J.R.R. Tolkien: „König Arthurs Untergang“

Klett-Cotta Arthur

„Arthur eiferte     ostwärts, gerüstet
Zum Waffengang     in den wilden Landen,
mit Macht übers Meer    in den Marken der Sachsen,
das römische Reich    vor Zerrüttung zu schützen.“

J.R.R. Tolkien, wohl der wichtigste Autor der phantastischen Literatur hat sich dem großen Sagenstoff rund um die Legende König Arthur zugewendet.
Während Tolkien bereits am „Hobbit“ schrieb und ihm die Ideen zum großen Ringekrieg fesselten, hat er auch an diesem Werk gearbeitet. Neben der Edda und dem Nibelungenlied ist wohl die Arthursage die wichtigste Quelle vieler Fantasyliteraturen.
Dies erahnt man auch beim Lesen des umfangreichen Werkes Tolkiens. Der große und bekannteste Zauberer Merlin war bestimmt die Vorlage für Tolkiens Magier Gandalf. Die Númenor aus „Herr der Ringe“ und dem „Silmarillion“, die von einer einsamen, sagenumwobenen Insel kommen sollen, erinnern an die Legende von Avalon, wenn nicht sogar an Atlantis.
Dass Tolkien Welten erschaffen und diese sprachlich sowie literarisch beseelen konnte, hat er stets beweisen können. Das Spiel mit der Sprache und die Lust an Formulierungen zeigen sich in „König Arthurs Untergang“ besonders, denn es ist ein wunderbares Poem.
Lyrik ist dank der diesjährigen Preisverleihung der Leipziger Buchmesse auch wieder populär und wird vielen Lesern wieder zugänglicher. Das Gedicht: „König Arthurs Untergang“ ist im Stabreim verfasst und in fünf Abschnitte untergliedert. Erzählt wird wie Arthur sich zum Waffengang ostwärts in ferne Länder begibt. Während er außer Landes kämpft, verliebt sich Lancelot in seine Frau Guinever und schafft damit einen dramatischen Konflikt. Der Untergang beginnt als Mordred die Macht an sich reißen möchte und dadurch die Handlung dem bekannten Abgrund entgegen treibt…

Diesen Schatz hat mal wieder Tolkiens Sohn, Christopher Tolkien, gehoben. Er hat sich nach dem Tod seines Vaters ganz der Herausgabe der bisher unveröffentlichten Werke von J.R.R. Tolkien gewidmet.
Das Gedicht, das in diesem Buch auch zweisprachig vorliegt, d.h. in einer guten deutschen Übersetzung neben dem englischen Original, nimmt fast schon den kleinsten Teil des vorliegenden Buches ein. Denn wenn man Lust auf die Werke von Tolkien und die ganze Sagenwelt hat, kann man sich länger mit den ganzen Anhängen beschäftigen. Tolkien war auch ein herausragender Erforscher der Literatur und Sprachen des Mittelalters.
Mir hat es viel Spaß gemacht mich mal wieder mit der Sagenwelt rund um König Arthur, d.h. auf Deutsch und Französisch Artus, zu beschäftigen. Seit dem ich als Jugendlicher die schöne Nacherzählung der Sage von Rosemary Sutcliff „König Artus und die Abenteuer der Ritter von der Tafelrunde“ gelesen hatte, war ich schon immer ein Freund dieser Legende. Der Film „Excalibur“ aus den 80ern hatte mich damals auch in seinen Bann gezogen…

„Anal nathrakh, urthvas bethad, dokhjel djenve“                                                      Merlins Zauberspruch aus „Excalibur“

Diese kleine, feine Entdeckung, für manche wohl auch eine Sensation aus dem Nachlass von Tolkien, ist für alle Tolkien Leser und Lyrikliebhaber ein schöner Lesespaß.

