Miguel de Unamuno: „Nebel“

Eine Wiederbelebung eines Klassikers, der großartige Lesestunden verspricht. Die Handlung spielt nebulös mit dem Urgedanken der Schöpfungskraft und erzählt nebenbei eine Liebesgeschichte. Ein unglaublich verspielter Text, der irrwitzig und philosophisch zugleich ist. Das Werk ist eine Berauschung und spielt kunstvoll mit dem bekannten Literaturverständnis. Die vorliegende Lebensgeschichte ist bravourös erzählt. Die Kunst, die Vernebelung des Lebens aufklaren zu lassen, hat diverse Mitstreiter animiert. Jonathan Carroll hat sich für „Das Land des Lachens“ wohl durch die Auflehnung der Figuren gegenüber dem Verfasser, gleich wie zum Beispiel Flann O’Brien “ In Schwimmen-zwei-Vögel“ inspirieren lassen. Der Spanier Miguel de Unamuno (1864-1936) schrieb „Niebla“ 1914 und legte 1935 eine revidierte Fassung vor. Nun erscheint „Nebel“ erneut  in der Übersetzung von Otto Buek, Roberto de Hollanda und Stefan Weidle. Zwei Vorworte, ein Nach-Vorwort und dann noch ein Nachwort von Wilhelm Muster ummanteln den Text und vertiefen die unbeschreibliche Lesefreude.

Das Figurenspiel beginnt eines Tages vor der Haustür von Augusto Pérez. Ein wohlhabender, alleinstehender Mann, der sich nun fragt, in welche Richtung er spazieren möchte. Seine vornehme Haltung verharrt mit dem Blick gen Himmel. Wenn es regnen sollte, gelten seine Gedanken dem mitgeführten Schirm. Ein Objekt, das aus seiner ungenutzten Schönheit entrollt werden müsste, ist ihm ein Graul. So hadert er im Leben beständig. Sein Weg ist nicht durchdacht, sondern den Launen entsprungen. Auch die Entscheidung, ob er sich jetzt nach links oder rechts wenden soll, wird ihm von einer anmutigen Frau, die vorbeischreitet, abgenommen. Der innere Monolog des Müßiggängers wird ganz von der weiblichen Erscheinung eingenommen. Er folgt ihr und meint, sich in Folge verliebt zu haben. Die angebetete Frau ist Eugenia, eine Klavierlehrerin, die die Musik verachtet. Sie ist ihrerseits in den arbeitsfaulen Neffen der Portiersfrau verliebt. Durch die Begegnung mit Eugenia hat Augusto Pérez einen Mephisto-Trank getrunken, er ihm nun die Schönheit der Frauen vor Augen führt und er die Liebe überall zu finden vermag. Doch gilt sein Verliebtsein besonders jener unerreichbaren Eugenia. Seine Liebes- und Lebensverwirrung bespricht er mit allen in seinem Wirkungskreis, auch mit der ihm zugewandten Wäscherin Rosario. Da seine Hochzeitspläne scheitern, wendet sich Augusto Pérez nach diversen Anläufen und Verwicklungen verzweifelt an Miguel de Unamuno, seinen Autor.

Die Selbständigkeit des Lebens scheint ein Spiel zu sein. Am Ende bleibt lediglich die einseitige Kommunikation mit Orpheus dem Hund von Augusto Pérez. Was ist Liebe? Was ist der Sinn des Lebens und woher stammt die Schöpfungskraft? In den Monologen, dem Zwiegespräch zwischen Schöpfer und Schöpfung,  geht es um fast alles. Der Nebel soll gelichtet werden.

„Das gehört alles zusammen, mein Herr, das ist alles eins: Anarchismus, Esperanto, Spiritismus, Vegetarismus, Phonetik … Das ist alles ein und dieselbe Sache. Krieg der Autorität! Krieg den vielen Sprachen! Krieg der gemeinen Materie und dem Tod! Krieg dem Fleisch! Krieg den h´s! – Und nun: Leben Sie wohl.“

Ein Weltklassiker gespickt mit wunderbaren Figuren. Müßiggänger und unter anderem mystische Anarchisten bespielen diese Lebensbühne. Eine phantastische Tragikomödie, die den melancholischen Witz perfektioniert und dabei pure Lesefreude versprüht. Das Buch, diese Wiederbelebung und Entdeckung, ist ein Ereignis.

