Janna Steenfatt: „Die Überflüssigkeit der Dinge“

Janna Steenfatt Die Überflüssigkeit der Dinge Hoffmann und Campe

Ein Warten bis sich der Vorhang zum eigenen Leben hebt. Dieser fiebrige Moment, bevor das Stück auf den Brettern, die die Welt bedeuten, losgeht, erzeugt eine Spannung auf das Kommende, das noch im Ungewissen liegt. Das Warten dahin wird mit Dingen ausgeschmückt, die aber in Bezug auf den eigenen Werdegang niemals als überflüssig bezeichnet werden sollten.

Janna Steenfatts großartiges Debüt erzählt die Geschichte von Ina, die für sich bisher keine großen Erwartungen an das Leben formulieren konnte. Sie hat Germanistik und Philosophie studiert, ohne sich Gedanken zu machen, was sie damit mal beruflich anfangen möchte. Sie sehnt sich nach Geborgenheit, nach jemandem in ihrem Leben und wünscht sich lediglich eine Arbeit, die sie etwas erfüllt und ihren Alltag finanziert. Sie lässt sich treiben und empfindet sich als eine Gelähmte, die einsehen muss, dass ihr wirkliches Leben, auf das sie bisher gewartet hatte, eventuell schon angefangen hat. Ihre Beziehungen sind bisher keine ernsthaften und eher Phasen in der persönlichen Entwicklung.

Auf Wohnungssuche in Hamburg findet sie ein WG-Zimmer bei Falk, mit dem sie sich anfreundet. Er liebt sie und sie weiß von seinen Gefühlen. Beide blenden dies aber bisher gekonnt aus. In St. Pauli leben sie nun mit einer Katze und ziehen abends auch gerne um die Häuser. Als Inas Mutter stirbt, ist es Falk, der alles organisiert, die Haushaltsauflösung und die Seebestattung in Travemünde. Die Mutter war Schauspielerin, deren große Rollen aber in der Vergangenheit lagen. Sie hatte zuletzt nur noch kleinere Auftritte und es ist fraglich, ob Inas Mutter sich das Leben genommen hat oder ob es ein Unfall war. Während der Trauerbewältigung kommt die Erinnerung an die Zeiten als Inas Mutter noch eine gefragtere Schauspielerin war. Oft sind sie umgezogen und jede neue Spielzeit verlangte von Ina als Kind und Jugendliche viel familiären Verzicht. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Als die Mutter aber eines Tages angetrunken war, verriet sie den Namen. Es ist Wolf, der gerade jetzt wieder nach Hamburg anreist, um im Schauspielhaus Shakespeares „Sommernachtstraum“ als Regisseur zu inszenieren. Ina will ihren Vater endlich treffen und nimmt einen Job in der Schauspielkantine an. Die Atmosphäre in und um das Theater lässt sie ankommen. Sie atmet diese Welt ein und kann sich langsam öffnen, gerade als sie die Schauspielerin Paula kennen und lieben lernt. Paula ist gleich der Figur Puck, die sie auf der Bühne spielt. Beide verbringen eine gemeinsame Zeit, die Ina verändert. Auch Ihrem Vater begegnet sie im Theater. Aber wie sich das Gefühlsleben von Ina entwickelt, ihr hin und her zwischen Falk und Paula und ob sie sich ihrem Vater zu erkennen gibt, soll selbst erlesen werden.

Ein Roman, der mit der Handlung und den gut gezeichneten Charakteren, sehr überzeugt. Besonders das Getriebene und das noch nicht Gefestigte im Leben der Protagonistin wird sprachlich toll eingefangen. Der Text glänzt in den Beschreibungen der einzelnen Beziehungen, zur Mutter, zum Mitbewohner, zum Kollegium und innerhalb des Liebeslebens. Die Suche nach Geborgenheit und das Angenommenwerden sind hier glaubhaft mit Humor und Einfühlungsvermögen erzählt. Durch Kleinigkeiten werden die Dinge groß, die nur auf den ersten Blick überflüssig erscheinen.

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Ilinca Florian: „Das zarte Bellen langer Nächte“

Ilinca Florian Das zarte Bellen langer Nächte Karl Rauch Verlag

Eine Frau, die sich zu finden versucht. Was kommt nach der Leichtigkeit der Jugend? Woher kann und soll man wissen, was man im Leben will?

Das Bellen kennt man als Laut, um auf sich aufmerksam zu machen, um abzuwehren oder um auf einen Missstand hinzuweisen. Doch ist dieses Bellen nicht nur im Titel ein zartes – ab und zu auch ein schönes, herzergreifendes Wimmern. Die Protagonistin des Romans wird einem sehr schnell sympathisch und ist wohl ein Abbild ihrer gegenwärtigen Großstadtgeneration. Es geht um die Sorgen und Bemühungen einer jungen Frau, die gerade ihr Studium beendet hat.

