Wir haben uns mal umgehört und wollten wissen, was ist Ihr oder Dein Lieblingsbuch aus der Kindheit?
Mareike und Maike, zwei Büchernärrinnen und Bloggerinen von „Herzpotenzial“ waren sofort Feuer und Flamme:
Mareike über: „Der geheime Garten“ von Francis Hodgson Burnett:
„Für mich ist dieses Buch Kindheitserinnerung pur. Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich es zum ersten Mal im Schaufenster meiner Buchhandlung sah und mich ärgerte, dass ich kein Taschengeld mehr für den Monat hatte – ein Buch selber kaufen wollte ich bis dahin noch nie. Als ich es dann hatte, war ich ziemlich überrascht, dass ich ein Buch von 1911 in den Händen halten sollte. Das verstärkte nur noch den Zauber der etwas ungewohnten Sprache und fremden Lebenswelt eines kleinen Mädchens im englischen Hochmoor, das einen geheimen Garten entdeckt.
Wie sehr ich ihn liebe, diesen hinter Hecken und Mauern versteckte, verwunschene, verzauberte Garten! Er ist mein Traum vom perfekten Moment, von Ruhe, Zuflucht. Von dem Moment an, als ich diese Passage las, war der geheime Garten ein Teil von mir und jedes gute Buch ist für mich als würde ich den rostigen Schlüssel zur Gartentür finden. Einen Weg in eine kleine geschützte Welt, voller Natur und Sonne, eine Schaukel, Ruhe und stilles Glück.
Kein Wunder, dass dieser Zauberort die Kinder verwandelt. Mary und ihr Cousin Colin müssen hier einfach aufblühen und gesunde, fröhliche Kinder werden. Das war mir schon damals mit 10 Jahren klar. Denn an so einem Ort ist alles möglich.
Keine Botschaft würde ich lieber jeder 10 Jährigen der Welt mitgeben wollen und ich bin froh, dass Frau Hodgson Burnett bereits vor über 100 Jahren mit ihren magischen Büchern kleine Gärten erschaffen hat.“
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Maike über : „Drachenreiter“ von Cornelia Funke:
„Drachenreiter“ hat mich als Kind nachhaltig beeindruckt und fasziniert mich bis heute. Es steht immer noch Bücherregal mit Kinderbüchern bei meinen Eltern und hat diverse Aussortier-Aktionen überstanden (ich habe es eisern verteidigt). Die Idee, dass es irgendwo auf der Welt ein Tal gibt, in dem sich Drachen verstecken, fand ich mit 11 Jahren absolut wundervoll. Und Kobolde! Und Zwerge!
Ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wo der Himalaya und musste erst mal den Atlas zu Rate ziehen. Erst dann wusste ich ungefähr, wo die Reise hingeht. Vor allen Dingen hat es bei mir eine Faszination für den asiatischen Kontinent ausgelöst, die mich bis heute begleitet. Aber nicht nur Länder musste ich nachschlagen, auch vieles anderes. Seitdem weiß ich aber unter anderem, was Buttertee ist.
Funke bringt in diesem Buch vollkommen unterschiedlich Figuren zusammen, nicht nur, weil viele von ihnen fantastischer Natur sind. Trotz der unterschiedlichen Charaktere raufen sie sich zusammen und stehen gemeinsam schwierigste Zeiten durch. Während ihre Freundschaft zueinander wächst, wachsen auch die Figuren an sich und werden stärker. Und auch die Wegbegleiter, die immer mal wieder auftauchen, sind hervorragende Unterstützer und helfen den Hauptfiguren aus brenzligen Situationen. Die Entschlossenheit, mit der alle für ein Ziel arbeiten und ihre Kräfte und Fähigkeiten vereinigen ist wirklich bemerkenswert und zählt für mich zu den Schlüsselbotschaften des Buches: Wenn du gute Freunde an diese Seite hast, kannst du Unglaubliches erreichen.“
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Die bekannte Autorin Sabine Kornbichler griff für uns auch zur Feder:
Sabine Kornbichler über „Mein Freund Flicka“ von Mary O´Hara:
„Eines der Bücher, die ich nie vergessen habe, ist „Mein Freund Flicka“ von Mary O’Hara. Für mich ist es ein Buch, das von der tiefen Freundschaft zwischen Mensch und Tier erzählt, von Sensibilität, von Freiheit und davon, was Verantwortung bedeutet. Es ist die Geschichte des zehnjährigen verträumten Ken und seiner Stute Flicka. Mary O‘ Hara erzählt von den gemeinsam erlebten Abenteuern der beiden und einer gemeinsam durchlebten Nacht, in der Ken um das Leben seiner Stute kämpft. Eine Geschichte, die ganz sicher nicht nur Pferdeliebhaber berührt.“
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Unsere Lieblingsbücher aus der Kindheit:
Sonja über „Mein allerschönstes Buch vom Backen, Bauen und Flugzeugfliegen“:
Sonja Harder, 44 Jahre, Buchhändlerin.