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Frank Rudkoffsky: „Mittnachtstraße“

Ein Roman, der das Kleine ganz groß werden lässt und dabei literarisch unsere Gesellschaft seziert. Frank Rudkoffsky hat nach „Fake“ erneut einen klugen und pointierten Roman geschrieben, der unsere gegenwärtige Welt widerspiegelt. Voller zerbrechlicher Egos, die sich wegen der empfundenen Nichtigkeit größer machen wollen. Somit ist es ein Werk über Machtstrukturen, Befindlichkeiten und Konflikte. Die „Mittnachtstraße“ gibt es in Stuttgart, ist aber eine wegweisende Metapher. Die beschriebene Haltestelle und der Verweis auf die Kleingartenanlage schaffen den Raum für den sozialen Handlungsort. Sehr vielen Themen spürt Frank Rudkoffsky in seinem Roman nach. Dabei überlädt er den Inhalt niemals. Es wirkt nicht gekünstelt, weil es Themen sind, die uns tagtäglich begegnen können. Ferner sind die Charaktere authentisch entworfen und entfalten sich im Verlauf ungemein. Die Generationsfrage steht dabei im Mittelpunkt. Jede Generation deklariert für sich, es besser zu wissen und zu können als die vorherige. Wäre dem so, hätte die Menschheit wohl bereits größere Fortschritte machen können. Können wir überhaupt in der Gegenwart noch gut handeln? Malte, der Protagonist zählte sich zumindest immer zu den Guten bis ihm alles aus den Händen entgleitet und alles aus den Fugen gerät.

Die Probleme, die ihn beschäftigen sind vielfältig. Seine Tätigkeit als Journalist hat ihn ausgebrannt und die Arbeit erfüllt ihn nicht mehr. Seine Ehe kriselt und er und seine Frau reagieren oft überreizt. Seine Frau, die gerade eine eigene Apotheke gegründet hat, arbeitet mehr als vorher. Die Kinder fordern somit auf ihre Weise die Aufmerksamkeit der Eltern. Die kleine Tochter hat ihre besonderen Bedürfnisse und entwickelt die familientypischen Wutausbrüche. Der pubertierende Sohn sieht in Malte einen Heuchler und Versager. Maltes Vater, der zu cholerischen Wutausbrüchen neigt, war nie eine gute Bezugsperson und taucht nach einer langen Zeit plötzlich wieder auf. Um sich der ganzen Verantwortung und den Belastungen, besonders denen durch das Auftauchen des kranken Vaters, zu entziehen, geht Malte in ein selbstauferlegtes Exil. Gerade an den Ort, den er stark verachtet und mit negativen Erinnerungen belegt. Der jetzt verwahrloste Kleingarten seines Vaters. In dem dortigen Häuschen ist der Vater, dessen Umfeld und sein Geruch allgegenwärtig. Doch Maltes größtes Problem ist er selbst. Beständig steht er sich selbst im Weg und will sich seine Depression nicht eingestehen. Innerhalb der Familie gärt nun das Gift, das von Generation zu Generation weiterverabreicht wird. Der Kosmos einer Kleingartenanlage ist ein wuchernder Schauplatz, in dem unsere Gesellschaft verwurzelt ist.

Ein Roman der ganz genau hinsieht und das, was uns umtreibt, kunstvoll beschreibt. Sehr einfühlsam und wirklichkeitsnah erleben wir die Widersprüche, die Verzweiflungen und Krisen unserer Zeit. Generations- und geschlechtsunabhängig sind wir nah miteinander verbunden. Ein beeindruckender neuer Roman von Frank Rudkoffsky, der mehr Nähe und Emotionen zulässt als sein vorheriges Werk „Fake“.

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Melanie Raabe: „Die Kunst des Verschwindens“

Ein magischer Raabe. Melanie Raabe, die bisher durch ihre Thriller aufgefallen ist, hat nun einen Roman geschrieben, der die Magie des Moments in den Mittelpunkt stellt. Momente oder Begegnungen, die augenscheinlich zufällig sind, aber das Leben nachhaltig prägen und verändern können. Dies kann während eines Theaterstücks passieren, wenn man gebannt dem Verlauf auf der Bühne folgt und das vorgespielte Werk im Moment mehr Lebensinhalt hat als das tatsächliche und reale Umfeld. Solche Momente sind es, die uns allen Gänsehaut bereiten können und etwas im Herzen oder im Geiste in Bewegung setzen. Dies kann aber auch eine kurze Begegnung zweier Fremder sein, die plötzlich etwas im anderen zu erkennen scheinen. Auch lässt Melanie Raabe in diesem Roman Raum für viel Mystik, Magie und den alltäglichen Zauber. Tritt Magie in unser Leben oder erscheint diese lediglich, weil wir diese herbeisehnen und wir das Erlebte als ein Mysterium deuten wollen?

Silvester als zeitlicher Raum, der einen Wechsel darstellt und gleichzeitig durch den Moment des Dazwischen eine Atempause ermöglicht. Ein Augenblick außerhalb einer erdachten Zeit, die manch anderes zutage treten lassen kann. Zwei Frauen erleben an einem Silvesterabend einen kunstvollen Wechsel, der ihrer beider Leben verändern wird. Silvester als Wendepunkt.

