam im Wald versteckt. Dummerweise apportiert aber am folgenden Morgen der Hund der Chefin den Vogel und legt ihn ihr zu Füßen. Diese will nun wiederum nicht, daß die Gastgeber mitbekommen, daß der Hund einen Pfau gerissen hat und will nun wiederum ihrerseits das Tier verschwinden lassen. Vorerst weiht sie nur einen aus der Gruppe ein. Aber die Kreise ziehen sich bis zur Köchin und deren Kochkünsten… Die Frage wird, was wurde gekocht – Pfau, Fasan oder Gans ? – Ein Karnivoren-Witz? Als dann noch der Wintereinbruch die Abreise verzögert und eine Gans verschwindet, ist das kleine Tohuwabohu perfekt und das Team muß jetzt an sich arbeiten…

Neben den Teambuilding-Maßnahmen verstricken sich nun alle in ihre Geschichte und man verfolgt aus diversen Perspektiven die Bemühungen der Menschen und sogar der Tiere.

Das Buch hat augenscheinlich seine Wurzeln in der britischen Komödie. Auch wird das „Eishaus“ aus einem bekannten Krimi erwähnt, doch dient dies lediglich als Unterschlupf.

Der Stil und die Geschichte haben mich nicht überzeugen können. Am witzigsten war das Buch für mich, als ich mich an eine eigene Situation erinnerte. Während des Seminar-Wochenendes soll das Team eine Hütte bauen und Bilder malen. Jeder der Banker soll ein Schiff malen, das die Bank darstellt, und sich dorthin setzen, wo derjenige sich selber auf diesem Schiff sieht. Ich hatte mal ein Vorstellungsgespräch bei einer großen Buchhandelskette in Hamburg und sollte ebenfalls so ein Bild malen. Ich habe nach Stockmar Wachsmalern gefragt und habe einen Wald mit Eurythmie-„tanzenden“ Buchhändlern gemalt… Das kam nicht wirklich sehr gut an, aber während ich „Der Pfau“ las, habe ich mich daran erinnert und musste lächeln.

Das Buch spielt mit Klischees. Die Banker sind leicht versnobt und können sich mit der Natur vorerst nicht anfreunden. Die störrische Chefin tritt als erstes in Vogelkot und stellt anfänglich ihre Location-Auswahl für das Seminar in Frage, aber am Ende verspürt sie doch eine Hingezogenheit zum Landleben. Mich erinnerte wirklich die ganze Handlung an ein deutsches „Lustspiel“, eine Komödie die temporeich ist, aber ständig das offensichtliche erneut erklären möchte. Ein Buch mit einem typischen Durcheinander und diversen Perspektiven – man sieht auch mal aus den Augen des Hundes…

Die Haptik des Buches hat mit wirklich an einen Pfau erinnert. Ein schönes handliches Format und eine ansprechende Illustration. Doch beim näheren Betrachten hat der Pfau schnell sein schönes Rad vor mir versteckt… Schade!

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Michael Lüders: „Never Say Anything“

Beck Never Say Anything

Ein spannender Thriller, der mit der Macht der Medien, der Auseinandersetzung mit den Geheimdiensten und der Moral spielt. Ein kluger, komplexer Spannungsroman, der ganz aktuelle Themen beinhaltet. Wie bereits in dem vorangestellten Hinweis im Buch erwähnt wird, ist dies eine frei erfundene Geschichte. Ähnlichkeiten zu tatsächlichen Begebenheiten und realen Personen sind nicht beabsichtigt, ergeben sich aber möglicherweise zwangsläufig.

Michael Lüders ist Autor und Orientalist und legt nun einen spannenden, cineastischen Roman vor, der gleich der Fernsehserie „Homeland“ durch den realen Bezug in seiner Handlung brisante Themen anbietet und thematisiert.

Die Heldin des Buches ist die Journalistin Sophie Schelling. Sie ist für ihre Zeitung nach Marokko gereist. Sie hat sich auf eine eigentlich ganz normale Dienstreise eingestellt. Sie trifft sich in Marrakesch mit Hassan Maliki, einem befreundeten Verleger. Sie bekommen mit, daß die Berge eine Gefahr geworden sind. Vor ein paar Tagen sind Kämpfer von Al-Qaida im Maghreb aufgetaucht. Sie haben die Bevölkerung aufgefordert, sich ihrem Kampf anzuschließen und wahrscheinlich anschließend Geld verteilt, um Menschen anzulocken. Nun stellt sich zum ersten Mal die Frage, ob Sophie zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Als sie und Hassan in die Gegend kommen, werden sie bereits mit einem ermordeten Schäfer konfrontiert, dieser wurde durch einen Drohnenangriff getötet. Die Bewohner Gourramas heißen sie freundlich willkommen. Sophie lernt sie als Bauern kennen, die wohl keine Gefährdung für den Rest der Welt darstellen. Als sie den toten Schäfer beerdigen und der Dorfälteste seine Rede hält, kommen Hubschraubergeräusche näher und die ersten Laserstrahlen erfassen das Dorf und die Landschaft. Dann eröffnen zwei amerikanische Hubschrauber das Feuer und Soldaten werden abgelassen. Das ganze Dorf wird ausgelöscht. Sophie beobachtet amerikanischen Soldaten, wie sie bei den Toten die Kugeln entfernen. Doch dann wird auch sie angeschossen.