Hannah lebt mit ihrem Freund zusammen in Berlin. Ihr Freund träumt von einer Musikerkarriere. Nach ihrem Soziologie-Studium muss sie jobben, um einigermaßen zurechtzukommen. Sie hadert mit der jetzigen Situation, denn sie hatte sich das Leben anders vorgestellt. Gerade das Berufsleben, aber auch die Beziehung zu ihrem Freund, der sich als Künstler mehr oder weniger von ihr aushalten lässt. Hannah macht Schichtdienst in der Restaurantabteilung des KaDeWe, hatte vorher aber aus Geldmangel auch andere und schlimmere Jobs angenommen. Auch macht sie einmal etwas für Geld, das ihr hinterher sehr unangenehm ist. Sie findet kein echtes Ziel. Ihre Eltern, die gutbürgerlich und aus der Welt der Kunst kommen, unterstützen sie, mahnen aber auch zur bewussten Tätigkeit. Hannahs Beziehung zu ihrem Freund leidet und bekommt eigentlich nur noch eine Beständigkeit durch den Hund, der irgendwann dazukommt. Doch als die Band ihres Freundes das Angebot erhält, als Vorband auf Tour zu gehen, entfernt er sich immer mehr aus dem gemeinsamen Leben. Hannah trifft auf eine ältere und sehr gute Freundin, die eine fast schon illegale Bar eröffnet. Hannah war damals als Cocktailmixerin sehr kreativ und bekommt bei ihrer Freundin eine feste Anstellung. Doch wie soll man ernsthaft sein Leben planen, wenn man beständig getrieben wird?  Wie passt der eigentliche Lebenswunsch in die jetzige Konstellation hinein? Wie vereint man sein sprunghaftes und unkontrolliertes Leben mit den Bedürfnissen eines Hundes? Hannah findet durch ihre guten Freunde und das neue Umfeld bei der Arbeit langsam immer mehr Halt, doch kann sie sich darauf verlassen?

Ein feiner, stimmiger und lesenswerter Roman über die Suche nach den Zielen im Leben. Das Finden und das Abgrenzen stehen dabei selbstbewusst nebeneinander. Als Leser verfolgt man nur eine kurze Zeitspanne der Protagonistin, doch versteht es die Autorin sehr einfühlsam, die Sorgen, Emotionen und Gedanken der Figur glaubhaft werden zu lassen und literarisch zu fixieren.

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Ute Cohen: „Poor Dogs“

Ute Cohen Poor Dogs Sepime

Der Begriff „Poor Dogs“, also eine wirtschaftliche Bezeichnung für ein negatives Marktwachstum mit einem relativ geringen Marktanteil, ist Namenspate des neuen Romans von Ute Cohen. Ein Buch, das fordert, provoziert, ekelt und unterhält. Diese Welt, die sich dem Leser nun eröffnet, ist eine Mischung aus „The Wolf of Wall Street“, „Die Firma“ und „American Psycho“. Es sind Menschen, die hier in den Vordergrund rücken, die den Bodenkontakt verloren und jegliche Grenzen überschritten haben. Die ethischen und gesellschaftlichen Grundsätze gelten nicht für diese Charaktere. Jegliche Moral wird hier außer Kraft gesetzt. Was sind das für Menschen, die mit riesigen Geldsummen jonglieren? Menschen, die meinen Macht zu besitzen und diese in allen Facetten missbrauchen. Ihre Welt wird immer kleiner und auch die Globalisierung schrumpft. Die Länder als Spielfeld der erhobenen Spitzenklasse einer Gesellschaft, der man hier schwer Sympathie entgegenbringt.

André und Eva arbeiten für eine Unternehmensberatung und alles scheint ihnen möglich zu sein. Liebe und Leben wird nach Business-Modellen ausgerichtet. In der Welt ihres Hardcore-Kapitalismus ist alles auf Nutzenmaximierung ausgerichtet. Sie leben und handeln immer mit dem Gedanken an die Gewinnmaximierung. Auch im Privaten. Liebe ist nur ein Begriff und die Beziehungen und die Ehe sind Modelle der sexuellen Grundversorgung. Die Figuren handeln kühl, berechnend und immer nur mit dem eigenen Vorteil im Blick. Politisches und sozial korrektes Handeln verdrängen sie immer mehr. Es sind teilweise Männer, die Frauen als sich wehrende oder als sich fügende Wesen einordnen. Macht-, Business- und Sexspiele als Droge und als Mittel zum Weg an die Spitze. Gier, Belästigung und Machtmissbrauch sind an der Tagesordnung. Sie sind auf der Suche nach einer Vision für das neue Jahrtausend und alles wirkt für sie grenzenlos. Doch der Absturz folgt, nicht nur mit der Finanzkrise.