Ellen Kirsch ist eine erfolgreiche Schauspielerin und ein Hollywoodstar. Eine Serie wird gerade groß beworben, in der sie die Hauptrolle spielt. So mimt sie zum letzten Mal in New York den Puck im Sommernachtstraum, um dann nach Berlin zu reisen. Die Bühnenkunst prägt ihr Leben und sie geht gänzlich in der Verwandlung auf der Bühne auf. In Berlin soll die Serie beworben werden und eine Premierenfeier ist geplant. Doch wird ihre Ankunft durch einen Schatten verfärbt, denn ein väterlicher Freund ist verstorben und weil sie sich gegen übergriffige Männer gewehrt hatte, verfolgt sie eine Internethetze. Eine angemietete Penthouse-Wohnung steht ihr während des Berlinaufenthaltes zur Verfügung. Das Gebäude steht genau gegenüber der Wohnung von der Fotografin Nico. Nico, die auch in jungen Jahren vom Schauspielerleben träumte, ist nun eine Fotokünstlerin. Nico schwebt gerade selbst etwas im Leben, im Beruflichen sowie im Privaten. Beide begegnen sich zufällig auf der Straße im winterlichen Berlin und empfinden eine unheimliche Nähe. Diese bestätigt sich bei weiteren ungeplanten Begegnungen. Zu Silvester hat Ellen Gäste eingeladen und lädt spontan Nico dazu ein. Diese, fast schon magische Nacht, die auch eine Reise in die Kunst der Museumsinsel und ihren Geistern bedeutet, offenbart die Seelenverwandtschaft. Was sieht Ellen in Nico?

Ellen hat ein Gespür für Veränderungen und bei der Anreise nach Berlin hatte sie bereits ein ungutes Gefühl. Dies bestätigt sich bei einem Besuch eines „Lost Place“ und seitdem ist Ellen verschwunden. So schnell sie in Nicos Leben gesprungen ist, ist sie auch wieder weg. Auch zur Premierenfeier taucht sie nicht auf. Nico macht sich ihre Gedanken und sorgt sich. Nicos Vater hat eine neue Beziehung und plant einen Umzug nach München. Daher möchte Nico unbedingt erneut in die Kisten ihrer Mutter schauen, bevor diese verschwinden. Sie begreift,warum sie sich nicht lösen kann. Sie macht sich auf die Suche nach Ellen, nach ihrer eigenen und der Geschichte ihrer Mutter.

Ein Roman, der eine sofortige Bindung an die Figuren ermöglicht. Mit wenigen Kunstgriffen gelingt es Melanie Raabe, Bilder und Figuren aufzubauen und wachsen zu lassen. Sie schafft magische Momente, die auch mal durch tierische Begegnungen angedeutet werden oder durch das jeweilige Setting. Dies sind inwendige Szenen in städtischen Kulissen oder in der freien Natur. Ein Buch, das uns wieder an den Zauber des Lebens glauben lässt. Mit Spannung, Charme und mit viel Liebe zu den agierenden Frauenfiguren ist der Roman geschrieben, der zwischen beiden Perspektiven wechselt und am Ende nur eine weitere zulässt. Der Wechsel von der Thriller-Literatur ist Melanie Raabe gekonnt gelungen und es scheint, „Die Kunst des Verschwindens“ ist ihr bisher größtes Herzensprojekt.

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Friða Ísberg: „Die Markierung“

Bücher zu lesen bedeutet man flieht oder erdichtet sich eine Welt. Literatur bildet, schafft somit Wissen und schult Empathie. Einfühlungsvermögen als Grundsatz der Ethik-Debatte ist zumindest in diesem Roman ein wichtiger Baustein. Denn „Die Markierung“ ist ein spannender Roman, der in einem dystopischen Szenarium viele Empathie- und Ethik-Thesen behandelt. Dies aus der Sicht unterschiedlichster Charaktere, deren Lebensverläufe nah aneinander verlaufen.

Friða Ísberg ist eine isländische Lyrikerin und Autorin, die mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde und in viele Sprachen übersetzt wird. In der Deutschen Übersetzung gibt es neben dem vorliegenden Roman ihren Gedichtband „Lederjackenwetter“. Voller bildhafter Kreativität sprudelt die Lyrik von Friða Ísberg auf den Lesenden ein. Eine poetische Sicht auf den Lebensweg. Die Verschmelzung des Individuums mit der Gesellschaft, dem Wir, ist eines ihrer Themen. Der Egoismus als Schutzraum oder als falscher Antrieb für einen ausufernden oder krankhaften Narzissmus. Die philosophischen Gedankenspiele webt Friða Ísberg spielerisch in ihre Texte ein. Somit sind diese niemals überfordernd oder überlasten den Lesefluss. Die Forderung nach Empathie beinhaltet im Guten mehr Mitgefühl für das lebende Umfeld. Wenn dies ausgenutzt oder überdehnt wird, kann die These für ein individuelles Leben begrenzend sein. Besonders wenn lediglich das Gesetz über das deklarierte Gute oder Böse Klarheit schaffen will.