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Melanie Raabe: „Die Falle“

Die Falle btb

Dank der lieben Caterina Kirsten von der Literaturagentur Copywrite, die auch vor kurzem mein Gesprächspartner in Ihrem Blog „SchöneSeiten“ war, hatte ich mit dem Buch „Die Falle“ von Melanie Raabe sehr spannende, kurzweilige und sehr unterhaltsame Stunden. Caterina hat mich auf diesen Titel aufmerksam gemacht und ich habe diesen am Samstagabend angefangen und wollte nicht aufhören zu lesen, so sehr hat mich das Buch in seinen Bann gezogen…

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“ Kafka

Die erfolgreiche Autorin, Linda Conrads ist 38 Jahre alt und lebt in ihrer Villa am Starnberger See mit einer großen Wiese hinter dem Haus, nahe an einem Waldrand. Auf dem Rasen tobt aber lediglich Bukowski, ihr Hund. Linda Conrads ist nur Beobachterin der nahen Natur, denn sie lebt gänzlich zurückgezogen und ist nicht nur dadurch ihren Lesern und Fans ein großes Rätsel, wenn nicht sogar ein Mysterium.

„Ich bin nicht von dieser Welt. Das sagen zumindest die Leute. Als ob es nur eine Welt gäbe. Ich stehe in meinem großen, leeren Esszimmer, in dem ich niemals esse, und sehe nach draußen. Der Raum liegt im Erdgeschoss, der Blick fällt durch eine große Fensterfront auf die Wiese hinter dem Haus und auf den Waldrand. Dann und wann kann man Rehe beobachten. Füchse. Meine Welt ist nicht weit, aber meine Welt ist sicher. Zumindest dachte ich das.“

Linda Conrads hat seit elf Jahren dieses Haus nicht verlassen. Sie hat niemals einen Fuß nach draußen gesetzt. Sie hat ein schweres Trauma erlitten. Vor Jahren hat sie ihre Schwester Anna in einer Blutlache vorgefunden. Linda wollte sich damals bei ihrer Schwester ausweinen und suchte sie in ihrer Wohnung auf. Als sie nicht öffnete, verschaffte sie sich mit ihrem Schlüssel eintritt und sah Anna tot am Boden liegen. Ermordet mit vielen Messerstichen. Sie sieht neben sich noch einen Schatten und der Blick zur Seite zeigt ihr den Mörder. Ein Mann. Sie sieht nur sein Gesicht, da er sofort fliehen kann. Seitdem steht Linda unter unglaublichem Schock.

Trotz ihrer Probleme ist sie sehr erfolgreich und berühmt. Jedes Jahr veröffentlicht sie einen neuen Roman. Sie schreibt von ihren Lesern und der Presse gefeierte Literatur.
Viele halten die Autorin Linda Conrads für ein Pseudonym, da sie keine sozialen Kontakte pflegt. Selbst ihre Eltern hat sie seit damals nicht mehr gesehen. Lediglich ihr Verleger, der ihr auch ein guter Freund geworden ist, und die Haushaltshilfe kommen sie regelmäßig besuchen.

Sie wird von dem Gesicht des Mörders verfolgt. In ihren Gedanken und Träumen ist dieses „Monster“ immer gegenwärtig. Die Polizei schenkte ihr damals keinen großen Glauben. Bis sie nun, zwölf Jahre später, das Gesicht im Fernsehen sieht. Es ist ein berühmter Journalist…
Grund für sie nun aus ihrer Starre zu erwachen und sich einen Plan auszudenken. Sie will dem Mörder eine Falle stellen.
Noch nie hat sie als Autorin Interviews gegeben. Sie wechselt ihr eigentliches Genre und schreibt einen Krimi, der genau den Tatvorgang von damals schildert und lädt den Journalisten ein, mit ihr über dieses Buch zu sprechen. In der Hoffnung ihm ein Geständnis zu entlocken und, um endlich zu erfahren, warum Anna sterben musste.

Doch wer stellt wem eine Falle? Was muss passieren, damit Linda ihr eigenes Gefängnis wieder verlassen kann? Was ist damals wirklich geschehen? Wie merkt man, dass man wahnsinnig ist oder wird?
Es beginnt eine Art Kammerspiel, in dem die Wahrheiten verwischen und man als Leser alles glaubt und wieder nichts…

Das Buch ist klug komponiert und hält bis zuletzt den Spannungsbogen. Der Aufbau ist toll durchdacht und gut geschrieben. Die Charaktere bekommen Gesichter und Tiefen. Wir lesen nicht nur aus der Sicht von Linda, sondern folgen auch in einigen Kapiteln den Romanfiguren aus dem Krimi von Linda Conrads „Blutsschwestern“. Also ein Buch im Buch mit ähnlicher Handlung. Aber was sind lediglich nur wieder Lindas Geschichten? Was ist die Wahrheit…?