Sophie überlebt und wird von fremden Menschen verarztet und zur deutschen Botschaft gebracht. Später stellt sich heraus, dass der Vater von dem auch im Dorf umgekommenen Hassan Maliki ihr zur Seite steht. Wieder in Deutschland steht sie vor der Gewissensfrage, wie weit sie bereit ist zu gehen, um die ganze Wahrheit herauszufinden. Sollte sie lieber vergessen, was sie gesehen hat? Auch ein amerikanischer Enthüllungsjournalist, der über die Foltermethoden, Drohnenangriffe und die amerikanischen Einsätze in Afghanistan und Marokko recherchierte, kommt durch einen herbeigeführten Unfall ums Leben.

Vorerst schreibt Sophie ihren Bericht neutral und sie benennt selber keine Täter. Dies überlässt sie den anderen aus der Redaktion. Aber allein durch die Tatsache, dass sie diesen Bericht schreiben kann, dass sie bei diesem Angriff dabei war und diesen Anschlag überlebt hat, macht sie auf sich aufmerksam und weckt einen übermächtigen Gegner. Sie entscheidet sich für die Wahrheit und verstrickt sich immer mehr in einem Netz aus Geheimdiensten, Militär und politischen Interessen. Als Journalistin nimmt sie nun ihren Beruf ernster, als es ihr wohl gut tut und ihre Suche wird zu einem Kampf ums Überleben…

Ein sehr spannender Thriller, dessen Inhalt fiktiv, aber sehr real wirkt.

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Stefan Moster: „Neringa“

9783866482456 Mare Verlag

„Wo das Dürfen das Müssen ersetzt, bekam die Freiheit ihre Chance.“

Es gibt wenige Werke, die mich nachhaltig so beschäftigen. Das vorliegende Buch hat mich sehr an die Werke von Stephan Thome und Mirko Bonné erinnert. Ein klug konzipierter Roman und ein großes, vielschichtiges Werk. Der Kern des Buches ist das Fundament, auf dem sich alles erbauen lässt. Der Boden unter den Füßen, die Vergangenheit, die die Zukunft bedingt und das menschliche Miteinander. Wie sich dieser Boden gestaltet oder betrachten lässt liegt an der eigenen Wahrnehmung. Der gepflasterte Weg als Kunst oder als einfacher Pfad zum Ziel.

Der Ich-Erzähler, ein fünfzigjähriger Mann, lebt in London und ist für eine Software-Firma tätig. Er stammt aus Deutschland und hat die Grundidee für eine Software entwickelt, die es Unternehmern ermöglicht, ihre Daten gleich einem Armaturenbrett übersichtlich zu halten. Er hat lediglich die Ideen, die Umsetzung gestalten die Grafiker und die Programmierer. Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als er im Kino einen Film sieht. (Diesen Film meine ich durch die Beschreibung erkannt zu haben und kann dem Protagonisten nur Recht geben, dass dieser ziemlich langweilig ist.) Durch eine einzige Einstellung, eine Szene, die am Mont-Saint-Michel spielt, wird er wach gerüttelt. Nun reist er in die Vergangenheit, die ihn in Teilen in die Irre zu führen scheint. Hat sich alles, was er erinnert, wirklich so zugetragen?

Die berühmte Felseninsel hatte er schon längst vergessen. Eine Postkarte mit dieser Insel im Wattenmeer als Motiv wird durch alle Hände der Familie gereicht. Sein Großvater meint beim Betrachten des Motives, da sei er schon gewesen. Sein Großvater, Jakob Flieder, der als Pflasterer allein durch seine Tätigkeit viele Spuren hinterlassen hat. Der Protagonist stellt nun durch seine Überlegungen sein eigenes Lebensziel, d.h. seine Lebensaufgabe, in Frage. Was ist es, was er an Bleibendem hinterlässt? So geht er auch in Therapie und hofft, durch diese Gespräche mehr zu erfahren. Die Flut an Fragen und Geschichten scheinen ihn gleich einer Springflut zu überrollen und er gräbt tiefer in der Vergangenheit. Besonders das Leben von Jakob Flieder fesselt ihn, d.h. dessen Leben als Handwerker und als Soldat in Frankreich.

Durch Neringa, einer Frau aus Litauen, die bei ihm putzt, kann er in sich mehr Klarheit finden. Es ist auch ihre Kunst, die ihn rührt. Sie tanzt und spielt für ein Figurentheater. Ihre flüssigen Bewegungen mit den Händen und Figuren werden sein Höhlengleichnis und er findet sein Glück im Hier und Jetzt.