Die Handlung des Romans spielt in einer nahen Zukunft. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wird ein Empathietest eingeführt. Dies vorerst freiwillig, aber für bestimmte Berufsgruppen erforderlich. Auch, wenn man bestimmte Wohngebiete betreten möchte. Mit anstehenden Wahlen soll dieser Test gesetzlich verankert und für die Gesellschaft verpflichtend werden. Die daraus entstehende Markierung bedeutet, dass das Testergebnis des getesteten Probanden öffentlich geführt wird. Dies geschieht, damit der Zugang zu gewissen Lebensräumen für Menschen, die den Test bestanden haben, möglich wird. Somit besteht die allgemeine Gefahr in ein gesellschaftliches Abseits zu geraten. Auch in den Schulen wird bereits der Test vorbereitet. Die junge Lehrerin Vetur beobachtet diese Entwicklung sorgenvoll. Der Schulabbrecher Tristan versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen und gerät immer mehr unter starken Druck. Für die Geschäftsfrau Eyja wird der Test zu einer beruflichen und privaten Belastungsprobe. Lediglich für den Psychologen Ólafur ist der Test ein guter Weg zu einer besseren und gewaltfreien Gesellschaft. Anhand dieser Figuren wird die Gefahr solcher Markierungen verdeutlicht und ein friedvolles Miteinander ist ein Traum, war einer und wird wohl einer bleiben.

Ein irrer Ritt zwischen Empathie und vorgetäuschtem Mitgefühl. Ein Roman, der überzeugt und nachdenklich stimmt. Durch den Wechsel der Sichtweisen, der mit jedem Kapitel vollzogen wird, verdeutlicht sich ein Gesamtbild und die Handlung wird ungemein spannend. Lässt sich so etwas wie ein moralisch Gutes in einem Gesetz verorten? Wieviel verordnete Korrektheit verträgt ein Miteinander? Ein kluger und toll erzählter Roman von einer Autorin, die versteht Gedanken in Poesie zu verwandeln und dadurch Empathie entfacht.  Aus dem Isländischen wurde der Roman von Tina Flecken übersetzt.

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Nina Bouraoui: „Erfüllung“

Erneut verführt Nina Bouraoui durch ihre Sprache, die Emotionen und den tiefgründigen Blick in die Psyche. Nach „Geiseln“ ist „Erfüllung“ auch ein großartiges und beunruhigendes Portrait einer Frau, die eine feministische Unruhe verkörpert. Erfüllung folgt dem Verlangen und der Sehnsucht. Dabei spielt die Liebe eine entscheidende Rolle. Doch was passiert, wenn die liebevolle Bindung toxisch, besessen und von einer enormen Melancholie verwandelt wird? Die Liebe taucht oft als eine Leere im Roman auf. Doch bleibt sie der Fixpunkt der Agierenden. Liebe, die in einem Joan Baez Song im Text Erwähnung findet, ist immer politisch. So auch dieser Roman, der durch das persönlich Erlebte die Unruhen der Welt einfängt.

Wir lesen die sieben Hefte der Michèle Akli, die diese in den Jahren 1977 bis 1978 geschrieben hat. Michèle ist Französin, die ihrem Mann Brahim 1962 nach der Unabhängigkeit nach Algier folgte. 1977 beginnen ihre Notizen und Tagebucheinträge. Sie leben in einem kleinen Haus über der Stadt und haben einen zehnjährigen Sohn, Erwan. Die Natur ist ein Rückzugsort für Michèle, denn in ihr kämpfen unterschiedliche Sehnsüchte. Das Schreiben wird für sie ein wichtiger Halt. Ihre Kommunikation mit dem Papier ist ihre Möglichkeit, sich zu sammeln und eine innere selbstauferlegte Beichte abzulegen. Denn ihre Liebe ist verblasst. Die Liebe zu dem Land und besonders zu ihrem Ehemann. Der großzügige Garten wird ihr Refugium, wenn Erwan in der Schule ist. Brahim, der in einer Papierfabrik arbeitet, ist oft unterwegs. Die erloschene Leidenschaft entfacht eine brodelnde Melancholie, die Michèle oft mit Alkohol befeuert. Ihre ganze Liebe gilt lediglich ihrem Sohn. Es ist eine nahezu egoistische Mutterliebe. Sie wird eifersüchtig auf alles, was Erwan liebgewinnen könnte. Als Erwan in der Schule Freundschaft mit Bruce schließt, gerät Michèle in ein Gefühlschaos. Bruce ist ein Mädchen, das zwischen den Geschlechtern lebt, ein Mädchen-Junge, die sich nach ihrem Idol Bruce Lee benennt. Das kämpferische Kinderspiel und das Auftauchen von Catherine, der Mutter von Bruce, bringt das Leben von Michèle in Aufruhr.