Ein spannender, gut zu lesender Roman, der fesselt…

Im Gespräch mit Melanie Raabe

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Daniela Gerlach: „Was das Meer nicht will“

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„Alles, was das Meer nicht haben will, spuckt es wieder aus.“

In dem Roman von Daniela Gerlach geht es um die Enge innerhalb einer Gemeinschaft. Um die Einsamkeit, die man erleben kann, auch wenn man nicht alleine ist. Zuviel Nähe kann für einige störend und wohl auch tödlich sein…

Daniela Gerlach hat Neuere deutsche Literatur, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München studiert. Jetzt arbeitet sie als freie Journalistin, Werbetexterin und als Ghostwriter. Seit 1997 ist sie gleich ihren Figuren nach Spanien gezogen und ist heute freie Autorin, die zwischen Mittelmeer und dem Ruhrgebiet pendelt.

Das Buch zeigt tiefgründig das Innenleben einer Frau, die sich in einer Hass-Liebe zu ihrem Ehemann Georg gefangen fühlt. Sie durchlebt ein emotionales Wechselspiel, denn sie ist von zwei sie liebenden Menschen unter ein familiäres Rad gekommen. Es sind ihr Mann und ihre Mutter, die ihren Einfluss auf sie und ihre Seelenwelt ausüben.

Anfänglich ist ihre Ehe mit Georg harmonisch, verkommt dann aber in der Routine des Alltags und wird aus ihrer Sicht eintönig. Auch der alljährliche Urlaub in Ihrem Sommerhaus in Spanien bietet wenig Abwechslung. Erst als Georg ihr das Schnorcheln schmackhaft machen kann, kommt neues Leben in sie. Sie lernt im Meer eine neue Welt für sich kennen, in der sie für sich ist und einfach sie selbst sein kann. Das Meer wird ein Ort der Freiheit für sie. Ferner lernt sie durch den Einkauf einer passenden Taucherbrille den Nachbarn Karl besser kennen, der einen Laden für Tauch- und Angelmaterial in der Ortschaft führt. Karl ist das genaue Gegenteil von Georg, der alles kontrollieren muss. Karl dagegen ist locker, unkontrolliert und lebt seine Freiheit, neigt aber zum Trinken.

Die Enge und der Streit sind vorprogrammiert, als ihre Mutter wie jedes Jahr auch nach Spanien anreist, um dort zwei Wochen mit ihrer Tochter zu verbringen. Eine tragische Konstellation, denn nun wird sie von ihrer Mutter und ihrem Ehemann immer mehr eingeengt und sie beginnt eine Affäre mit dem mysteriösen Nachbarn. Schließlich eskaliert die aufgestaute Spannung…

Ein Büchlein, das man ziemlich schnell konsumieren kann. Es hat mir persönlich einen für mich ziemlich fremden Umgang von Ehemenschen und sich Liebenden aufgezeigt. Ich habe teils mit Staunen diese Konflikte verfolgt. Ab und zu sind es leider kleine Sätze, die meinen Lesefluß unterbrochen haben, weil sie nach meinem Geschmack unpassend und etwas plump sind: „Georg fährt, er ist der Gefährte.“ Aber dies ist ein kleiner Minuspunkt in diesem beklemmenden Beziehungsroman. Ein Werk über die Verflechtungen von echter und falscher Liebe.

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Stories Friends

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Kenneth Bonert: „Der Löwensucher“

Löwensucher

Ein Buch, das mich begeistert hat. Trotz des Umfangs des Buches verbirgt sich in jedem kleinen Abschnitt eine tolle Erzählung und der „Held“ ist ein nicht immer sympathischer Protagonist, dessen Geschichte ich sehr gerne verfolgt habe. Ein umfangreicher, tiefgründiger Roman, der eine Geschichte erzählt, wie ich sie liebe: tragisch-komisch…

Der Autor, Kenneth Bonert, geboren 1972 in Johannesburg, wo er auch aufwuchs, bis er 17-jährig mit den Eltern nach Kanada emigrierte, hat mit „Der Löwensucher“ seinen Romanerstling verfasst, der bereits 2013 den National Jewish Book Award und den Edward Lewis Wallant Award gewann und auf der Shortlist für den Governor General’s Award war.