Ein triefend böser Roman, der in sich eine Spannung aufbaut, die eine überspitzte, aber leider wohl auch realistische Welt aufzeigt. Es sind Figuren, die jegliche Grundlage der Menschlichkeit aus den Augen verlieren und alles nach Portfolio-Analysen und weiteren Business-Modellen ausrichten. Der Text hat etwas, im wahrsten Sinne des Wortes, Cooles und ist stets kurz, einfach und ohne weitere Erläuterung gehalten. Somit baut sich langsam eine Handlung und, wenn überhaupt möglich, ein Bezug zu den Charakteren auf. Es ist kein Wohlfühlbuch und man hadert mit den Charakteren. Daher fällt das Lesen ab und zu schwer, aber es ist auch schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen, weil man gefesselt wird und sich dem Ganzen irgendwie nicht entziehen kann und mag.

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Isabelle Autissier: „Klara vergessen“

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Nach dem gefeierten Roman „Herz auf Eis“ hat Isabelle Autissier nun einen neuen Roman herausgebracht und konnte sich mit „Klara vergessen“ sogar literarisch steigern. Isabelle Autissier, Seglerin und engagierte Naturschützerin, hat einen Roman geschrieben, der von einer Familie erzählt, die durch die Geschichte der UdSSR geprägt wurde. Die Familie erlebte eine Inhaftierung, einen großen Verrat und lebt nun mit dem Vergessen, d.h. der Verdrängung und dem Schweigen darüber. Es ist ein historisches Abenteuer und lebt von den gelungenen Charakterisierungen und den großartigen Beschreibungen der Natur und der Ortschaften. Der Roman, der aus dem Französischen von Kirsten Gleining übersetzt wurde, unterhält, bildet und ist unheimlich packend geschrieben.

Es beginnt mit einer E-Mail. Juri ist Ornithologe und lebt in Amerika. Er bekommt eine Nachricht, dass sein Vater, der immer noch in Murmansk lebt, sterbenskrank ist und in der Klinik ist. Er möchte Juri um einen Gefallen bitten. Juri, der mit einem Mann zusammenlebt und ein glückliches Leben in Nordamerika gefunden hat, zögert nicht lange und begibt sich auf die Reise in seine Heimat. In Murmansk hat sich vieles verändert aber auch vieles ist so geblieben, wie es Juri aus seiner Kindheit erinnert. Rubin, sein Vater, ist immer noch ein harter, mitleidloser Mann, auch jetzt auf dem Sterbebett. Er möchte, dass Juri das Geheimnis um Klara, Rubins Mutter und Juris Großmutter, lüftet.

Juri geht der Geschichte nach und es wird ihm deutlich, dass sein Leben mit dem Schicksal von Rubin und Klara eng verbunden ist. Zu Zeiten Stalins kamen die Eltern von Rubin als Wissenschaftler nach Murmansk. Rubin wurde Zeuge von unheimlichen Gesprächen seiner Eltern, die anscheinend eine große Gefahr witterten. Eines Nachts wird Klara abgeführt und der fünfjährige Rubin ist seitdem leicht traumatisiert. Rubin wird später ein unerbittlicher Fischer, der seinem Sohn Härte demonstrieren will. Juri erlebte sein erstes Freiheitsgefühl am Hafen, als er und seine Mutter auf das Einlaufen des Schiffes von Rubin warteten und er den Seevögeln nachschaute. Diese Leidenschaft  wuchs in ihm und er wurde immer mehr zu einem wissbegierigen Ornithologen. Als Pionier in einem Camp entdeckte er auch seine noch nicht ausgelebte Homosexualität.

Rubin wollte Juri zu einem starken Mann erziehen, der wie er zur See fährt und nahm ihn eines Tages auch mit an Bord. Auf hoher See erlebte Juri das brutale und entbehrungsreiche Leben der Fischer und musste sich als Schiffsjunge vieles gefallen lassen. Es kam zu einer bedrohlichen Auseinandersetzung, als er in seiner Freizeit Vögel beobachtete und ihm sein Fernglas entnommen und ins Meer geworfen wurde. Er war das Opfer von täglicher Gewalt auf dem Schiff seines Vaters. Er schwor, sich von seinem Peiniger zu befreien und es kam zu einer schicksalshaften Wendung in seinem Leben.

Juri suchte sein Glück in Amerika und wurde dort auch als Ornithologe ansässig. Nun katapultiert ihn die Nachricht einer ehemaligen Nachbarin zurück in seine Vergangenheit und auch in die seines Vaters und seiner Großeltern. Klaras Inhaftierung und Verbleib ist immer noch ein Rätsel, das Rubin immer für sich geklärt haben wollte, nun aber mit seiner Krankheit auf Juri, seinen Sohn, abwälzt. Damals wurden unglaublich viele Menschen verhaftet, die sich meistens gar nichts haben zu Schulden kommen lassen. Hat Klara sich damals gegen das Regime gestellt, war sie als Wissenschaftlerin ein Opfer der Zeit oder wurde sie verraten? Juri erlebt nun das Aufbrechen des gefährlichen Schweigens und stellt sich der Vergangenheit.