Still und gänzlich zurückgezogen schreibt Michèle über ihre Sehnsucht nach Erfüllung. Im Schreiben ist sie ehrlich und frei. Im Gegensatz zu der äußeren Welt, die sie immer mehr einengt und sogar bedrohlich ist. Kann sie in einem neuen Arbeitsumfeld berufliche und gesellschaftliche Erfüllung finden? Kann sie ihren Sohn loslassen? Die Grenzen sind nicht nur die politischen, sondern auch die selbstgesetzen, zum Beispiel das Mann- oder das Frausein.

Im Roman nimmt die Gedankenwelt von Michèle enorm viel Raum ein. Wir tauchen ein in eine weibliche Sicht auf die damalige Entwicklung, die bis heute wirkt. Neben der inneren Sicht gibt es die Beschreibungen der äußeren Erlebnisse, die inhaltlich und sprachlich eine stets wabernde und bedrohliche Gewalt mitschwingen lassen. Der Roman beinhaltet viel Emotion, die erst gezügelt, dann wie bei „Geiseln“ explosionsartig den Text vervollständigt. Aus dem Französischen wurde das Werk von Nathalie Rouanet übersetzt.

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Kristin Valla: „Das Haus über dem Fjord“

Ein Roman mit einer wunderbaren Atmosphäre, die sich im Verlauf der Handlung immer mehr aufbaut, und einer Geschichte, die durch einen gesetzten Spannungsbogen an Tempo zunimmt. Am Anfang ist es eine Familiengeschichte, in der etwas Dramatisches in der Kindheit der Erzählerin passiert. Als sie als erwachsene Frau zurückkehrt, wird fast kriminalistisch ein Geheimnis aufgedeckt. Ein Roman über Trauer, Trauerbewältigung und die wahre Liebe.

Der Zusammenhalt ist ein Leitmotiv der Handlung. Etwas, das uns verbindet, anzieht und zusammenwachsen lässt. Wenn diese Verbindung brüchig wird oder sich durch äußere Umstände löst, verlieren wir den gemeinsamen Halt. Dies ist auch in der Natur zu erleben. Salz, das in der Erde, besonders in der Tonerde lagert und die Partikel verbindet, löst sich mit der Zeit durch Eruption und Niederschlag auf und es kommt zu Rissen oder Erdrutschen. Dies passiert auch am Anfang dieser Geschichte.

Elin ist zehn Jahre jung. Es ist das Jahr 1985 und die Familie ist zu einem Fest eingeladen. Elin möchte das Kleid, das ihre Mutter ihr gekauft hatte, nicht anziehen und es kommt zum Streit. Somit fährt der Vater mit den beiden Söhnen zum Fest und die Mutter bleibt bei Elin. Auf dem Weg an der Küste kommen die älteren Brüder und der Vater ums Leben. Ein Erdrutsch hat sie in den Tod gerissen.

Anfang dreißig lebt Elin in Oslo und ist für ein Modemagazin tätig. Als ihre Mutter stirbt, reist sie in ihr nordnorwegisches Heimatdorf, um das Elternhaus aufzulösen. Während ihres Aufenthalts trifft sie auf Ola, den besten Freund ihres verstorbenen Bruders und ihre damalige Jugendliebe. Die Annäherung ist distanziert, da die beiden auch damals nicht wirklich zueinander fanden. Beim Aufräumen und Sichten der Unterlagen der Eltern findet sie Ungereimtheiten. Notizen ihres Vaters, der stets viele Termine notierte, weisen Lücken auf. In der Vergangenheit und der Geschichte ihrer Eltern scheinen Geheimnisse verborgen zu sein. Die Spurensuche führt weg vom Haus über den Fjord bis nach Südfrankreich. Eine dunkle Geschichte wird langsam freigelegt und alles gerät erneut ins Rutschen.

Ein schön geschriebenes Werk mit authentischen Charakteren. Eine anrührende Schicksalsgeschichte die von der sprachlichen Atmosphäre lebt.  Aus dem Norwegischen wurde das Buch von Gabriele Haefs übersetzt (Ut av det blå).

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Ray Loriga: „Kapitulation“

Ein Roman, der einen zukünftigen Schrecken nüchtern erzählt und durch den emotionslosen Ton viel Gefühlschaos und Gedanken beim Lesevorgang provoziert. Eine Welt, die an Orwells Visionen anknüpft und diese mit aktuellen Werken wie zum Beispiel „Lärm und Wälder“ von Juan S. Guse in Verbindung bringen lässt. Ferner wird der visionäre Roman mit den Texten von Murakami oder Houellebecq verglichen. Dies, weil Ray Lorgia die politische Belletristik durch seinen Text, der etwas vom fantastischen Realismus in sich birgt, mit neu gestaltet.