Der Roman spielt in der Periode zwischen den Weltkriegen. 1924 flieht Gitelle vor dem Pogrom mit ihren Kindern aus Litauen nach Johannesburg zu ihrem Mann Abel, der dort in seiner Uhrenwerkstatt tätig ist. Es ist die Zeit der Großen Depression und viele Juden sehen Afrika als hoffnungsvolles Land. Gitelle, die bereits schreckliches durchlebt hat, träumt von einem besseren Leben, von einem eigenen Haus und ist stets auf der Suche nach Glück. Ihr Sohn, Isaac, durchstreift als Kind mit seinen Freunden das jüdische Ghetto, während die Männer der verlorenen Heimat nachtrauern. Gitelle arbeitet hartnäckig an ihrem Neuanfang und hofft, ihre in der alten Heimat gebliebene Familie nachholen zu können.

Isaac fliegt durch seine erwachsende „Körperlichkeit“ von der Schule. Er fühlt sich körperlich zu seiner Lehrerin hingezogen und wird in einem peinlichen Moment erwischt und muß die Schule verlassen. Dies ist sein Einstieg in die Welt der Arbeiter und Erwachsenen. Auch Gitelle sieht darin eine Chance schneller an die Verwirklichung ihrer Träume zu kommen. Denn Isaac beginnt als Angestellter in einer Umzugsfirma und lernt dabei seine große Liebe, Yvonne, kennen. Da er die leeren Rückfahrten mit dem Umzugswagen auch als günstiges Busunternehmen umfunktioniert, um seinen geringen Lohn etwas aufzubessern, muß er auch diese Stelle bald wieder aufgeben. Später bekommt er die Möglichkeit als Lehrling in einer Autowerkstatt zu arbeiten.

Er lernt in seinen jungen Jahren viele skurrile und schillernde Typen kennen: den fürchterlichen Magnus Oberholzer, ein Sympathisant der antisemitischen Grauhemden, und den Vertreter und Wundermittelverkäufer Bleznik, der ihm immer wieder über den Weg laufen wird. Aber besonders prägt ihn Yvonne, seine große Liebe, die ihn auch zum Nachdenken anregt. Gerade über die „Eingeborenenfrage“, die er bisher nur aus der Sicht eines Weißen betrachtet hatte. Gitelle hat ihn sehr geprägt und ihn zu einem rechthaberischen, klugen Jungen erzogen. Ihre Welt besteht nur aus klugen und aus dummen Menschen und sie hat Isaac gelehrt, stets an sein Wohl zu denken und sich immer zu den Klugen zu zählen.

Ein meisterhaft erzählter Roman, der in einer tollen Sprache geschrieben wurde. Voller tragischer Momente, die aber mit viel Herzblut und Wärme erzählt werden. Teilweise mit toll pointierter Situationskomik und Wortwitz geschrieben.

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Heðin Brú: „Vater und Sohn unterwegs“

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„Früher war man dankbar, wenn ein armer Mann etwas zu essen hatte und ein Dach über dem Kopf. Jetzt muss alles immer so großartig sein.“

Heðin Brú erzählt vom Leben auf den kargen Färöer Inseln. Wir tauchen ein in eine Welt, in der der Mensch einen entbehrungsreichen Alltag erlebt und von dem Leben muss, was er von der Natur bekommt. Ein Dasein zwischen Walfang, Torfstechen und Treibholz sammeln.

Die färöische Landschaft besteht aus bewirtschaftetem baumlosen Land mit Äckern und Heuwiesen, nicht bewirtschafteter wilder Heide- und Berglandschaft und der windumbrausten, felsigen Küste mit ihren Schären. Die traditionellen Behausungen waren Lehmhütten mit wenigen Stuben, in dem das Tier und der Mensch gemeinsam unterkamen. Das Dach war meist aus Birkenrinde, das lediglich mit Grassoden abgedeckt wurde. Gegessen wurde aus einem Topf in der einzigen Stube, in der eine Feuerstelle am Boden war. Selbst Besteck war in dieser Zeit noch reiner Luxus.