Ein schöner Roman, der still und leise große Themen anspricht und wunderbar geschrieben ist. Mich hat das Buch sehr begeistert. Es kann in seiner positiven Melancholie viel im Leser anregen. Ein Wechselspiel zwischen der Moderne und dem Althergebrachten. Was ist bleibend in unserem Leben, was schaffen wir, das unsere Nachwelt, sofern man dies möchte, erinnert? Vieles was produziert wird ist nicht nachhaltig, sondern gilt dem schnellen Konsum. Gleich der Software, die die Firma des Protagonisten erstellt. Auch die Menschen in diesem Unternehmen sind wie ihre „Wolken“ und lassen sich nur noch von Trends bestimmen ohne auf diese wirklich einzugehen. Anders erscheinen hier die Mosaike, die aus kreativer Fantasie entsprungen und von Hand verlegt etwas Bleibendes symbolisieren. So können auch Menschen, gleich den gesetzten Steinbildern, zu Legenden werden, die über ihren Tod hinaus, ihre Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Heimkehr, als Deserteur, als Lebenskünstler oder als Mensch auf der Suche nach Zufriedenheit und Glück.

Für mich bereits ein Highlight in diesem Frühjahr.

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Alice Greenway: „Schmale Pfade“

9783866482326 MARE Verlag

Ein tragischer Roman, der von unglücklichen Lebensgeschichten erzählt, aber auch immer das Schöne im Leben und in der Natur aufzeigt.

Es geht um die menschlichen Pfade und um das Aushalten der eigenen Biografie. Niemals klischeebehaftet erzählt Alice Greenway von Verlust, Freundschaft, Krieg und Natur. Es liest sich spannend, ist nie überladen, sondern eher poetisch knapp verfasst. Der literarische Lesefluss ist wohl auch dem nicht ganz unbekannten Übersetzer, Klaus Modick, zu verdanken. Der Text verneigt sich als Küstenroman vor seinen großen Vorbildern, die stets zitiert werden. „Robinson Crusoe“ und besonders „Die Schatzinsel“, dessen wahrer Ort hier gefunden zu sein scheint…

Die Handlung spielt 1973 in Maine. Jim Kennoway, der einsam und zurückgezogen in seinem Strandhaus auf einer kleinen Insel lebt, versteckt sich vor den Geistern seiner Vergangenheit. Er erscheint uns, dem Leser, als eine Verkörperung von Long John Silver oder als Walt Kowalski (gespielt von Clint Eastwood) aus „Gran Torino“. Er ist ein wortkarger, verbitterter alter Mann, der gleich einem Piraten nur noch ein Bein hat, aber eine Prothese ablehnt.

Er findet seine innere Ruhe in der Natur. Er war einst ein angesehener Ornithologe. Das Museum, für das er tätig war, möchte über ihn schreiben und recherchiert in seiner Vergangenheit. Ebenfalls erinnert sich Jim an die verdrängten Schrecken, die er im Krieg erlebt hat. Seine Geschichte erwacht in ihm und löst alle Emotionen in ihm erneut wach. Der Auslöser ist ein vorerst nicht ganz willkommener Gast. Nach seinen ganzen Schicksalsschlägen hat sich Jim in die Einsamkeit einer Insel zurückgezogen und wird nun von der Tochter von Tosca Baketi, seinem damaligen Scout und Freundes während des Pazifikkrieges 1943, aufgesucht. Cadillac Baketi, die junge Salomonerin, soll im Herbst ihr Medizinstudium in Yale beginnen. Um sich vorher etwas einzuleben, hat ihr Vater sie zu Jim eingeladen.

Durch ihre Anwesenheit beginnt Jim sich zu erinnern. Etwas vor dem er mit Hilfe von Alkohol fliehen wollte. Er möchte nicht an den Krieg erinnert werden. Er will diese Vergangenheit und seine grausamen Bilder und Taten vergessen und am liebsten ertränken. Auch schmerzt ihn die Erinnerung an seine Frau, seine große Liebe.
Cadillac scheint im letzten und richtigen Moment in sein Leben getreten zu sein, damit er sich erinnert und mit den düsteren Kapiteln seiner Biografie abschließen kann…

Ein Roman wie eine kleine literarische Wucht. Ein emotionaler literarischer Leseschatz, der gespiekt ist mit Zitaten, Anspielungen und Verweisen auf Hemingway, Defoe und natürlich Stevenson.

Niemals verfällt der Text ins Belanglose, Überflüssige oder in kitschige Klischees. Die Charaktere und die Landschaften treten bildhaft hervor. Am detailliertesten wurde Jim Kennoway ausgearbeitet und lässt die anderen Figuren etwas verschwinden. Es ist aber seine Geschichte und somit darf er auch am stärksten in Erscheinung treten. Er ist ein nicht sehr sympathischer Romanheld, der aber länger im Leser lebendig bleiben wird.

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