Der Roman ist eine spannende Parabel auf unsere Gesellschaft, die hier in einer verlängerten Gegenwart platziert wird. Eine Stadt als Raum, in der sich das deklarierte Böse weder verstecken noch gesellschaftlichen Schaden anrichten kann. Eine gänzlich durchsichtige Stadt. Die Menschen, die für die Bevölkerung zuständig sind, denken für diese, während sie dabei über diese nachdenken und Regierungen bilden. In diese Stadt kommen nur Menschen, die keine Verdachtsmomente erregen. Dadurch kommt es zu Verleumdungen. Es gibt Denunzianten, die andere Denunzianten denunzieren. Die Transparenz beeinträchtigt somit nicht nur die Privatsphäre.

Es herrscht Krieg. Bereits seit zehn Jahren, doch kann keiner mehr wirklich benennen, wie der Krieg ausbrach oder wer der Feind ist und für was gekämpft wird. Zumindest weiß es der Erzähler nicht. Er und seine Frau bewirtschaften ihr Anwesen und hoffen auf die Rückkehr ihrer Söhne, die in den Krieg eingezogen wurden und seitdem verschollen sind. Sie empfinden ihren Optimismus selbst schon als unbegründet. Eines Tages ist bei Ihnen im Keller ein fremdes Kind und weint. Sie nehmen sich dieses Kindes an und nennen es in Folge Julio, denn das Kind selbst schweigt beständig.

Die Front verlagert sich laut dem Bezirksvorsteher und die Liegenschaften sollen geräumt werden. Die Besitzer sollen nur das Nötigste und Erlaubte mitnehmen und den Rest, auch die Häuser, anzünden. Benzin wird gestellt. Eine Flucht erscheint unmöglich, denn auch die privaten Fahrzeuge wurden konfisziert. Die Evakuierung in die sogenannte „Durchsichtige Stadt“ wird staatlich organisiert. Alles wird reglementiert und Privates erschwert. Unter einer Glaskuppel findet sich ein Gewirr aus durchsichtigen Straßenzügen, Gebäuden und Geschäften. Medizin, Fotoalben und Kleidung werden alle neu gestellt und erstellt. Wie kann man Ruhe finden in einer gänzlichen Transparenz? Welche Geheimnisse trotzen dem gläsernen Blick? Wer die gesellschaftlichen Regeln missachtet muss mit Konsequenzen rechnen. Kapitulation, ein mögliches Einleben in der Durchsichtigkeit oder ist eine Flucht möglich?

Eine Dystopie in der Geheimnisse verboten und das Leben reglementiert ist. Jeder wird in dieser Welt zum Big Brother, jeder beobachtet, ohne den wahren Beobachter zu kennen. Bis zum Ende eine bestürzende Überraschung. Das Werk wurde aus dem Spanischen von Alexander Dobler übersetzt.

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Minu Ghedina: „Die Korrektur des Horizonts“

Ein ganz feinfühliger und wunderschön erzählter Roman. Es geht um die Brüchigkeit im Leben und um die Momente, die eine Biographie verschieben, abzweigen lassen oder sogar den Menschen ins Wanken bringen. Der Horizont als Ziel und Orientierungspunkt kann durch kleinste Verschiebungen lebensverändernd sein. Die sensible Heldin des Buches baut sich eine Bilderwelt auf und wendet sich oft in ihr Innerstes und versteckt sich selbst in lediglich empfundene Tarnkleidung.

Es ist die Geschichte von Ada, die als junges Mädchen bei ihrer Großmutter aufwächst. Warum, erzählt ihr lange keiner. Sie empfindet sich dadurch als nicht gewollt und abgeschoben und ist stets eine Fremde, wenn sie ihre Eltern und ihre jüngere Schwester besucht. Doch ist die Großmutter immer für sie da und gibt ihr ein Zuhause, in dem sie das Schöne für sich entdecken lernt. Doch das Familiäre, die menschliche Nähe und Liebe fehlen ihr. Ihr Horizont verschiebt sich zum ersten Mal in einer starken Böe, als ihre Schwester sie sogar in der Schule verleugnet.

Halt findet sie im Umfeld der Großmutter, die als Schneiderin tätig ist. Die vielen bunten Stoffe mit ihrer wärmenden, anschmiegsamen oder kühlenden Wirkung auf der Haut, eröffnen ihr eine bisher verborgene Welt. Wenn die Hausaufgaben gemacht sind, darf sie mit der Großmutter das Nähen lernen. Bei Familienfeiern oder Zusammenkünften wird Ada stets als Sonderling behandelt und sie grenzt sich immer weiter ab. Ihr Vater versucht sie oft zu manipulieren und zu beeinflussen, bis Ada erfährt, dass es wohl gar nicht ihr Vater ist. Die Mutter, die sich meist betrinkt, ist nicht zurechenbar in der Erziehungsfrage und hinterlässt bei Ada stets ein verstörendes Bild.