Der Roman beginnt, als der Teenager Kálvur und sein schon recht alter Vater Ketil unterwegs sind zu einer Grindwaljagd. Schon in dieser Eröffnungsszene zeigt sich das Thema des Buches, denn Vater und Sohn gehen zu Fuß über den Berg, um den Schauplatz zu erreichen. Kálvur schaut neidisch auf die vorbeifahrenden Autos. Es ist der Einbruch der Moderne in diese trostlose archaische und traditionsbewusste Welt. Ketil steht dieser Entwicklung sehr ablehnend und verständnislos gegenüber. Er folgt seinem Glauben und seiner Gewohnheit und lehrt seinen jüngsten Sohn ein ehrliches Leben in dieser Fischer- und Bauernwelt, das sich mit den Gegebenheiten der Natur arrangieren muss. Ketil ist ein Relikt aus dieser untergegangenen Zeit, der durch seine sture Weisheit, die aus Naturverbundenheit und festem Gottesglauben besteht, zum Sympathieträger des Romans wird.

Nach der Waljagd, die auf den Färöer Inseln Tradition sind, ist Ketil leicht angetrunken und kauft für seine Familie ein zu großes und viel zu teures Stück Walfleisch. Da nun diese zukünftige Zahlschuld ihre Existenz bedroht, versuchen Ketil und Kálvur auf diversen Wegen das fehlende Geld aufzutreiben, sei es durch den Verkauf von Fischen, Seehund, selbstgestrickten Pullovern oder das trostlose Holzsammeln. Ganz anders als seine älteren Söhne, die sich nach einem besseren Leben sehnen und lieber durch Kredite einen erkauften Wohlstand leben. Dieses Denken ist Ketil gänzlich fremd und nur die eine drohende Rechnung wird zu einer sehr großen Belastung für ihn, die ihn aber nicht davon abhält, auch die Steuerschulden seiner Kinder zu bezahlen, damit diese nicht aus ihren neuen Häusern gepfändet werden. Ketil kämpft einen tapferen und ehrenvollen Kampf um seine Ehre, die er sich nicht nehmen lassen will.

Ein nordischer Klassiker, der mir sehr literarisch eine Welt aufgezeigt hat, die mir sehr fremd ist. Gerade der brutale Umgang mit den Lebewesen und besonders die Waljagd haben mich aus heutiger Sicht und als Veganer sehr abgeschreckt. Aber gerade dies macht das Buch sehr besonders, denn es unterhält auf sehr hohem Niveau und regt sehr zum Denken an. Die Menschen waren damals in dieser Region abhängig von der Jagd die im Vergleich zu der modernen Industrie-Fischerei wohl noch etwas naturbezogener war. Dieser literarische Schatz kann sehr bereichernd sein. Heðin Brús „Vater und Sohn unterwegs“ ist einer der ersten Romane, in denen die färöische Sprache, die zuvor dem ländlichen Alltag und den traditionellen Volksliedern vorbehalten war, zur Literatur wurde.

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Guggolz

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Im Gespräch mit Hauke Harder

Vielen Dank an Caterina Kirsten für das schöne Interview mit mir.
In der Reihe »SeitenBlicke« führt sie in unregelmäßigen Abständen Gespräche mit Literaturschaffenden aller Art. Heute komme ich zu Wort.

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Sandrone Dazieri: „In der Finsternis“ (Uccidi il padre)

piper in der finsternis

Ein spannender Roman, der mich sehr gefesselt hat. Sandrone Dazieri, eigentlich gelernter Koch, arbeitet als Lektor und Drehbuchautor. Daher versteht er es auch einen sehr spannenden Thriller zu schreiben, der mich als Leser in seinen Bann gezogen hat. Ich wollte nicht aufhören und war gestern beim Lesen nicht wirklich ansprechbar.