Ein großartiger Roman, der fesselt und toll geschrieben ist. Mit viel Feingefühl und einer klaren, manchmal knappen Sprache wird ein großes Panorama an Geschichte, Emotionen und persönlichen Schicksalen eröffnet.

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Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“

Jami Attenberg Nicht mein Ding Schöffling

Erwachsen werden ist ein schleichender Prozess, den man erlebt, verschmäht oder gerne auch aufschiebt.  Was ist der entscheidende Auslöser in einem Leben, der einen plötzlich bewusst oder unbewusst erwachsen handeln lässt? Jami Attenberg, die Autorin von u.a. „Die Middlesteins“ oder „Saint Mazie“, wirft eine junge Frau ins Leben und lässt diese erzählen, was ihr Ding ist, dass sie am Leben hält. Auch die Umkehr, das Benennen und Erzählen von dem, was nicht ihr Ding ist, weckt beim Lesen einen Wissensdurst, der zum persönlichen Ding wird und man möchte aus dem Leben der Protagonistin mehr erfahren.

Es geht um eine Frau, die sich auf einem Selbstfindungstripp befindet. Leichter fällt es ihr natürlich, das auszufiltern, was nicht zu ihr passt, d.h. nicht ihr Ding ist. Dabei verliert sie leider ab und zu die Übersicht. Denn einiges, was sie abgelegt hatte, vermisst sie wiederum in Folge. Zum Beispiel die Kunst, die Kreativität und natürlich die Liebe.

Gleich zu Beginn der Lektüre wird man durch die direkte Ansprache per Du geradezu überrollt. Doch ist man als Leser wirklich gemeint oder wem erzählt Andrea, die Heldin des Werkes, die ganze Geschichte? Durch diesen  literarischen Schachzug wird man aufgefordert, sich dem Kommenden zu stellen und sich ganz auf das Buch einzulassen.

Andrea hat Kunst studiert und abgebrochen. Sie lebt in New York und arbeitet in einer Agentur. Sie verdient einigermaßen gut, kann sich mit der Arbeit aber nicht identifizieren und fühlt sich unterfordert. Meist hat sie ihre Aufgaben vor dem Abgabetermin fertiggestellt. In ihrem Umfeld tauchen Menschen, Freunde und Liebhaber auf, die sie mal mehr, mal weniger berühren. Ihre Familie hat emotionalen Schaden genommen. Ihr Vater, der den Jazz lebte und liebte, ist an einer Überdosis gestorben. Seitdem war die depressive Mutter für Andrea und ihren Bruder alleine zuständig. Der Bruder spielt in diversen Bands, die aber alle an mangelndem Erfolg scheitern. Dennoch bleibt er der Musik treu. Er heiratet eine Frau, die Karriere bei einem Magazin machte, das aber durch den Wandel der Zeit auch ihre berufliche Laufbahn gefährdet. Beide bekommen ein schwer krankes Kind und ziehen in die ländliche Umgebung. Andrea wird es aus egozentrischen Gründen selten schaffen, diese dort zu besuchen. Andreas Wahrnehmung kreist viel zu oft um sich selbst. Somit hat sie es auch schwer, Menschen an sich zu binden. Ihr leichter Umgang mit Sex und Alkohol vermindert sich, als sie für ihre Mutter während eines Trauerfalls und besonders für ihren Bruder und dessen Frau da sein muss, als es deren Kind immer schlechter geht. Doch auch hier möchte sie meist lieber anstelle des Kindes ein Glas Wein halten. Die angestaute Wut und Trauer um den Verlust ihres Vaters und bezüglich der vielen Männer, die sie im Umfeld ihrer Mutter, als sie noch Kind war, belästigten, sucht sich einen Weg in ihr Bewusstsein, um endlich verarbeitet zu werden. Es wird Zeit, dass sie endlich, sieht, was tatsächlich ihr Ding ist, um in der Welt der Erwachsenen mithalten zu können.

Ein Roman, der durch seinen Sound, die Erzählstruktur und die Charakterisierung begeistert. „Nicht mein Ding“ (im Original: „All Grown Up“ – Übersetzung: Barbara Christ) ist genau mein Ding: Eine humorvolle, traurige und mitreißende Lektüre. Der Roman ist spritzig, zügig und mit viel Zuneigung für die Figuren geschrieben. Das Witzige steht oft dem Tragischen gegenüber und somit wird man als Leser selbst in ein Gefühlschaos hineingerissen und verliert, d.h. verliebt sich in den Text.  Das Buch wurde von Barbara Christ übersetzt und erzeugt einen enormen Drive.