Zum Glück hat die Großmutter das Sorgerecht, denn somit kann Ada als Statistin am Theater arbeiten. Ihre Eltern wollen ihr auch dies verbieten.  Als sie mit der Schule die Inszenierung von Antigone sieht, öffnet sich für sie eine neue Welt. Das Theater zieht sie in den Bann und als sie bei einer Shakespeare-Aktion Freikarten gewinnt, wird ihr Wunsch am Theater zu arbeiten immer deutlicher. Die ersten Erfahrungen sammelt sie als Statistin und gerät dadurch immer mehr in die Kunstwelt. Die Bühne, die Kulissen und besonders die Kostüme mit ihren schönen Stoffen, verführen sie gänzlich und sie wird später eine erfolgreiche Kostümbildnerin.

Doch wird sich in ihrem Leben immer wieder der Horizont verschieben. Das Fehlen der menschlichen Nähe und die Unfähigkeit der Umarmung sind ein schmerzhafter Wegweiser ihres Lebens. Sie wird mit jedem Wendepunkt stärker und meistert viel Unwegsames, doch sind ihre Schwächen beständige Begleiter. Durch die geschichtlichen und politischen Ereignisse wird das innere und äußere Leben vieler Menschen ins Beben gebracht und erneut verschieben sich die Horizonte, auch die von Ada.

Ein wunderbarer Leseschatz, der tiefgründig und facettenreich ist. Die Figurenzeichnung ist sehr empathisch und Ada wächst beim Lesen immer mehr ins Herz ihrer Zuhörer. Die Schönheit, die neben den Schmerzmomenten immer mehr an Wichtigkeit erlangt, wird sinnlich und kunstvoll in Literatur verwandelt. Ein Debütroman einer Künstlerin, die auch das Titelbild gemalt hat, wird hoffentlich viele begeistern.

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Judith Holofernes: „Die Träume anderer Leute“

Wenn aus einer Heldin eine Heldin wird. Eine Biographie, die von einem Rückweg erzählt und somit eine andere Sicht auf eine Rock-Pop Heldin wirft. Es ist nicht die Geschichte vom Durchbruch einer erfolgreichen Band, sondern der sensible und ehrlich erzählte Weg nach dem Erfolg. Ein Blick auf das Danach und dem sich Neufinden und Erfinden. Ein ganz ehrliches Buch voller Träume, das nicht nur für Heldenverehrer lesenswert ist. 

Judith Holofernes Buch beginnt am Ende der Helden-Jahre. Sie ist die Frontfrau einer Band, die sich aber immer als Einheit gesehen hat und niemals den Ausverkauf ihrer Musik in den Vordergrund gestellt hat, sondern ihre Kunst und die daraus resultierende Aussage, Emotion oder Unterhaltung. Durch Glück, Zufall und die richtigen Worte und Entscheidungen waren Wir sind Helden Wegbereiter von vielen Bands, wie u.a. Silbermond. Doch was macht der Erfolg mit jungen Menschen? Menschen, die sich als Freunde vereinen und ganz große Erfolge feiern dürfen? Sie, die Sängerin, Texterin verliebt sich in den Schlagzeuger, Pola, und sie werden eine Familie mit zwei Kindern. Das Popstar- und Familienleben im Alltag wird für beide zur Belastungsprobe. Das Leben der Band ist durch Plattenaufnahmen, Interviews und ausgiebige Tourneen geprägt. Dabei wird deutlich, dass der Tour-Tross für die Kinder fast unmöglich ist und Judith Holofernes den Spagat auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit vollzieht. Dort beginnt ihr Bericht, als ihr Körper Alarmsignale sendet, sie aber weiterhin auf der Bühne alles geben will, denn ein Publikum, das sich Sorgen um die Sängerin macht, kann nicht feiern. So entscheiden sich die Helden für ein Ende. Ein Ende, das als Pause tituliert, schleichend die Helden von der gemeinsamen Bühne entlässt.

Judith Holofernes beginnt, sich an den neuen Alltag zu gewöhnen, sie lernt wieder ein Körpergefühl zu entwickeln, in dem sie sich wohl fühlt. Gleich dem Song „Bring mich nachhause“, lernt sie sich und ihre Familie neu zu finden. Sie muss Kraft finden und schöpfen für Neues. Durch die Auszeit und die Literatur beginnt Judith Holofernes wieder festen Grund im Leben zu spüren. Sie beginnt zu schreiben, Lyrik, neue Songs und sie macht Übersetzungen. Sie betrachtet dabei die Musikindustrie, in der Musiker und ihre Kreationen zu Produkten deklariert werden. Sie macht es nun in dezenter Entschleunigung und etwas selbstbestimmter als zur Heldenzeit.