Die Handlung beginnt aus der Sicht von Dante Torre, der als Kind in einem Silo gefangen gehalten wird. Seine Welt besteht aus diesen runden Betonwänden mit einer nur notdürftigen Ausstattung. Sein Entführer, der sich wenn überhaupt nur vermummt zeigt, erniedrigt oder belohnt Dante willkürlich. Mal ist Dante der brave Sohn, mal das dumme Vieh. Elf lange Jahre wird er in diesem Betonsilo eingesperrt und musste lernen, jede kleine Geste seines Peinigers, den er „Vater“ nennen soll, zu deuten, um zu überleben.

Jahre nach seiner Befreiung verschwindet wieder ein Kind. Eine Familie war in der Natur zum Picknick unterwegs und der Vater war nur kurz in der Sonne eingeschlafen. Als er erwacht sind seine Frau und der gemeinsame Sohn weg. Als die Polizei eine Frauenleiche im Waldstück findet und vom Kind lediglich die Schuhe, die an einem Busch angebunden wurden, wird in alle Richtungen ermittelt. Der Vater steht als Hauptverdächtiger unter Verdacht, da auch Blut am Fahrzeug gefunden wurde. Die junge Ermittlerin Colomba Caselli, die eigentlich beurlaubt ist, soll auf Bitten ihres direkten Vorgesetzten in diesem Fall ermitteln, da sich innerpolitische Machtspiele in der römischen Polizei anzeigen.
Dante Torre soll ihr helfen, denn er besitzt eine besondere Gabe: er kann Menschen lesen, d.h. jede kleine Geste oder Betonung deuten. Doch hat er für diese Gabe einen sehr hohen Preis bezahlt, denn sein Trauma begleitet ihn beständig und ein normales Leben ist für ihn nicht mehr möglich.

Sie finden in der Nähe der ermordeten Frau eine Trillerpfeife, die einst Dante gehört zu haben scheint und seit seiner Befreiung nicht mehr gefunden wurde. Sein Entführer gilt, seitdem Dante fliehen konnte, als tot. Doch war der damals gefundene tote Landwirt nicht sein sogenannter „Vater“. Keiner schenkte ihm Glauben, auch jetzt nicht, als er die sterile aber ansonsten gewöhnliche Pfeife findet. Er weiß, der „Vater“ ist zurück und er hat erneut zugeschlagen…

Dante und Colomba setzen nun alles daran das Kind zu finden. Dante will endlich Genugtuung und Colomba hat nichts zu verlieren, denn sie wurde offiziell vom Dienst suspendiert, da eine Katastrophe in Paris sie beinahe das Leben gekostet hätte und ihre Karriere und damit ihre Existenz fast zerstört hätte. Diese Geschichte wird stets in Rückblicken erzählt und fügt dem rasanten Thriller einen weiteren Spannungsbogen hinzu. Beider Spürsinn bringt sie auf eine Fährte: Jahrelang sind unzählige Kinder entführt worden – mit dem Ziel, ihre Erinnerung auszulöschen und sie zu neuen Menschen zu machen. Jetzt werden beide endgültig von ihrer Vergangenheit eingeholt. Eine Reise in die dunkle Seite der menschlichen Seele…

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„Blauer Berg und weiße Wolke“

blauer berg weiße wolke Insel Verlag

„Der blaue Berg ist der Vater der weißen Wolke. Die weiße Wolke ist der Sohn des blauen Berges. Den ganzen Tag bedingen sie sich gegenseitig, ohne voneinander abhängig zu sein. Die weiße Wolke ist immer die weiße Wolke. Der blaue Berg ist immer der blaue Berg.“ Meister Tozan

Das Gleichnis vom blauen Berg und der weißen Wolke entstammt der Tradition des japanischen ZEN-Buddhismus, der aber seine Wurzeln im chinesischen hat. ZEN ist eine charakteristisch fernöstliche Form des Buddhismus und eine in China entstandene Strömung oder Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Er sperrt sich gegen diskursives Denken, aber enthält philosophische Einsichten, die sich von unseren gewohnten und schulischen Denkmustern abheben. Dieses Büchlein kann durch die gewählten Inhalte diesen Bogen zu unserem eigenen kulturellen Hintergrund verbinden.