Danke an den Schöffling Verlag, der mich u.a. in der Verlagsvorschau bereits zitiert (Siehe Foto)

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Milena Agus: „Eine fast perfekte Welt“

Milena Agus Eine fast perfekte Welt dtv

„Wir kommen auf die Welt, als wäre sie perfekt, und dann …“

Was macht eine perfekte Welt aus? Was verlangen wir vom Leben? Das Schicksal der zufälligen Geburt und der persönlichen Freiheit, für sich diese Umgebung zu lieben, zu akzeptieren oder zu verlassen. Die äußerliche Wahrnehmung wechselt mit dem Betrachter. Ein Mensch, der in New York nahe der Bronx lebt, wie später im Roman, und dessen Wohnung von Müll umzäunt ist und von Mäusen belebt wird, kann dies alles ausblenden, weil er für sich das Glück dort gefunden zu haben scheint.  Die Frage, wie man es unter gewissen Umständen im Leben aushält oder sogar genießt, kann nur individuell beantwortet werden.

Nicht nur die Frage nach einem gelungenen Leben, war der Anstoß für den neuen Roman von Milena Agus. Das Buch ist aus dem Wunsch entstanden, Sardinien zu retten, d.h. in der Erinnerung zu bewahren. Sie wollte die Örtlichkeit, das Gefühl, das die italienische Insel beschwört, lebendig halten.

Es ist ein Familienroman, der von drei Generationen erzählt. Er beginnt mit Ester, die Raffaele liebt, der ihre Liebe aber nicht erwidern kann. Als sie aber von ihm schwanger wird, bemüht er sich seine Liebe zu ihr zu finden. Ester ist stets eine Getriebene. Sie findet im Leben keinen echten Halt. Sie ist immer auf der Suche nach dem perfekten Gefühl: in der Liebe und in der Heimat. Immer dort, wo sie ist, sehnt sie sich nach dem Ort zurück, den sie verlassen hat. Als sie Sardinien verlässt und auf das Festland zieht, sehnt sie sich nach dem einfachen, wilden und naturverbundenen Leben zurück. Ihre Tochter, Felicita, findet immer dort Verbundenheit, wo sie ist. Felicita stellt sich nie, wie ihre Mutter die Frage, wie man dort, wo man gerade ist, nur leben kann. Raffaele, der versucht Liebe zu geben, findet diese lediglich in seinen Jazzplatten. Ester bleibt eine verdrossene Frau, die immer ihrem Glück nachrennt. Sei es in Genua, in Mailand oder später wieder zurück auf Sardinien. Felicita hingegen ist stets unverdrossen und lebt mit ihren unehelichen Sohn, Gregorio, in dem bunten Hafenviertel von Cagliari. Auch die Vermieterin und Freundin von Felicitas, ist von Missmut und einem düsteren Menschenbild geprägt, doch bewahrt sich Felicitas stets ihre Zuversicht. Gregorio findet zum Missfallen der dortigen Nachbarn Gefallen am Klavierspiel und wird später ein Pianist, den es nach New York verschlägt. Doch wird dem glücksbegabten Gregorio ein geliebter Mensch geraubt und bei allen schlägt das Schicksal zu.

Alle Schicksalsstränge sind durchwoben von der Suche nach Glück und Heimat. Ein leichtfüßiger Roman, der voller Leben und Lebensweisheiten, die leider ab und zu leichten Phrasen tendieren,  steckt. Was ist das Wesentliche im Leben und was würde es zu einem perfekten Leben machen? Wie kann man dennoch das Glück in einer nicht perfekten Welt finden? Der Roman wurde aus dem Italienischen von Monika Köpfer übersetzt und ist ein schöner, charmanter Generationenroman, der die sardische Heimat der Autorin als schöne Kulisse belebt.

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Markus Orths: „Picknick im Dunkeln“

Markus Orths Picknick im Dunkeln Hanser

„Picknick im Dunkeln“ ist ein kluger Spaß! Was passiert, wenn einer der größten Denker des Mittelalters die circa siebenhundert Jahre nach ihm mental erfassen soll? Wie man diese Brücke schlägt, kann eigentlich nur mit Witz und Humor erklärt werden. Wer böte sich da nicht besser an als ein berühmter Film- und Bühnenkomiker. So tippeln wir Leser vorerst mit im Dunkeln und mit dem Licht kommt die wichtigste Aussage: „Vergiss das Lachen nicht“.

Markus Orths unterhält mit seinen Werken stets auf großartige Weise. Er studierte Philosophie und schreibt neben seinen Romanen auch Kinderbücher. Er ist auch niemals nur einem Genre treu. Zuletzt war sein Künstlerroman „Max“ erschienen. Auch hat er zusammen mit Michael Stavarič und Marlen Schachinger eine literarische Version des Requiems geschrieben. Sein neuer Roman lässt sich wohl am ehesten mit seinem großartigen Werk „Alpha & Omega“ vergleichen.