„Mein absolutes Lieblingsbuch aus der frühen Kindheit ist „Mein allerschönstes Buch vom Backen, Bauen und Flugzeugfliegen“ von Richard Scarry.
Es beschreibt in kleinen Episoden lustig, anschaulich und klug das Alltags- und Berufsleben in einer Stadt. Toll sind vor allem die vielen detailreichen Illustrationen von sehr menschlich dargestellten Tieren, auf denen man wimmelbuchartig viele Figuren mehrfach in verschiedenen Situationen wiederfindet.
Ein Buch, das bei mir bis heute einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.
Leider gibt es dieses Buch zurzeit nicht mehr in der deutschen Übersetzung, sondern nur noch im englischen Original, das aber, wenn man die englische Sprache beherrscht, noch besser ist: „Richard Scarry’s What do People do all Day?“, 978-0-553-52059-0“
Hauke über „Momo“ von Michael Ende:
Hauke Harder, 41 Jahre, bloggender Buchhändler (Der Mann hinter dem Leseschatz 😉 )
„Momo erschrak. «Was meinst du denn damit, Kassiopeia? Willst du mich denn wieder verlassen? Was hast du denn vor?» «ICH GEH DICH SUCHEN!“
„Diese Szene hat mich als Kind gefesselt und nicht mehr losgelassen. Es war das erste Mal, an das ich mich nun erinnere, dass sich mir die Welt der Literatur öffnete. Oft geht es mir auch so im Theater, wenn eine Rolle mich ergreift, dass ich sogar bei bestimmten Sätzen Gänsehaut bekomme. Dann ist dieser Satz in mir und bleibt in meiner Erinnerung fast für immer erhalten. So erging es mir damals erstmalig mit „Momo“ von Michael Ende. Auch die „Unendliche Geschichte“, „Der Spiegel im Spiegel“ und das Theaterstück „Commedia Infernale“ sind für mich unvergessen, aber „Momo“ hat mich eher in mein Phantásien eingeladen. Die Bilder der grauen Herren und die Stundenblumen haben mich erstmalig zu meinem „Bewusstsein“ geführt. Das Bewusstsein des „Hier und Jetzt“ – Zeit als persönliches Gut, als Geschenk, d.h. als Blume, die nur in meinem Herzen wächst und erlebt werden kann.
Wenn ich heute noch vor unserer Ladentür das Laub, den Schnee oder Schmutz wegfege, regt sich sofort der alte Straßenkehrer Beppo in mir und als Buchhändler ist man doch auch irgendwie ein Geschichtenerzähler, und somit wohl auch ein kleiner Gigi – Girolamo…“
„Momo“ ist für mich mein Lieblingsbuch aus der Kindheit!
Mehr Kinderbuchempfehlungen von uns.
Dies sind die ersten Eingänge zu unserem Aufruf „Mein Lieblingsbuch aus der Kindheit!“
Wir werden demnächst auch ein Fenster mit diesen Büchern und den zugestellten Texten machen. Was ist denn Ihr oder Dein Lieblingsbuch aus der Kindheit?