Schwerpunkt dieser Schulen ist es u.a. den unruhigen Geist, die herumschwirrenden Gedanken (die tobenden Affen im Kopf) und spontanen Handlungen in eine Gegenwärtigkeit zu bringen. Die Bewusstmachung des Augenblicks. Das Geistige und das Gedachte durch Versenkung in einen Einklang zu bringen, um einen weisen Umgang mit sich und der Welt zu finden.
So kann ein unruhiger Geist, ein grübelnder Betrachter, durch die Berührung mit dieser Stille viel erfahren. Gleich einem stürmischen See, der durch die Verbindung zu stilleren Gewässern zur Ruhe kommt.

Viele bedeutende Vertreter sind in diesem handlichen Band vereint. Neuere sowie ältere Zitate von u.a. Ikkyu Sojun, Han Shan, Thich Nath Hanh und Hermann Hesse. Die ältesten Zitate stammen aus dem Pali-Kanon, den wohl frühesten Lehrreden des Buddhas. Der Buddha will auf das Göttliche in uns selbst aufmerksam machen. „Sieh dich selbst! Das ist alles! Dann weißt du alles!“. Ob man nun religiös interessiert ist, ein spirituell Suchender ist oder wie man zum Buddhismus steht, ist beim Lesen der Texte nebensächlich.

Anliegen diese kleinen Buches ist es, den Lesern, egal was man glaubt, einen anderen Blick zu vermitteln, auf das Sehen, Hören, Essen und sogar das Lesen. Eventuell entsteht eine neue Sicht auf uns selbst oder das Bewusstsein.

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Éric Faye: „Zimmer frei in Nagasaki“

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Mal wieder so ein kleiner, feiner Roman, der etwas ganz Besonderes ist. Ein Buch, das mich an „Ich nannte ihn Krawatte“ von Milena Michiko Flasar erinnert. Eine Lektüre über das Schicksal einer heimlichen Mitbewohnerin und ihres noch ahnungslosen und unfreiwilligen Gastgebers. Es sind zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und für eine Zeitspanne einen verändernden Teil im Leben des Anderen einnehmen, sich begleiten und dadurch die jeweilige Biographie umlenken. Das spannende dabei ist, dass sie sich nur einmal wirklich begegnen.

Die Geschichte spielt in Nagasaki. Dies ist die Stadt, die sich auch in der Geschichte des Landes als erstes der anderen Welt öffnete. Japan hat sich lange dem Welthandel verschlossen und erst den Niederländern erlaubt an eine künstliche Insel, die vor Nagasaki erbaut wurde, mit ihren Handelsseglern anzulegen (siehe auch im tollen Roman: „Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ von David Mitchell).

Die Handlung spielt in der heutigen Zeit und wir lernen Shimura Kobo, einen 56 jährigen Mann, kennen, der alleine in seinem kleinen Haus wohnt, das in einem Außenbezirk von Nagasaki steht.
Er wird stutzig, denn seit einigen Tagen hat er das Gefühl, daß ihm Lebensmittel aus dem Kühlschrank entnommen werden. Erst zweifelt er an sich: Hat er die Zutaten wirklich gekauft oder hat er sie eventuell im Geschäft liegen gelassen? Als er sich aber in seiner Wohnung immer unwohler fühlt beginnt er die Bestände zu notieren. An übersinnliche Begegnungen mag er nicht glauben. Als ihm wiedermal ein Joghurt fehlt und die Saftmenge reduziert ist kauft er sich eine Kamera, deren Bilder er online von seinem entfernten Arbeitsplatz abrufen kann. Er ist ein gewissenhafter Meteorologe der nun von einem seelischen Sturm erfasst wird, denn er wird Zeuge, wie sich eine ihm fremde Frau in seiner Küche Tee zubereitet und Reis kocht.