„Picknick im Dunkeln“ ist ein Zweimannstück, ein Kammerspiel im Dunkeln, das es auch als Bühnenbearbeitung  gibt. In absoluter, alles verschlingender Dunkelheit ist plötzlich Stanley. Eher bekannt als Stan Laurel, der ein britischer Filmkomiker, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent ist – oder muss man nun sagen war? Ist er im Tunnel, der zum Licht führt? Ist er verstorben und im Zwischenreich? Sein erster Impuls ist, auch seinen lieben Kollegen um Hilfe zu rufen. Oliver Hardy ist vor kurzem verstorben und Stanley hofft innigst, sein Freund möge ihm nun beistehen. Auch wenn dieser wieder leicht genervt fragen würde, in welch einen Schlamassel er sie diesmal wieder gebracht hätte. Stanley tastet seine Umgebung ab, ja es scheint tatsächlich ein Tunnel zu sein. Der Drang sich fortzubewegen ist groß. Somit wagt er sich erst vorsichtig, dann immer etwas mutiger vor. Dabei beginnt die Reflexion auf sein Leben, seine Leidenschaft für die Bühne und den Film. Aber was bedeutet dies alles noch hier, in diesem wohl metaphysischen Raum? Seine stets anhaltende Freude, Menschen zum Lachen zu bringen steht auch neben seinen traurigen Erlebnissen auf den Weg zum Erfolg und später als Filmstar. Während er nun in der Dunkelheit vorwärts geht, stolpert er plötzlich über etwas. Es ist ein stämmiger Mensch, der sich ebenfalls in der neuen Umgebung zurechtfinden muss. Stanley ist überrascht, dass sein neuer Weggefährte ihn nicht kennt, als er sich vorstellt. Aber wie sollte dieser auch? Hat er ja, wie sich nun herausstellt, ungefähr siebenhundert Jahre vor Stanley gelebt. Es ist Thomas von Aquin, ein italienischer Dominikaner und einer der einflussreichsten Philosophen des Mittelalters. Raum und Zeit scheinen sich aufgelöst zu haben oder hier keine Bedeutung zu haben. Warum gerade diese beiden Herren aufeinanderstoßen ist eines der Rätsel, die diese nun während ihres Vorwärtstastens zu lösen versuchen. Sie erörtern ihren Hierseins-Grund, ihre Religiosität, die Geschichte der Philosophie und viele weitere Fragen des Lebens. Stanley empfindet sich als relativ ungebildet und möchte eigentlich lieber über sich und die Filme sprechen.

Das Gespräch der beiden ist unglaublich komisch, aber zugleich auch ernst. Ihr Weg nach oben, oder nach unten, wird durch Gegenstände, Löcher oder ein abruptes Ende aufgehalten. Ist es eine Geschichte ohne Anfang und Ende? Doch geben die Herren nicht auf, sie gehen weiter oder zurück. Durch die Unterhaltung  erörtern sie oft mit trockenem Humor die existentiellen Dinge im Leben. Zum Beispiel: Ist alles Dualität, kennt die Wahrheit tatsächlich keinen Plural? Und was ist mit den Grundbedürfnissen? Ist der größte Dämon im Leben die Ablenkung vom Wesentlichen?

Ein launiges Buch über den Sinn und Unsinn, das uns den Ernst, aber auch den Witz des Lebens lehrt. Ein großer Lesespaß!

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Jacqueline Thör: „Nenn mich einfach Igel“

Jacqueline Thör Nenn mich einfach Igel Elif Verlag

Den Igel bringt man schnell mit seinen Verteidigungswaffen, den  Stacheln am Rücken und an den Flanken, in Verbindung. Aber auch mit seiner Art sich einzurollen, d.h. sich zusammenrollen, um sich ganz zurückzuziehen und sich vor der Außenwelt abzuschirmen. Allgemein als sich einigeln bekannt. Beides als Selbstschutz und als Fluchtmöglichkeit. „Nenn mich einfach Igel“ erzählt von einem Hermaphrodit. Eine Figur, die sich selbst finden und akzeptieren muss. Der Debütroman von Jacqueline Thör wirkt wie ein Märchen, eine Parabel aus der Gegenwart. Es ist die Sehnsucht, die eigene Individualität zu erkennen und zu leben. Gleichzeitig ist es der Kampf und der Wunsch nach Gleichheit.