Das Buch fesselt und macht neugierig auf den Werdegang der Künstlerin. Ein lesenswertes und stets  authentisches Werk. Der Text bewegt und macht auf eine positive Weise sehr nachdenklich. Ein Blick auf den Rückweg aus dem Erfolg. Eine Betrachtung der Krisen, Träume und der Zurückeroberung der Kunst. Judith Holofernes hat das Popmärchen beendet und sucht den Weg, das Magische im echten Leben zu integrieren. Eine Künstlerbiographie, die über ganz andere Seiten des Erfolgs schreibt und somit eine wahre und schöne Leseüberraschung ist.  

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Ute Cohen: „Falscher Garten“

Ute Cohen lässt uns erneut in die dunklen Ecken unserer Gesellschaft schauen. Das grüne Tal wird durch bestimmte Hände schmutzig und der idyllische Schein der verblendeten und naiven Bürger ist trügerisch. Die Perspektive ist in den Werken von Cohen stets die der Antihelden, der unsympathischen, skrupellosen und monströsen Menschen. Doch ist die Figurenzeichnung immer so angelegt, dass man ihnen, wie ihre Opfer, verfällt. Sie verstehen, uns mit ihrem Mahlstrom an Gedankenbildern an sich zu fesseln. Ute Cohen zieht sich diese Figuren kunstvoll an, schlüpft in deren Gedanken, Emotionen und verwandelt diese in eine zu dem entsprechenden Charakter passende Sprache.

Ute Cohen hat mit „Satans Spielfeld“ (siehe Leseschatz-TV (YouTube)) ihren persönlichsten Roman geschrieben, der, wie wir letztendlich erfahren haben, ihrer eigenen Biografie entsprungen ist und gerade dadurch das Ungeheuerliche gruseln lehrt. In „Poor Dogs“ tauchen wir in Figuren ein, die jegliche Grundlage der Menschlichkeit aus den Augen verlieren und alles nach Portfolio-Analysen und weiteren Business-Modellen ausrichten. Im Roman „Falscher Garten“ versucht sich ein Psychopath ein gemütliches, grünes Nest zu bauen.  Ein spannender und böser Roman, der die Gedankengänge und Erlebnisse eines Serienmörders freilegt. Dieser empfindet sich als gebildet, klug und dem Umfeld enthoben. Seine mörderischen Werke sind kunstvollen Vanitas nachempfunden. Doch da Leichen seinen Weg und seine Kunst kennzeichnen, ist er betrübt, dass die Medien dies nicht erkennen und ihn stattdessen als Monster bezeichnen. Aus ihm spricht auch eher eine sogenannte Bauernschläue, die ihn die Menschen in seinem Umfeld durch Verniedlichung oder Schubladen-Degradierung in seiner Wahrnehmung klein halten lässt.

Im Berliner Villenviertel Grunewald lebt die Journalistin Susa mit ihren Kindern. Sie hat eine Vergangenheit, die in der Punkszene zu wurzeln scheint und sie geht auch in Folge mal auf eine Demo gegen die soziale Ungerechtigkeit in Bezug auf die Neureichen. Aber mit ihrem neuen Lebenspartner, Valverde, spricht sie nicht über Vergangenes. Er kümmert sich liebevoll um die Kinder, macht ihnen auch extra Nudeln mit Tomatensauce, wenn Susa und er lediglich Salat essen. Er hat handwerkliches Geschick und betätigt sich im Haus und Garten. Susa empört sich oft über die in den Medien titulierte „Uckermark-Bestie“, nicht ahnend, dass ihr Liebhaber jener gesuchte Mann ist.

Valverde sucht das bürgerliche Leben und will einen Neuanfang. Als bei den Nachbarn, dem Schokoladenfabrikanten, der Haussegen schief hängt, wird Valverde aufmerksam, besonders, weil die Frau verschwunden ist. Viele Geschäftsideen sprudeln in seinem Kopf, denn langsam wird sein Geld knapp. Nicht immer sind diese Ideen legal oder sauber. Der falsche Garten ist eine Gedankenspirale, die sich um Valverdes Weltbild dreht.

Eine unterhaltsame Sprungübung in ein vermeintlich grünes Tal. Der Untertitel des Buches lautet „Eine schwarze Kapriole“. Eine Kapriole stammt aus der Reitkunst, gilt aber auch als launenhafter, toller Einfall und als ein übermütiger Streich. Dies gilt uneingeschränkt für den Roman von Ute Cohen.

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Siehe auch Ute Cohen zu Gast auf Leseschatz-TV

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