Der Roman, der auf eine wahren Geschichte beruht, die im Mai 2008 von mehreren japanischen Zeitungen veröffentlicht wurde, entfaltet aus unterschiedlichen Perspektiven das psychologische Portrait zweier Menschen, die sehr unterschiedlich sind und doch von der gleichen Sehnsucht verbunden sind.
Es geht um das ausgestoßen sein, das vertrieben sein, das Finden einer Heimat, das Zuhause, d.h. Geborgensein. Gleich vielen Lebewesen, die zu ihrem Ursprung zurückkehren, zum Ort ihrer Geburt, um dort für sich im Vertrauten zu sterben.
Das einleitende Zitat von Pascal Quignard am Beginn des Buches ist sehr passend:

„Man erzählt, dass Bambusstangen der gleichen Herkunft zur gleichen Zeit blühen und zur gleichen Zeit sterben, so entfernt die Orte sein mögen, wo sie auf der Welt gepflanzt worden sind.“

Ein kleiner „Leseschatz“, der mich überzeugt und viel Lesevergnügen bereitet hat. Der Autor Éric Faye wurde mit diesem Text zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt. In Frankreich war der Titel bereits ein großer Publikumserfolg und wurde mit dem bedeutenden Grand Prix de l’Académie Française ausgezeichnet. Das Buch wurde von der Grafik-Designerin Anja Wesner gestaltet, deren Arbeiten bereits beim Wettbewerb der „schönsten Bücher der Welt“ berücksichtigt wurden.

Zimmer frei Nagasaki

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Antoine Laurain: „Liebe mit zwei Unbekannten“

Liebe mit zwei Unbekannten

Dies Buch ist wieder mal eines jener Bücher, die ich eigentlich nur testen wollte. Ich hatte das Leseexemplar vom Verlag erhalten und wollte es lediglich für unsere Buchhandlung prüfen…
Und auf einmal habe ich es ganz gelesen. Es hatte mich in seinen Bann gezogen. Auch wenn die Handlung keine großen Überraschungen bietet und die Protagonisten ein klein wenig klischeehaft sind. Man bekommt als Leser, das was man beim Betrachten des Buches bereits erwarten darf: Einen schönen Liebesroman, in dem man versinkt und für die Lesezeit sein Umfeld vergessen darf…

Es geht um zwei Menschen, Laure und Laurent, die in Paris leben und sich bisher nie begegnet sind. Beide haben ähnliche Namen und er verliebt sich in sie anhand ihrer Notizen und des Inhalts ihrer Handtasche.
Laure wird eines Tages brutal überfallen und beraubt. Sie zieht, da sie nun ohne Schlüssel auch nicht in ihre Wohnung kommt, für eine Nacht in ein Hotel, das genau gegenüber ihrem Haus steht. So kann jedenfalls auch ihre freilaufende Katze sie in dem Hotelzimmer besuchen. Doch wird sie am kommenden Morgen von dem Hotelpersonal, die ihren Einzug bereits mit einem kleinen Unbehagen zugelassen haben, bewusstlos vorgefunden. Die Verletzungen des Überfalls scheinen doch schlimmer zu sein als geahnt…

Laurent, ein Buchhändler, findet auf seinem Weg zu seiner Buchhandlung, eine Damenhandtasche, die lieblos auf einem Mülleimer abgelegt wurde. Von Neugier getrieben und, um auch die Besitzerin ausfindig machen zu können, schaut er in diese Tasche hinein.
Der Inhalt verrät ihm nicht den Namen, aber gibt dennoch einiges preis über die Besitzerin: einen Spiegel, Fotos und einen Roman von Modiano, was ihm als Buchliebhaber sehr begeistert, den Modiano gilt als sehr zurückhaltend und hier liegt nun ein vom Autor persönlich signiertes Exemplar an die Besitzerin vor.
Ferner findet Laurent ein rotes Notizbuch, in dem die Unbekannte ihre geheimen Gedanken und Träume festgehalten hat. Auch Ihre Listen von Dingen, die sie mag oder nicht mag.
Laurent ist fasziniert von dieser ihm unbekannten Frau und verliebt sich in ihre Gedanken. Also beschließt er, sich auf die Suche nach ihr zu machen.
Seine Bemühungen, sie, die Unbekannte zu suchen, sind irgendwie rührselig und es macht Spaß, ihm durch Paris auf dem Weg zu seiner Liebe zu folgen…

Ein schlichtes, aber schönes Buch, in dem ich mich unerwartet verloren habe und durch den Text stimmungsvolle Lesestunden hatte.

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