Jacqueline Thör studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik und Journalistik. Sie ist als Journalistin für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Die Zeit tätig. Die Hauptfigur, die Igel genannt werden möchte, ist sehr belesen. Durch das Studium und das Interesse der Autorin ist es somit nicht verwunderlich, dass viele Werke im Text Erwähnung finden. Beginnend mit dem Märchen „Hans mein Igel“ von Grimm bis hin zur moderneren und aktuellen Literatur. Das Buch, an dem Igel nicht vorbeikommt, ist „Demian“ von Hesse. Der Beginn von „Demian“ passt perfekt zu den Seelenqualen von Igel: „Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte. Warum war das so sehr schwer?” (Hermann Hesse aus  „Demian“)

Igel lebt in einem Wohnheim, dem sogenannten Schloss, weil seine Mutter mal wieder für längere Zeit in einer Entzugsklinik ist. Igel wollte auf eigenen Wunsch wieder in das Schloss. Die Heimmutter, Louise, ist eine Bezugsperson in Igels Leben geworden. Igel arbeitet in einer sonderbaren und verträumten klassischen Buchhandlung und liest jede freie Minute. Seine eigenen Bücher stapeln sich unter seinem Bett, das somit immer mehr zu einem Hochbett wird. Eines Tages entsteht Unruhe im Schloss, denn eine neue Mitbewohnerin wird angekündigt. Alexandra war Insassin einer Jugendstrafanstalt und zieht nun in das Schloss. Alexandras Erscheinung und Auftreten zieht alle in ihren Bann. Igel sieht, dass Alexandra ihm auf den ersten Blick gar nicht so unähnlich ist. Alexandra ist eine androgyne, geheimnisvolle Schönheit, die auch Sascha genannt werden will. Es entsteht eine Nähe zwischen Igel und Sascha. Diese Nähe, Verbundenheit und Liebe wird Igel immer unheimlicher. Denn Sascha hat seine Geheimnisse und erzählt wenig, schon gar nicht, warum er oder sie in der Haft gesessen hat. Igel ist ein Hermaphrodit und wird somit ein Ideal für den androgynen Sascha. Igel lebt und ist das, was Sascha sich wünscht. Sascha eröffnet Igel eine neue Welt, die ihn berauscht, mit einbezieht, aber ihn auch befremdet. Der Wunsch nach Anerkennung, Liebe und Freundschaft ist geschlechterlos. Dies versucht Sascha mit seiner Gruppe den Menschen in ihrem Umfeld zu verdeutlichen. Igel ist erneut hin- und hergerissen und muss sich selbst finden und zu sich stehen. Das Stachelige und die Wunden, die Igel sich selbst zuführt, sind Bilder seiner Verzweiflung und Selbsthass. Ist alles letztendlich ein Märchen, ein Traum, aus dem es gilt aufzuwachen? Ein Buch über Liebe, Freundschaft und auch Verrat.

Ein intensiver, toll geschriebener Debütroman. Der zuweilen surreale und verträumte Text ist sehr tiefgründig, ergreifend und poetisch. Es ist ein Roman unserer Zeit, der hoffentlich viele Menschen erreicht.

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Marie Darrieussecq: „Hiersein ist herrlich“

Das Leben der Paula Modersohn-Becker

Marie Darrieussecq Hiersein ist herrlich Das Leben der Paula Modersohn-Becker Secession

Ein Kunstbuch, das wie ein Mosaik ein Bild um eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Expressionismus aufbaut. Marie Darrieussecq hat eine andere Art der Biographie geschrieben. Es ist ein Sammelsurium an Texten, Bildern und Beobachtungen. Auch werden das feministische Bild und der stete Wunsch nach Ausdruckskraft beleuchtet. Warum hat Paula fast nur in Deutschland einen Bekanntheitsgrad? Liegt es daran, dass ihre Schaffensperiode kurz war?  Weil ihr Werk als unvollendet gilt? Liegt es womöglich auch daran, dass sie eine Frau war? Nicht nur diesen Fragen spürt Marie Darrieussecq nach. Sie liest und sichtet Tagebücher, Briefe und natürlich die Gemälde. Dabei vertieft sie sich auch in die Werke der Wegbegleiter von Paula Modersohn-Becker. Beim Studieren dieser originalen Texte und Werke ergeben sich stets Lücken. Leerstellen von Begebenheiten, Zeiten oder Erlebnissen, die nicht festgehalten wurden. Es gibt neben den Überschneidungen der Werke auch jeweils andere Sichtweisen der Weggefährten. Daher war es Marie Darrieussecq wichtig, nicht zu spekulieren. Sie lässt die Quellen sprechen und kommt der Künstlerin somit sehr nah. Marie Darrieussecq hat sich auch in Worpswede umgesehen und webt diese Beobachtungen mit hinein in diese Biographie. Vor ihrem geistigen Auge erscheint Paula bei ihren Bildern. Durch dieses Büchlein, sehen nun auch wir sie.

Der Titel ist ein Rilke-Zitat, denn in dem Leben von Paula Modersohn-Becker spielten auch stets intelligente Männer und Künstler eine  Rolle. Rilke war in sie verliebt, heiratete dann aber Paulas beste Freundin Clara Westhoff. Dieses Künstlerinnenbuch belebt vorrangig, was es bedeutet Frau und Künstlerin zu sein. Paula Becker, später Modersohn-Becker, hatte nur eins im Sinn: Malen. Sie zog in die Künstlerkolonie Worpswede und wurde zu einer der prägendsten Frauen dieser Epoche und des Expressionismus. Sie lernte in Worpswede und Paris und heiratete den Landschaftsmaler Otto Modersohn. Sie fand ihren eigenen kunstreichen Stil. Ihr bekanntestes Werk ist ihr Selbstporträt während ihrer Schwangerschaft. Niemals zuvor hat sich eine Künstlerin nackt porträtiert. In den wenigen Jahren, in denen sie künstlerisch tätig war, schuf sie zahlreiche Werke, die die Perspektiven jener Kunst des frühen 20. Jahrhunderts beinhalteten.

Das Buch besteht aus kurzen Textabschnitten und zitiert dabei aus unterschiedlichen Quellen. Die Autorin will sehen, was Paula Modersohn-Becker gesehen hat und formuliert dies in diesem kleinen literarischen Kunstwerk, das klug und packend zu lesen ist. Das Buch wurde aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky und Frank Heibert übersetzt.

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Garry Disher: „Kaltes Licht“

Garry Disher Kaltes Licht Unionsverlag

Ein fabelhafter Kriminalroman, der mit einem tollen Ermittler als Helden daherkommt, der im Pensionsalter seine Polizeiarbeit wieder aufnimmt und eine ungewöhnlich gute Figur innerhalb der ganzen Kriminalliteratur abgibt.

Alan Auhl ist jener ruhige und altersweise Held in Garry Dishers Roman „Kaltes Licht“. Er wurde gebeten sogenannte Cold Cases, d.h. ältere und ungelöste Fälle zu bearbeiten. Der aus der Pensionierung zurückkehrende Sergeant wird von seinen jungen Kollegen nicht gerade herzlich und mit offenen Armen empfangen. Sein Einstieg ist von viel Spott und Hohn begleitet. Doch ist er altersmilde und lebensklug genug, um dies mit Wissen und Erfahrung zu überspielen und beharrlich auszublenden.

Die Handlung beginnt an einem milden Oktobermorgen im Garten der Familie Wrights auf der Blackberry Hill Farm. Die junge Familie ist vor Kurzem hierhergezogen. Im verdorrten Rasen beobachtet der Mann, wie eine Viper, ein großer Kupferkopf, sich Richtung Veranda schlängelt. Bevor er zuschlagen kann, was sowieso verboten wäre, verkriecht sich die Schlange unter einer Betonfläche. Der Ursprung oder der Nutzen dieser Fläche ist der jungen Familie bisher gänzlich schleierhaft. Die aufgeregte und verängstigte Familie lässt einen Schlangenfänger kommen, der aber auch nicht viel machen kann. Erst als ein weiterer Handwerker hinzukommt und die Betonfläche Stück für Stück freilegt, kommt nicht nur die Schlange zum Vorschein. Unter der Platte liegt eine skelettierte Leiche. Es stellt sich heraus, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handelte. Da dieser Fall demnach länger her ist, wird die Abteilung für ungelöste Verbrechen eingesetzt und Sergeant Alan Auhl wird beauftragt, diesen zu bearbeiten. Aber es ist nicht nur der Fall des „Plattenmanns“, der ihn fortan beschäftigt. Da gibt es noch den Arzt, dessen erste Ehefrau unter geheimnisvollen Umständen gestorben war. Ferner die beiden Schwestern Elphick. Diese kontaktierten Alan Auhl bisher jährlich und haben nun, durch seine Rückkehr zur Polizei, ebenfalls große Hoffnungen, den Tod ihres Vaters durch den Sergeant aufgeklärt zu bekommen. Es sind diese Fälle, die einen sehr gekonnten Spannungsbogen um den liebenswürdigen und ziemlich neuartigen Ermittler legen. Der stille und vielschichtige Charakter ist ein sehr intelligenter Menschenfreund, der aber auch selbst seine kleinen Macken hat. Wenn ihn mal seine Exfrau besucht, genießen beide die gemeinsame kurze Zeit. In seiner Wohnung in Melbourne bekommen neben seiner Exfrau noch weitere Menschen Asyl und seine Hilfe. Das Bild, das seine jungen Kollegen von ihm haben, wandelt sich vom hilfsbedürftigen Gerolator-Greis zum nicht beirrbaren und erfahrenen Ermittler.

Das Schlangennest bleibt aber nicht nur jenes im Garten der Blackberry Hill Farm, denn es kommen immer mehr Unstimmigkeiten zu Tage und viele Aussagen der befragten Anwohner und eventuellen Zeugen weisen immer mehr Lücken auf.

„Kaltes Licht“ ist ein toller Roman und ein richtig guter Krimi. Mit großartiger Erzählkunst werden, wie ganz nebenbei, die vielen Handlungsstränge entworfen. Jede Figur ist fein gezeichnet und wird beim Lesen glaubhaft lebendig. Übersetzt wurde das Buch aus dem Englischen von Peter Torberg.

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